Marken-Renewal nach acht Jahren Funkstille
Electronic Arts hat vor kurzem mehrere neue Markenanmeldungen für die Marke Ultima eingereicht. Der Schritt kam überraschend, denn die letzte Veröffentlichung unter dem Namen liegt acht Jahre zurück, Underworld Ascendant (2018), das damals nicht einmal den direkten Titel trug. Die Markenanmeldungen umfassen Kategorien für Computerspiele, Streaming-Dienste und Merchandise, ein Schutzreflex, den EA auch bei Wing Commander und System Shock anwandte, ohne anschließend neue Spiele zu veröffentlichen.
Die Serie selbst feiert inzwischen über 40 Jahre. Richard Garriott, ihr Erfinder und unter dem Pseudonym „Lord British“ bekannt, beobachtet die Entwicklung genau.
Garriott wartet auf den richtigen Moment
Der Entwickler, der die Rechte an Ultima vor langer Zeit an EA verkaufte, plant eigenen Angaben zufolge, das Copyright im nächsten Jahr zurückzuholen. Nach US-amerikanischem Urheberrecht können Autoren nach einer bestimmten Frist alte Verträge kündigen und sich die Rechte zurückholen.
- Garriott hat mehrfach öffentlich Interesse an einer Rückkehr zur Serie bekundet.
- EA hält bislang alle Marken und Verwertungsrechte.
- Die neuen Trademarks könnten ein Schutzreflex des Publishers sein.
Was bedeutet das für Fans?
Eine konkrete Ankündigung gibt es weder von EA noch von Garriott. Die Markenverlängerung allein ist kein Beleg für ein neues Spiel, oft sichern sich Publisher einfach ihre IPs.
Sollte Garriott jedoch Erfolg haben, stünde einer Neuauflage durch seinen derzeitigen Arbeitgeber Portalarium oder einen Partner nichts mehr im Weg. Die Spielerschaft wartet seit Underworld Ascendant vergeblich auf ein echtes Ultima.
Bis dahin bleibt abzuwarten, ob EA die Chance nutzt oder der Urvater der Computer-Rollenspiele seinen Thron zurückerobert.
Origin Systems, Aufstieg und Fall eines Pioniers
Origin Systems wurde 1983 von Richard Garriott und seinen Brüdern Robert und Christopher in Austin, Texas, gegründet. Das Studio brachte Ultima IV (1985) heraus, das als erstes Rollenspiel ein moralisches Wertesystem einführte, ein Novum, das spätere Titel wie Fallout und Baldur's Gate beeinflusste.
Der kommerzielle Höhepunkt kam mit Ultima VII (1992), das über 500.000 Einheiten verkaufte. Ultima Online (1997) etablierte das Genre der Massively Multiplayer Online Role-Playing Games und erreichte 1998 über 100.000 Abonnenten. EA übernahm Origin bereits 1992 vollständig, doch Garriott blieb bis 2000 kreativer Leiter.
Nach seinem Abgang verfiel die Marke. EA veröffentlichte 2004 das Action-Rollenspiel Ultima X: Odyssey nie, es wurde während der Entwicklung eingestellt. Ultima Underworld (1992) und sein Nachfolger gelten als Vorläufer des Immersive-Sim-Genres, das später Deus Ex und BioShock prägte.
Garriotts Comeback-Versuche nach EA
Garriott gründete 2000 Destination Games, das von NCsoft übernommen wurde. Sein nächstes großes Projekt Tabula Rasa (2007) kostete rund 70 Millionen Dollar und erreichte keine Million Spieler, der Serverbetrieb endete 2009. 2013 startete er einen Kickstarter für Shroud of the Avatar: 1,9 Millionen Dollar kamen zusammen, das Spiel erschien 2018. Die Community kritisierte unfertige Mechaniken und schlechte Performance.
Underworld Ascendant (2018) entstand bei OtherSide Entertainment, einem Studio mit Ex-Ultima-Entwicklern. Es erzielte auf Metacritic 38 Punkte (PC) und verkaufte sich laut Schätzungen unter 20.000 Einheiten. Garriott selbst war nur als Berater beteiligt.
Sein aktuelles Studio Portalarium, benannt nach einer Fraktion in Ultima V, hält die Rechte an der Ultima-ähnlichen Engine. Das Team ist klein, etwa 15 Mitarbeiter, und finanziert sich über Early-Access-Verkäufe von Shroud of the Avatar.
Rechtslage und Markenstrategie in der Branche
Der Copyright-Rückholparagraph (17 U.S. Code § 203) erlaubt Autoren, nach 35 Jahren eine Kündigung von Rechteübertragungen zu erklären. Garriott verkaufte Ultima 1992 an EA, das Fenster öffnet sich 2027. Die neuen Trademarks von EA könnten auf eine Verlängerung der Markenrechte zielen, die unabhängig von Urheberrechten bestehen bleiben.
Vergleichbare Fälle: Nightdive Studios kaufte 2013 die Rechte an System Shock von EA zurück, veröffentlichte 2023 ein Remake. Prince of Persia lag nach 2010 brach, bis Ubisoft 2024 mit Prince of Persia: The Lost Crown ein Comeback startete. EAs Umgang mit alten IPs zeigt eine Muster: Marken werden selten aufgegeben, aber nur bei hohem Profitpotenzial neu belebt.
Die Ultima-Spiele der 80er und 90er verkauften sich insgesamt über 15 Millionen Mal. Eine Neuauflage müsste den Spagat zwischen Nostalgie und modernen Spielwelten schaffen, ein Risiko, das EA bisher scheute.