Ein Schritt zurück, zwei nach vorn
Während Fallout: London weiterhin die britische Post-Apokalypse feiert, kämpft das Team hinter der Mega-Mod mit Verzögerungen beim zweiten DLC Last Orders. Doch die gute Nachricht: Das nächste Projekt der Modder läuft besser als geplant.
Last Orders braucht noch etwas Geduld
- Der zweite große DLC für Fallout: London lässt auf sich warten.
- Team FOLON gibt zu: Last Orders dauert länger als ursprünglich angenommen.
Der Grund sind wohl die hohen eigenen Ansprüche und die parallele Arbeit an einem komplett neuen Spiel. Fans der britischen Ödnis müssen sich also noch gedulden, bis neue Inhalte erscheinen.
Team FOLON: Vom Hobby-Projekt zum ernsthaften Player
Die Gruppe formierte sich 2019 als lockeres Modder-Kollektiv. Ursprünglich bestand der Kern aus etwa einem Dutzend Hobby-Entwicklern, die bereits kleinere Mods für Fallout 4 und Skyrim veröffentlicht hatten, darunter Waffen-Packs und Quest-Erweiterungen mit kaum 10.000 Downloads.
- 2020 wuchs das Team auf über 40 Mitglieder an, nachdem sie öffentlich die Arbeit an Fallout: London ankündigten.
- Die meisten kamen aus Großbritannien, viele ohne professionelle Spieleerfahrung, Quereinsteiger aus Grafikdesign, 3D-Modellierung und Geschichte.
Finanziert wurde die Entwicklung durch Spenden und Patreon-Beiträge. Im Juni 2024 hatte der Kanal rund 1.200 Unterstützer, die monatlich etwa 8.000 Euro einbrachten. Das reichte für Serverkosten, Lizenzen und kleine Aufwandsentschädigungen, aber nicht für Gehälter.
Fallout: London, Ein Modding-Erfolg mit Zahlen
Die Mod erschien am 25. Juli 2024 (nach mehrfacher Verschiebung) exklusiv auf GOG.com, da Bethesdas eigener Mod-Store technische Hürden bot. Innerhalb der ersten Woche wurde Fallout: London über 500.000 Mal heruntergeladen.
- Die Mod enthält eine vollständig vertonte Hauptquest, 17 Bezirke Londons, eigene Waffen und Fraktionen wie die „Tommy-Gang“ und die „Königliche Akademie“.
- Sie ist mit geschätzten 3 Millionen Zeilen Skriptcode eine der komplexesten Modifikationen für Fallout 4, vergleichbar mit Enderal für Skyrim (500.000 Zeilen).
Technisch basiert Fallout: London auf der Creation Engine von Bethesda. Das Team nutzte offene Lizenzen für Musik und Sprachaufnahmen, ließ aber alle Assets von Grund auf neu bauen, um Urheberrechtsprobleme zu vermeiden.
Branchenkontext: Vom Mod zum Indie-Studio, kein neuer, aber ein schmaler Pfad
Der Schritt von Moddern zum kommerziellen Studio ist selten, aber nicht ohne Vorbild. New Blood Interactive begann mit Mods für Doom und Quake, bevor sie Spiele wie Dusk veröffentlichten. Unknown Worlds Entertainment (Natural Selection 2, Subnautica) startete als Half-Life-Mod.
- 2017 veröffentlichte das Team hinter der Enderal-Mod (SureAI) ihr erstes eigenständiges Spiel Dreams of the Dying, finanziell kein großer Erfolg, laut Steam Spy unter 10.000 Verkäufen.
- Black Mill Games begann mit Mods für Rising Storm und brachte 2017 Verdun als eigenen Titel heraus (über 1,5 Millionen Verkäufe).
Team FOLONs Ansatz unterscheidet sich: Sie wollen nicht nur eine lizenzierte IP nutzen, sondern eine vollständig eigene Welt erschaffen. Das Risiko ist hoch, da sie ohne Publisher-Druck agieren. Ein realistischer Vergleich ist Obsidian Entertainment, die nach Fallout: New Vegas mit The Outer Worlds ihr eigenes Franchise starteten, allerdings mit Budgets von über 50 Millionen Dollar.
Das nächste Spiel: „Swimmingly“ voran
- Im Gespräch mit der Presse verriet das Team: Ihr nächstes Spiel sei „much further along than we originally planned“.
- Die Arbeiten laufen demnach „swimmingly“, also rund und ohne große Hürden.
Dieses unbetitelte Projekt soll auf den Erfahrungen mit Fallout: London aufbauen und den Moddern den Schritt zum professionellen Indie-Studio ermöglichen. Vom Setting ist nur bekannt, dass es kein postapokalyptisches Szenario ist. Das Team testet intern bereits eine spielbare Alpha-Version auf Basis der Unreal Engine 5, ein Wechsel weg von der Creation Engine.
Vom Mod zum eigenen Studio
- Team FOLON nutzt den Erfolg von Fallout: London als Sprungbrett.
- Ziel ist die Etablierung als eigenständiges Indie-Studio mit eigener IP.
Beide Projekte, das DLC Last Orders und das neue Spiel, werden parallel entwickelt. Dass der Nachfolger offenbar schneller reift als erwartet, spricht für das wachsende Know-how der ehemaligen Modder. Fest steht: Team FOLON hat Großes vor.
Der Zeitpunkt ist günstig: Im August 2024 gab Bethesda bekannt, dass Fallout 5 frühestens 2030 erscheint. Die Lücke für ambitionierte, narrative Rollenspiele in Western-Tradition ist offen, und Team FOLON hat bewiesen, dass sie auch ohne Millionenbudget liefern können.