Acht Jahre später: Epic setzt auf Nachahmung
Ein Bericht von Kotaku enthüllt Epics nächsten Schritt für den hauseigenen Store. Der Plan: die Lücke zum Platzhirsch Steam schließen. Das Mittel der Wahl ist überraschend simpel, Epic will Steams Erfolgsrezept kopieren.
Was das konkret bedeutet
- Epic wird Funktionen übernehmen, die Steam bereits seit Jahren bietet.
- Dazu gehören verbesserte Community-Features, Achievements und eine bessere Bibliotheksverwaltung.
- Offizielle Details gibt es noch nicht, die Richtung ist aber klar: Feature-Parität statt Innovation.
Kein Aufgeben nach acht Jahren
Der Epic Games Store startete 2018 mit großen Exklusivitäts-Deals. Trotz Milliarden-Investitionen blieb der Erfolg hinter den Erwartungen. Epic gibt seinen Storefront aber nicht auf, und setzt jetzt auf Bewährtes.
Epics Finanzierungsgeschichte
Epic Games, gegründet 1991 von Tim Sweeney, finanzierte den Store über Jahre mit den Einnahmen aus Fortnite (2017). Der Battle-Royale-Titel spülte 2018 und 2019 Milliarden in die Kasse, allein 2018 rund 2,4 Milliarden US-Dollar Umsatz.
Im Rechtsstreit mit Apple (2021) kamen Dokumente ans Licht: Epic verlor auf dem Store angeblich 300 Millionen Dollar pro Jahr. Die 88/12-Umsatzteilung (Entwickler behalten 88%) lockte zwar Studios, aber das Fehlen von Community-Features und Reviews hielt viele Spieler fern.
Branchenkontext: Steam als Maßstab
Steam (Valve) dominiert den PC-Markt mit geschätzt 75% Marktanteil bei digitalen Verkäufen. Der Store bot seit 2003 Funktionen wie Achievements, Freundeslisten, User Reviews und den Steam Workshop. Letzterer (seit 2012) ermöglicht Modding und generiert 40% des gesamten Umsatzes von Spielen wie Skyrim oder Garry's Mod.
Konkurrenten wie GOG (CD Projekt) oder der Microsoft Store kämpfen mit ähnlichen Problemen. GOG setzt auf DRM-Freiheit, Microsoft auf Game-Pass-Integration. Keiner erreicht Steams Netzwerkeffekt: 2023 zählte Steam 132 Millionen monatlich aktive Nutzer, Epic kam auf 68 Millionen, inklusive Fortnite-Zocker, die den Store nur selten für andere Spiele öffnen.
Frühere Fehler und Kurswechsel
Epics Start 2018 war holprig: Der Store hatte keinen Einkaufswagen, keine Wunschliste und keine Spielzeiterfassung. Spiele wie Metro Exodus (2019) oder Borderlands 3 (2019) erschienen exklusiv, was bei Steam-Nutzern auf heftige Kritik stieß. Epic zahlte Berichten zufolge 10 bis 20 Millionen Dollar pro Exklusiv-Deal.
Erst 2022 kamen User Reviews hinzu, 2024 ein rudimentäres Achievement-System. Die aktuelle Ankündigung zeigt: Das Management hat erkannt, dass Exklusivität allein keine dauerhafte Bindung schafft. Stattdessen will man den Store als vollwertige Plattform etablieren, mit Steams Funktionsumfang, aber ohne die Abhängigkeit von Valves Ökosystem.
Reaktionen der Spieler
In Foren und sozialen Netzwerken ist die Stimmung gemischt. Viele begrüßen die späte Anpassung an Branchenstandards. Andere spotten über die Ironie, dass Epic nach jahrelanger Kritik nun genau das tut, was es immer vermeiden wollte.
Ende der Exklusivitäts-Ära?
Der Schritt bedeutet einen klaren Strategiewechsel. Statt teurer Exklusiv-Deals konzentriert sich Epic nun auf das Kern-Erlebnis. Der Store bekommt endlich das, was Spieler von Anfang an vermisst haben, Steams Funktionsumfang, nur ohne Steam-Konto.