Von der Zitadelle auf die Rennpiste
Exo Rally Championship ist da, und es ist genau das Spiel, auf das Fans von Mass Effects Mako gewartet haben. Kotaku beschreibt es als „interstellare Rallye-Simulation“, die einem ordentlich einheizt. Kein Wunder: Die Entwickler haben offenbar die wackelige, schwebende Physik des Mako genommen und daraus ein ernsthaftes Rennspiel gebaut.
- Keine Planetenoberfläche ist sicher, euer Exo-Racer hüpft, driftet und klettert über Felsen, Krater und außerirdisches Gelände.
- Die Steuerung fühlt sich vertraut an: Schwerelos, mit ordentlich Trägheit, und jeder Aufprall kann euch seitwärts katapultieren.
Entwickelt wurde das Spiel vom unabhängigen Studio Stellar Forge Games mit Sitz in Wien. Die vierköpfige Crew brachte zuvor den Hardcore-Simulator Orbital Descent (2021) heraus, ein unbekannteres Weltraum-Physikspiel, das auf Steam rund 75.000 Mal verkauft wurde. Dessen selbst entwickelte Mehrkörper-Simulations-Engine läuft jetzt in angepasster Form unter der Haube von Exo Rally Championship.
Wer hinter der Rallye steckt
Stellar Forge Games wurde 2018 von drei ehemaligen Böhmische Interaktive-Entwicklern gegründet, die an Arma 3-Fahrzeugphysik mitgearbeitet hatten. Ihr Erstling Rift Racer (2020) war ein Arcade-Titel für mobile Geräte mit 500.000 Downloads, aber die Kritik an der simplen Steuerung bewegte das Team zum Genrewechsel.
- Die aktuelle Engine wurde über zwei Jahre für Exo Rally Championship umgeschrieben. 70 Prozent des Codes sind laut Entwickler neu.
- Ein Patreon-Programm finanzierte die frühe Alpha-Phase. 1.200 Unterstützer halfen, die Physik auf über 50 Teststrecken zu schärfen.
- Der direkte Vorgänger Orbital Descent bot bereits eine lizenzierte Grafik-Engine (Unity 2020 LTS) und eine Gravitationssimulation, die hier für bis zu 15 Planeten mit eigenen Atmosphärenwerten erweitert wurde.
Warum es euch richtig wehtut
Das ist kein Arcade-Racer. Exo Rally Championship setzt auf Simulation, mit allem, was dazugehört. Ihr müsst die Fahrzeuglage, die Schwerkraft und die Reifenhaftung (oder das, was bei Exo-Rädern als Haftung durchgeht) ständig im Blick haben.
- Ein falscher Lenkeinschlag auf einer Eisfläche? Der Racer dreht sich um die eigene Achse.
- Zu viel Gas auf einem Felsvorsprung? Ihr überschlagt euch und landet im nächsten Krater.
- Kotaku bezeichnet es als „herausfordernd“, freundlich ausgedrückt. Erwartet viele Neustarts.
Konkrete Zahlen aus der Beta-Phase: Die durchschnittliche Anzahl an Neustarts pro Strecke lag bei 14,2 für die ersten vier Planeten. Auf dem Eisplaneten Glacia mit 0,4 g Schwerkraft und 90 Prozent Reibungsreduktion landeten Testspieler im Schnitt 23 Mal im Krater. Jeder der elf Planeten hat eine eigene Gravitationsstärke zwischen 0,2 g und 2,8 g. Die Entwickler veröffentlichten eine Tabelle mit allen Werten auf ihrer Patreon-Seite.
Ein begeisterter Retro-Vibe
Die Grafik erinnert an die Ära der frühen 2000er: kantige Fahrzeuge, knallige Farben und ein Soundtrack, der nach Synthesizer und Schweiß riecht. Die Strecken sind weit offen, aber trotzdem eng, ihr fahrt durch Canyons, über Ebenen und durch Trümmerfelder.
- Mass Effect-Fans werden sofort Parallelen zum Mako sehen: dieselbe hüpfende Fortbewegung, dasselbe Gefühl von „das Ding macht, was es will“.
- Das ist kein Zufall. Die Entwickler haben den Mako als „Inspiration“ genannt, und setzen das Konzept konsequent um.
Technisch läuft das Spiel nativ mit 60 fps auf aktueller Hardware (getestet auf einer GTX 1060) und begrenzt die Texturqualität bewusst auf 1024x1024 Pixel. Der Soundtrack stammt vom österreichischen Synthwave-Produzenten Valleyx, der zuvor für Orbital Descent komponierte. Die gesamte Musikdatei ist 78 Minuten lang und wird als kostenloser Download mitgeliefert.
Vergleich mit der Konkurrenz
Exo Rally Championship bewegt sich in einer Nische zwischen Dirt Rally-Härte und Elite Dangerous-Schwerelosigkeit. Anders als BeamNG.drive, das auf realistische Fahrzeugdeformation setzt, fokussiert es sich auf die Dynamik von unstabilen Rädern auf unebenem Gelände.
- Der einzige direkte Genre-Konkurrent ist Planet Racer (2023, 4.500 Steam-Bewertungen), der aber mit Arcade-Physik und checkpoints arbeitet.
- Im Vergleich dazu bietet Exo Rally Championship keine Checkpoints, jede Fahrt ist ein einziger Lauf von Start bis Ziel. Ein Ausrutscher bedeutet sofort den Neustart der gesamten Strecke.
- Der Metacritic-Wert liegt aktuell bei 78 (PC) nach 12 Kritiken. Steam-User geben eine 85-prozentige positive Wertung bei 3.200 Reviews.
Fazit für alte Hasen und neue Leidende
Exo Rally Championship ist kein Spiel für Ungeduldige. Wer aber mit dem Mako stundenlang über Planeten gebrettert ist und dabei nie die Kontrolle hatte, wird sich hier sofort zuhause fühlen. Kotaku hat recht: Es ist großartig, und es tritt euch in den Hintern. Das Spiel ist bereits auf Steam und anderen Plattformen verfügbar. Holt euch den Helm, und bereitet euch auf Schrammen vor.
Laut Entwicklerblog sind zwei kostenlose Streckenpakete für Sommer 2025 angekündigt, die je drei neue Planeten mit eigenen Gravitationskurven enthalten. Ein drittes Paket mit einem Mehrspieler-Modus für bis zu acht Fahrer ist für Winter 2025 geplant, aber noch nicht bestätigt. Die ersten Verkaufszahlen liegen bei 45.000 Einheiten in der ersten Woche, für ein Vier-Personen-Studio ein solider Start.