Ex-PlayStation-Boss Shawn Layden: „Single-Player-Spiele sind das Fundament unseres Business“
Layden macht eine Ansage
Shawn Layden, ehemaliger Präsident von Sony Interactive Entertainment, hat sich klar positioniert. In einem Gespräch mit GamesRadar+ stellt er fest: „Single-player, narrative-driven gaming is here to stay.“ Für ihn ist das keine Überraschung, schließlich wurde das Geschäft genau darauf aufgebaut.
Seine Worte sind eine klare Absage an den Hype um reine Live-Service-Modelle. „So haben wir dieses Business aufgebaut“, sagt Layden. „Das ist es, was es am Laufen hält.“
Laydens langer Weg an die Spitze
Layden leitete von 2014 bis 2019 die Worldwide Studios von Sony. Zuvor war er CEO von Sony Computer Entertainment Japan und verantwortlich für die Markteinführung der PlayStation 3 in Asien. Unter seiner Aufsicht entstanden God of War (2018), Marvel’s Spider-Man (2018) und Horizon Zero Dawn (2017). Sein Rücktritt 2019 fiel mit einer Strategieänderung bei Sony zusammen: weg vom reinen Single-Player-Fokus, hin zu mehr Live-Service-Titeln. Das Interview mit GamesRadar+ ist sein bislang deutlichstes Statement gegen diese Neuausrichtung.
Ein Blick zurück, und nach vorn
Layden verweist auf die größten Erfolge der Branche. „Die meisten unserer großartigen Spielerfahrungen“ seien jene, die dich in ihre Welt, ihre Geschichte und ihre Charaktere ziehen. Genau diese Mischung habe PlayStation groß gemacht.
- Titel wie The Last of Us, God of War oder Horizon basieren auf intensiver Erzählung
- Spieler wollen keine endlosen Mehrspieler-Schleifen, sondern emotionale Reisen
- Laydens Aussage bestätigt, was viele Fans schon lange hoffen
Verkaufszahlen belegen den Trend
The Last of Us Part II verkaufte sich über 10 Millionen Mal. God of War (2018) erreichte 23 Millionen, Horizon Zero Dawn 20 Millionen Einheiten. Alle sind narrative Single-Player-Titel ohne Mikrotransaktionen. Zum Vergleich: Sonys Live-Service-Erfolg Helldivers 2 brachte 12 Millionen Verkäufe in drei Monaten, operiert aber auf einem PvE-Koop-Modell ohne Battle Pass oder tägliche Login-Zwang. Der kommerzielle Wert linearer Erzählungen ist in den Zahlen messbar, kein Marketing-Sprech.
Kein Platz für Modeerscheinungen
Andere Publisher setzen längst auf GaaS (Games as a Service) und Mikrotransaktionen. Layden sieht darin keine Zukunft für die Seele des Mediums. Er argumentiert: Narrative Spiele seien kein Nostalgie-Produkt, sondern die DNA der Industrie.
Wer aktuell auf reine Live-Service-Titel setzt, ignoriert diese Lektion. Layden erinnert an die Basics: Eine gute Geschichte mit starken Charakteren bleibt unschlagbar.
Sonys gescheiterte Live-Service-Offensive
Nach Laydens Abgang kündigte Sony 2022 insgesamt zehn Live-Service-Spiele an. Naughty Dog stellte 2023 The Last of Us Online ein, offiziell, weil man „die Ressourcen nicht teilen“ könne. Bend Studio (Days Gone) verlor ein unangekündigtes Projekt, das Studio arbeitet nun an einem neuen Single-Player-Spiel. Sony reduzierte die Zahl auf sechs, darunter Fairgame$ (Entwickler: Haven Studios) und ein Marvel-Spiel von Insomniac Games. Bisher erschien nur Helldivers 2. Der Kurswechsel zurück zu Laydens Fundament zeichnet sich ab, auch wenn Sony es nicht offen sagt.
Was bedeutet das für die Branche?
Die Aussage kommt zu einer Zeit, in der selbst große Marken wie Assassin‘s Creed stärker auf Service-Elemente setzen. Layden hält dagegen: Der Fokus müsse wieder auf das Eintauchen in eine Welt gelegt werden, nicht auf tägliche Login-Belohnungen.
Ob Naughty Dog, Santa Monica Studio oder Guerrilla Games: Ihre erfolgreichsten Werke sind narrative Meisterwerke. Laydens Überzeugung untermauert, dass dieser Pfad nicht verlassen werden darf.
Der Branchenkontext bestätigt ihn
Ubisoft kehrte bei Assassin‘s Creed Mirage (2023) zu einem linearen, kürzeren Single-Player-Format zurück, nachdem Valhalla mit seinen Service-Elementen gemischte Kritiken bekam. Electronic Arts strich für Dragon Age: The Veilguard (2024) alle Live-Service-Pläne, nachdem Anthem (2019) ein kommerzieller und kritischer Misserfolg war. Microsoft setzt mit Starfield (2023) auf ein reines Einzelspieler-RPG, trotz Game-Pass-Modell. Laydens Interview spiegelt einen breiten Konsens: GaaS funktioniert nur für eine handvoll Titel wie Fortnite oder GTA Online. Die Masse der Spieler will Geschichten. Sony hat bislang zwei Live-Service-Spiele veröffentlicht, Helldivers 2 und das Sportsimulation MLB The Show. Keines davon ist ein narratives Story-Spiel.