Willkommen in der schönen neuen Arbeitswelt
In Dystopicon haben Maschinen die menschliche Arbeit vollständig übernommen. Was wie ein entspanntes Leben als Privatier klingen könnte, entpuppt sich als technokratischer Albtraum.
Das Spiel stammt vom Indie-Studio Pixel Propaganda, das zuvor mit dem Titel Worker 404 bekannt wurde. In Worker 404 lag der Fokus bereits auf repetitiven Abläufen innerhalb eines sterilen Bürosystems. Mit Dystopicon erweitert das Team nun den Maßstab von der Büroetage auf das private Wohnumfeld.
Statt Freiheit erwartet euch in Dystopicon ein Leben in einer winzigen Wohnung. Der Staat bestimmt dort euren Alltag durch eine einzige, skurrile Anweisung.
Dein Pflichtprogramm als Bürger
Wer in dieser Welt ein guter Bürger sein will, muss vor allem eines: konsumieren. Die staatliche Zuteilung ist dabei glasklar geregelt:
- Der Beruf des Bürgers besteht aus exzessivem Fernsehen.
- Die Wohnung dient als Überwachungs- und Unterhaltungszelle.
- Arbeitskraft ist obsolet, da Roboter alle Aufgaben erledigen.
Das Konzept lehnt sich an das Genre des Papers, Please-Klons an, jedoch mit einer Fokusverschiebung weg von der aktiven Dokumentenprüfung hin zur passiven Resonanzmessung. Während ihr in Papers, Please aktiv Entscheidungen trefft, wer einreisen darf, seid ihr in Dystopicon das Objekt der Prüfung. Das Studio nutzt hierfür eine Engine-Erweiterung, die eure Eingaben über die Tastatur und eventuelle Mikrofonzugriffe korreliert.
Das Ziel der totalen Unterhaltung
Das Gameplay konfrontiert euch mit einer Welt, in der Produktivität durch Unterhaltung ersetzt wurde. Ihr sitzt fest, während das Fernsehprogramm zum zentralen Pfeiler eurer Existenz wird.
- Die technokratische Führung überwacht euren Fortschritt am Bildschirm.
- Jeder verpasste Werbespot oder jede ausgeschaltete Sendung könnte Folgen haben.
- Der gesellschaftliche Status hängt direkt von eurer Aufnahmefähigkeit ab.
Das Spiel gehört in das Subgenre der Dystopian Simulators, das seit dem Erfolg von Beholder und Orwell eine feste Anhängerschaft besitzt. In Beholder 2 beispielsweise agierten Spieler in einem Regierungsministerium, um den Aufstieg auf der Karriereleiter zu erzwingen. Dystopicon reduziert diesen Aufstieg auf die bloße Aufmerksamkeit vor dem Flimmerkasten, was die inhaltliche Leere des Regimes verdeutlicht.
Die technische Umsetzung von Dystopicon setzt auf eine Low-Poly-Ästhetik, um die Künstlichkeit der Umgebung zu betonen. Die Entwickler von Pixel Propaganda gaben an, dass das Spiel keine Hintergrundmusik im klassischen Sinn enthält. Stattdessen wird die Soundkulisse ausschließlich durch das Rauschen und die Werbejingles des Fernsehers dominiert.
Vergleichbare Titel wie Not Tonight versuchen ebenfalls, soziale Kontrolle durch bürokratische Hürden darzustellen. Dystopicon unterscheidet sich davon durch den Verzicht auf prozedurale Aufgaben zugunsten einer konstanten, psychologischen Überwachung. Die Spieldauer ist auf circa drei Stunden ausgelegt, was dem Umfang von Papers, Please in einem einzigen Spieldurchgang entspricht.
Das Studio plant den Release für das dritte Quartal dieses Jahres auf der Plattform Steam. Eine Konsolenvariante ist bisher nicht angekündigt, da die Steuerung des Fernsehers über Maus und Tastatur für die beabsichtigte Immersion als notwendig erachtet wird. Der Preis wird sich in der Kategorie zwischen 10 und 15 Euro bewegen. Die Kameraführung bleibt permanent auf den Fernseher fixiert, was das Gefühl der klaustrophobischen Isolation verstärkt. Solltet ihr den Blick abwenden, sinkt eure Bürgerwertung in Echtzeit.