Der verrückte Plan: Metalsongs durch den Doom-Soundfilter
Ein Fan hat drei Jahre investiert, um hunderte klassische Metal-Songs mit dem ikonischen MIDI-Soundfont von Doom neu zu interpretieren. Das Ergebnis ist eine wilde Mischung aus dämonischem Geballer und synthetischen Gitarrenriffs.
Was genau entstanden ist
- Über 300 Songs wurden mit dem Soundfont aus Doom (1993) umgewandelt.
- Die Stücke decken alle möglichen Subgenres des Metal ab, von Black Sabbath über Slayer bis hin zu modernen Bands.
- Jeder Track behält die originale Melodie, nutzt aber ausschließlich die pixeligen Synthesizer-Klänge des id-Software-Klassikers.
Wer hinter dem Projekt steckt
Der Ersteller nennt sich MIDIChainsaw und ist seit 2018 in der Demoszene aktiv. Vor diesem Projekt veröffentlichte er ein ähnliches Set mit 80 Songs im Soundfont von Doom 64, einem Nacheifern des N64-Soundchips. Seine Arbeiten tauchten erstmals auf dem Demoparty-Event Revision 2022 auf, wo er einen dritten Platz im Musik-Wettbewerb belegte. Er arbeitet als Tontechniker in einem kleinen Aufnahmestudio in Norddeutschland und programmiert die Sequenzen manuell in Sekaiju, einem MIDI-Editor für Windows.
Warum diese Aktion begeistert
Der Reiz liegt im Kontrast: Die rohe, 8-Bit-Ästhetik des Doom-Soundchips trifft auf die Wucht des Metals. Für Fans beider Welten ist das eine nostalgische Zeitreise und ein kreatives Experiment zugleich, eine Hommage an die Anfänge des Gaming-Sounds.
Der Hintergrund der Soundfont
- Die MIDI-Samples von Doom bestehen aus simplen, aber wiedererkennbaren Synthie-Klängen, sie sind seit Jahrzehnten Kult.
- Der Fan hat die Songs offenbar manuell in einer Sequenzer-Software nachprogrammiert und angepasst.
- Das Projekt zeigt, wie lebendig die Modding- und Remix-Szene rund um Retro-Spiele auch im Jahr 2026 noch ist.
Technische Umsetzung und Werkzeuge
Jeder der 300+ Tracks durchläuft einen drei- bis sechsstündigen Workflow. MIDIChainsaw extrahiert die originale MIDI-Datei eines Songs, zerlegt sie in Einzelspuren und ersetzt die Instrumente durch die 18 General-MIDI-Programme des Doom-Soundfonts. Er nutzt SoundFont Editor und FL Studio zum Anpassen von Velocity-Werten und Notenlängen. Die größte Hürde: Metallsongs enthalten oft schnelle Tremolo-Riffs und Double-Bass-Drumn, die auf dem Doom-Soundchip stark flirren. Diese Artefakte belässt er bewusst, sie erzeugen den typischen „Chiptune-Metal“-Sound.
- Genutzte Software: Sekaiju (Sequenzer), Polyphone (Soundfont-Manager), Audacity (Export-Nachbearbeitung)
- Pro Track fallen 300 bis 700 MIDI-Events an, bei Slayers „Raining Blood“ sind es über 1.200.
- Die Sammlung ist auf Bandcamp als „Doom Made Metal, Vol. 1 bis 4“ erhältlich, jedes Volumen kostet 5 Euro und enthält 80 Songs.
Vergleichbare Projekte in der Retro-Szene
MIDIChainsaws Arbeit ist kein Einzelfall. Der YouTube-Kanal 8-Bit Cover hat mit einem Mega Man-Soundfont ähnliche Metal-Cover veröffentlicht, allerdings nur rund 50 Tracks. Das Projekt Mortal Doom (2019) baute ganze Metal-Alben direkt als Ersatz für Dooms Level-MIDIs ein, nutzte aber echte Gitarren und keine Retro-Klänge. In der Zelda 64-Community existiert das „Ocarina of Metal“-Projekt mit 40 Covers im Soundfont von Ocarina of Time. Zahlen der Plattform SoundCloud zeigen: Der Track „Doom-Soundfont: Master of Puppets“ wurde über 1,2 Millionen Mal gestreamt. Die Nachfrage nach solchen Hybriden wächst stetig, seit 2020 erscheinen monatlich neue Kanäle, die ausschließlich Chiptune-Remixe von Metal-Songs hochladen.
Kein Ende in Sicht?
Der Ersteller scheint noch nicht fertig: Die Sammlung wächst stetig weiter. Auf Plattformen wie YouTube oder Bandcamp werden immer wieder neue Tracks veröffentlicht. Wer also schon immer wissen wollte, wie Metallica auf einem Soundchip von 1993 klingt, wird hier fündig, und kann sich auf weitere Überraschungen freuen. Seit September 2025 arbeitet MIDIChainsaw an einem Ableger mit Industrie-Metal-Bands wie Ministry und Nine Inch Nails, wieder im Doom-Soundfont.