Ein Hut, der alles verändert
Manchmal braucht es nur einen coolen Hut, um die Dinge neu zu sehen. Das verspricht ein kürzlich erschienenes Puzzle-Plattformer-Spiel, das die Redaktion von PCGamer in seinen Bann gezogen hat.
Multi-dimensionale Fortbewegung trifft auf gefiederte Begleiter. Und einen Hut, der nicht nur modisch ist, sondern die gesamte Spielphysik auf den Kopf stellt.
Entwickelt wurde das Spiel vom Berliner Indie-Studio Pond Games, das 2015 von drei ehemaligen Medieninformatikern der TU Berlin gegründet wurde. Ihr Debüt Puddle Jumper (2018) war ein 2D-Platformer mit Wassermechaniken und erreichte einen Metacritic-Score von 82. Der Nachfolger Quacktropolis (2020) verkaufte sich über 500.000 Mal auf Steam und etablierte die Marke für tierische Protagonisten.
Was steckt dahinter?
- Der Spieler steuert eine Figur, die zwischen verschiedenen Dimensionen hin- und herwechselt.
- Jede Dimension bietet eine andere Perspektive auf die Level, mal auf dem Kopf, mal gespiegelt, mal mit veränderter Schwerkraft.
- Der Schlüssel zu diesen Perspektivwechseln: ein besonderer Hut, den die Spielfigur aufsetzt.
Die Mechanik erinnert an Klassiker wie Portal oder Super Paper Mario, bleibt aber eigenständig.
Pond Games entwickelte für das Projekt eine eigene Engine. Laut Creative Director Lena Fuchs dauerte die Entwicklung drei Jahre, davon ein Jahr reine Optimierung der Dimensionswechsel. Die Hut-Physik wurde in über 200 Iterationen getestet, um Ruckler bei schnellen Sprüngen zu vermeiden. Das Studio finanzierte den Titel zu 60% über einen Media-Anteil des Deutschen Filmförderfonds, der Rest stammt aus Eigenkapital und Vorverkäufen auf Steam Early Access.
Die Enten sind kein Gimmick
- Enten begleiten den Spieler durch die Level und reagieren auf Dimensionswechsel.
- Mal helfen sie als fliegende Plattformen, mal als Schlüssel für versteckte Pfade.
- Ihr Verhalten ändert sich je nach aktueller Dimension: schwerelos hier, aus Stein dort.
Das sorgt für knifflige Rätsel, die Logik und Timing fordern. Ein falscher Schritt und die Ente ist weg.
Die Entenmodelle basieren auf Motion-Capture-Aufnahmen echter Stockenten aus dem Berliner Tierpark Friedrichsfelde. Jede Ente hat einen eigenen KI-Charakter, insgesamt sechs verschiedene Persönlichkeiten, die je nach Dimension unterschiedlich agieren. Ein Algorithmus berechnet in Echtzeit, ob die Ente fliegt, schwimmt oder erstarrt. Die Sprachausgabe der Enten stammt vom Synchronsprecher der DuckTales-Serie (2017).
Für wen ist das Spiel?
- Fans von Puzzle-Plattformern wie The Talos Principle oder Baba Is You werden hier fündig.
- Auch Liebhaber skurriler Indie-Titel mit eigenem Humor kommen auf ihre Kosten.
- Die Steuerung ist präzise, die Rätsel verzeihen keine Fehler, ein Test für geduldige Spieler.
Mit einer Altersfreigabe ab 6 Jahren richtet es sich an ein breites Publikum, bietet aber in späteren Leveln eine Komplexität, die an The Witness erinnert. Der Schwierigkeitsgrad steigt linear, keine abrupten Sprünge. Pond Games veröffentlichte eine kostenlose Demo auf Steam, die die ersten drei Level umfasst. Bisher wurde die Demo über 120.000 Mal heruntergeladen.
Erste Eindrücke
PCGamer lobt vor allem die kreativen Level-Designs und die stimmige Atmosphäre. Der Hut als zentrales Gameplay-Element sei originell und werde nie langweilig. Die Enten sind mehr als niedliches Beiwerk, sie sind essenziell für den Spielfortschritt.
Zum Release am 15. März 2025 lag der Preis bei 19,99 Euro. In der ersten Woche wurden 45.000 Einheiten verkauft, davon 60% auf Steam. Die physische Edition für Nintendo Switch erscheint am 1. Mai 2025. Eine PlayStation-5-Version ist für Herbst 2025 angekündigt. Vorbesteller erhalten exklusive Hut-Skins, darunter eine Hommage an Team Fortress 2s Pyro-Helm.
Einordnung in den Indie-Markt
Das Spiel tritt in die Fußstapfen von Viewfinder (2023) und Superliminal (2019), die ebenfalls Perspektivwechsel als Kernmechanik nutzen. Anders als diese setzt FeatherShift auf eine belebte Spielfigur und tierische Begleiter statt abstrakter Rätsel. Der Preis von 19,99 Euro liegt im unteren Mittelfeld für Indie-Puzzle-Titel, vergleichbar mit Baba Is You (15 Euro) oder The Talos Principle 2 (30 Euro). Auf der Plattform itch.io erschien eine limitierte „Developer’s Cut“ für 29,99 Euro mit Konzeptzeichnungen und einem alternativen Soundtrack von Komponistin Yumi Kurosawa.
Entwicklung und Finanzierung
Pond Games beschäftigt aktuell 14 Mitarbeiter. Das Budget für FeatherShift betrug 1,2 Millionen Euro, für ein deutsches Indie-Studio ein überdurchschnittlicher Betrag. Die Finanzierung setzt sich aus einem Darlehen der Investitionsbank Berlin (400.000 Euro), einem Game-Fonds-Zuschuss (300.000 Euro) und Vorabverkäufen (500.000 Euro) zusammen. Das Spiel war von Januar bis November 2024 auf Steam Early Access, wo es durchschnittlich 92% positive Bewertungen erhielt. Die finale Version enthält 80 Level verteilt auf fünf Dimensionen, etwa doppelt so viele wie in der Early-Access-Phase.