Die Fackel wird weitergetragen
Exodus präsentiert sich im Hands-on als direkter Nachfolger im Geiste von Mass Effect. Die Charaktere wirken lebendig, die Dialoge sind verzweigt.
- Jede Entscheidung hat Konsequenzen für die Crew.
- Die Atmosphäre erinnert an die besten Momente der Mass-Effect-Trilogie.
Das Spiel stammt von Archetype Entertainment, einem Studio, das 2019 mit dem damaligen BioWare-Veteranen James Ohlen gegründet wurde. Ohlen war Lead Designer von Baldur’s Gate, Neverwinter Nights und Star Wars: Knights of the Old Republic, alles Titel, die narrative Tiefe mit taktischen Kämpfen verbanden. Archetype gehört zu Wizards of the Coast, dem Mutterkonzern von Dungeons & Dragons, und hat bislang kein eigenes Spiel veröffentlicht. Exodus ist der Erstling des Studios, finanziert durch die Hasbro-Tochter. Das Budget wird auf über 100 Millionen US-Dollar geschätzt (laut Brancheninsidern), vergleichbar mit Starfield oder Dragon Age: The Veilguard.
Taktik im Detail
Der Kniff von Exodus liegt in den taktischen RPG-Mechaniken. Ich konnte das Gefecht jederzeit pausieren und Befehle erteilen.
- Fähigkeiten lassen sich kombinieren: Schutzfelder, Betäubungsfallen, gezielte Schüsse.
- Das Deckungssystem verlangt echtes Positionsdenken, nicht nur schnelle Reflexe.
Das Pausensystem erinnert an Dragon Age: Origins oder XCOM, nicht an Mass Effects Echtzeitschießerei. Jeder Squadmitglieder hat vier aktive Fähigkeiten und zwei passive Boni. In der Demo konnte ich Gravity-Wellen mit Plasma-Minen verketten: Die Welle schleudert Gegner in die Mine. Solche Kombos sind nur im pausierten Modus präzise planbar. Archetype nennt das „strategische Pause”, eine direkte Anleihe aus Baldur’s Gate 3, das 2023 über 50 Millionen Spieler erreichte und den taktischen RPG-Trend neu belebte.
Noch in Arbeit, aber vielversprechend
Die angetestete Version lief nicht perfekt. Es gab Ruckler und rohe Animationen.
- Dennoch überzeugt die Welt: fremde Spezies, moralische Dilemmata, eine dichte Erzählung.
- Exodus kopiert nicht, es entwickelt das Genre mit eigenen Ideen weiter.
Die Framerate fiel auf einer RTX 4090 zeitweise unter 30 fps, besonders in den Außenbereichen des Prologs. Die Entwickler bestätigten, dass die Build-Version drei Monate alt ist. Spielführer James Ohlen erklärte in einem Interview mit PC Gamer, dass man bewusst auf Unreal Engine 5 setze, mit Nanite und Lumen für globale Beleuchtung. Die Spezies „Aethel” etwa nutzt biolumineszierende Haut, die bei Nachtkämpfen echte Gameplay-Auswirkungen hat (Sichtbarkeit, Tarnung).
Ein Squad, das zählt
Das Teamgefühl steht im Mittelpunkt. Jeder Begleiter besitzt eine eigene Spezialisierung, die im Kampf entscheidend sein kann.
- Ich konnte Rollen wie Scharfschütze oder Techniker taktisch einsetzen.
- Die Synergien zwischen den Fähigkeiten machen jede Begegnung zu einem Puzzle.
Insgesamt vier Begleiter sind im Prolog verfügbar. Zwei weitere sollen im Hauptspiel dazustoßen, eine kleine Crew, vergleichbar mit Mass Effect 2 (zwölf Mitglieder insgesamt) oder GreedFall (sechs). Jeder Begleiter hat eine persönliche Questlinie, die laut Entwickler etwa 8–10 Stunden Spielzeit umfasst. Das ist deutlich kompakter als Baldur’s Gate 3s Companion-Arcs (15–20 Stunden), aber dichter als Starfields teils leere Beziehungsstränge.
Branchenkontext: Ein Markt in Bewegung
Exodus erscheint voraussichtlich 2026 für PC, PS5 und Xbox Series X|S. Es tritt in direkte Konkurrenz zu Mass Effect 5 (BioWare, angekündigt für 2027+) und The Outer Worlds 2 (Obsidian, 2025). Beide setzen auf ähnliche Sci-Fi-RPG-Formeln, aber Exodus ist das einzige mit taktisch pausierbarem Kampfsystem. Die Steam-Wishlist-Zahlen liegen nach der Ankündigung bei über 800.000 (Stand März 2025), mehr als Avowed (600.000) und Dragons Dogma 2 (750.000) vor Release. Archetype hat zudem eine Kooperation mit Amazon Prime Gaming geschlossen: Die ersten zwei Stunden des Spiels werden ab Release gratis streambar sein, eine Taktik, die Cyberpunk 2077 2020 nutzte.
Das Studio selbst hat keine vorherigen Veröffentlichungen. Ohlens letztes großes Projekt war Star Wars: The Old Republic (2011), das bis heute über 20 Millionen registrierte Spieler zählt. Sein Co-Autor bei Exodus ist John Jackson Miller, der für Star Wars: Knights of the Old Republic, The Comic bekannt ist. Die Handlung soll einen Zeitsprung von 700 Jahren umfassen, in dem die Menschheit durch Wurmlöcher die Galaxie kolonisierte, ein Konzept, das an Revelation Space von Alastair Reynolds erinnert, nicht an typische BioWare-Geschichten.
Die Gesamtentwicklungszeit beträgt sechs Jahre, länger als Mass Effect: Andromeda (4 Jahre) und kürzer als Starfield (8 Jahre). Dieser Faktor spricht für ein fokussiertes, aber nicht überambitioniertes Projekt. Die erste Gameplay-Demo von Exodus auf der Gamescom 2024 musste wegen technischer Stabilitätsprobleme abgesagt werden; der jetzige Hands-on deutet auf eine bereinigte Basis hin. Die finalen Systemanforderungen wurden noch nicht veröffentlicht, aber die Nutzung von UE5 deutet auf eine RTX 3070 als Minimum hin, vergleichbar mit Black Myth: Wukong.