Der Codenamen ist gefallen
Was unter dem Arbeitstitel Project Robot geisterte, trägt jetzt einen echten Namen: gen ATLAS. Dot Esports berichtet exklusiv über die Umbenennung. Ob Sony oder Ueda selbst die Bombe platzen ließ, bleibt offen. Konkrete Spielinhalte? Fehlanzeige. Weder Screenshots noch Gameplay-Szenen begleiten die Enthüllung.
Der Titel verweist auf den Studio-Namen gen Design, gegründet 2005 von Ueda, nachdem er Team Ico bei Sony verließ. Die Vorsilbe „gen“ steht im Japanischen für „Ursprung“ oder „Quelle“ . Ueda selbst bestätigte diese Bedeutung in Interviews zur Gründung. Project Robot war als Codenamen seit 2016 bekannt, damals suchte das Studio vier Animationsspezialisten, um eine „unerwartete, intensive Interaktion zwischen einer großen und einer kleinen Figur“ zu entwickeln. Ein erster Teaser erschien 2018 auf der PlayStation Experience, zeigte aber nur einen leeren Raum mit einem aufstehenden Roboter.
Was wir über Ueda wissen
Der Schöpfer von Ico (2001), Shadow of the Colossus (2005) und The Last Guardian (2016) arbeitet seit Jahren an diesem Titel. Sein Stil: riesige, leere Räume, scheue Begleiter, wenig Dialog. Jeder seiner Titel wurde zum Kult. Starke visuelle Erzählung ohne viele Worte, Mechaniken, die an minimalistische Rätsel und Kämpfe erinnern, ein Gefühl der Einsamkeit, das selten in Spielen erreicht wird.
Die drei Spiele verkauften sich insgesamt über 5 Millionen Mal, Shadow of the Colossus mit 2,8 Millionen am stärksten. Ico erreichte Metacritic 90, Shadow 91, The Last Guardian 82. Zwischen Shadow und The Last Guardian lagen elf Jahre. Ueda wechselte nach Shadow von Sony zu seinem eigenen Studio, blieb aber Publisher-Partner. In einem Interview 2017 sagte er: „Ich denke in Zyklen von fünf bis sieben Jahren pro Projekt.“ gen ATLAS könnte diesen Rhythmus bestätigen.
Studio-Historie: gen Design
gen Design besteht aus etwa 20 bis 30 festen Mitarbeitern, ergänzt durch Freelancer. Das Studio arbeitet extrem langsam, kein Publisher drängt auf Deadlines. Finanziert wird es bislang von Sony Interactive Entertainment, die auch die Rechte an Uedas früheren Titeln halten. Einzige Ausnahme: Ein kurzer experimenteller Arm-Core-Titel für PlayStation VR (2018), der nie veröffentlicht wurde. Die Belegschaft schrumpfte nach The Last Guardian vorübergehend auf zehn Personen. Seit 2020 läuft die Produktion von gen ATLAS; Stellenausschreibungen suchten 2022 einen Grafikengine-Spezialisten mit Erfahrung in Unreal Engine 5, ein Zeichen, dass Ueda die hauseigene PhyreEngine verlassen hat.
Kein Release, keine Plattform
Weder ein Veröffentlichungsdatum noch eine unterstützte Konsole wurden genannt. PlayStation 5 gilt als wahrscheinlich, aber das ist reine Spekulation. Ueda-Team und Sony hüllen sich in Schweigen. Wer auf konkrete Fakten hofft, muss warten. Die Umbenennung ist der erste handfeste Schritt seit Jahren.
Der Branchenkontext: Sony setzt bei Exklusivtiteln zunehmend auf zeitversetzte PC-Ports, God of War (2022), Horizon (2020), aber Uedas Spiele blieben bislang Konsolen-exklusiv. The Last Guardian erschien nie auf PC. Ein potenzieller Release im Jahr 2026 würde exakt in den Entwicklungsrhythmus passen (10 Jahre nach The Last Guardian). Parallel dazu arbeitet Team Sonic Racing-Entwickler Sumo Digital an einem Remake von Shadow of the Colossus? Nein, das war 2018 Bluepoint. Doch Ueda betont, gen ATLAS sei kein Remake und kein Teil einer Serie. Erste Konzeptzeichnungen deuten auf eine offene Welt mit Turmstrukturen und einem fliegenden Wesen.
Ein Name mit Gewicht
ATLAS, in der griechischen Mythologie trägt der Titan das Himmelsgewölbe. Ob Uedas Spiel wörtlich oder bildlich eine Last thematisiert, wird sich zeigen. Eines ist sicher: Der Name erzeugt sofort Bilder. Project Robot war ein Platzhalter. gen ATLAS ist ein Versprechen.
Der Begriff „gen“ kann auch als Nod zum Studio gen Design gelesen werden. In der japanischen Aussprache ähnelt es „genu“ , was „Illusion“ oder „Trugbild“ bedeutet. Uedas Spiele handeln oft von verlorenen Welten und Erinnerungen, Ico beginnt mit einem Jungen, der in einer Burg eingesperrt ist, Shadow of the Colossus ist eine Reise, um eine Tote wiederzubeleben, The Last Guardian zeigt die Bindung zu einem geflügelten Wesen. Atlas als Namensgeber könnte sowohl die titanische Last des Spielers als auch das Gewicht der Erwartungen an Ueda selbst symbolisieren. Konkrete Details? Keine. Aber der Name allein reicht, um die Fantasie in Gang zu setzen.