Eine Besetzung, die Geschichte hätte schreiben können
Der Krimi-Klassiker L.A. Noire hätte beinahe ein anderes Gesicht bekommen. Lange bevor das Spiel den Markt eroberte, stand Hollywood-Star Jon Hamm auf einer Wunschliste für die Hauptrolle des Cole Phelps.
Laut dem Autor Daniel McMahon war der Schauspieler für die Rolle des Protagonisten im Gespräch. Letztlich zerschlugen sich diese Pläne jedoch.
Das Problem mit dem Budget
Die Entscheidung gegen den Schauspieler fiel aufgrund finanzieller Aspekte. Die Produktion des Titels war bereits mit hohen Anforderungen verbunden, da das Studio Team Bondi eine neue Technik für Gesichtsanimationen finanzieren musste.
- Daniel McMahon äußerte sich zu diesem Thema in einem Interview.
- Er bezeichnete Jon Hamm als einen Kandidaten, der die Stimmung der 1940er Jahre präzise verkörpert hätte.
- Die Kosten für Motion-Capture-Aufnahmen mit einem A-List-Star hätten das Budget von L.A. Noire gesprengt.
Die Wurzeln von Team Bondi
Hinter dem Projekt stand das australische Studio Team Bondi, das von Brendan McNamara gegründet wurde. McNamara leitete zuvor das Team bei Team Soho, das für das PlayStation-2-Spiel The Getaway verantwortlich war.
- Team Bondi wollte den Erfolg von The Getaway mit einem noch größeren Fokus auf Realismus fortsetzen.
- Das Studio investierte massiv in die MotionScan-Technologie, bei der 32 Kameras die Gesichtszüge der Schauspieler für die Verhöre aufzeichneten.
- Das Spiel, veröffentlicht von Rockstar Games, erschien im Mai 2011 für PlayStation 3 und Xbox 360.
Von Mad Men zum Gaming-Hit
Nach der Absage für Jon Hamm ging die Rolle an seinen Kollegen aus der Serie Mad Men. Aaron Staton übernahm den Part des Cole Phelps.
- Staton lieh der Figur sowohl sein Aussehen als auch seine Stimme.
- Die Besetzung passte in das Konzept des Noir-Spiels, da die Serie Mad Men visuell und inhaltlich ähnliche Ästhetiken bediente.
- Das Projekt profitierte von der schauspielerischen Präzision der Beteiligten, die über 20 Stunden Dialogmaterial im Studio einsprachen.
Ein Blick zurück auf das Casting
Die Wahl auf einen Co-Star aus der gemeinsamen Serie zu setzen, bewahrte das Projekt vor den hohen Kosten. McMahon räumte ein, dass Jon Hamm eine beeindruckende Wahl gewesen wäre, die das mediale Interesse weiter gesteigert hätte.
- L.A. Noire verkaufte sich bis Ende 2011 weltweit fast 5 Millionen Mal.
- Der Erfolg führte zu einer Portierung auf den PC und später zu einer Remastered-Version für PlayStation 4, Xbox One und Nintendo Switch.
- Die Besetzung von Aaron Staton prägte den Charakter von Cole Phelps, da dieser durch die Serie Mad Men bereits als talentierter Darsteller in einem historischen Setting wahrgenommen wurde.
Branchenkontext und Vergleichswerte
Das Engagement von Hollywood-Schauspielern in Videospielen war 2011 noch keine Selbstverständlichkeit für Hauptrollen. Während Titel wie Call of Duty auf prominente Sprecher setzten, nutzte L.A. Noire die Schauspieler als zentrale visuelle Ankerpunkte.
- Vergleichbare Projekte wie Heavy Rain von Quantic Dream setzten ebenfalls auf eine cineastische Inszenierung.
- Team Bondi musste nach der Veröffentlichung von L.A. Noire Insolvenz anmelden, was die schwierige Kalkulation hochbudgetierter Einzelspieler-Titel bestätigte.
- Trotz des finanziellen Drucks bleibt das Spiel die einzige große Veröffentlichung, die die MotionScan-Technik in diesem Umfang einsetzte.
Der Fokus auf eine exakte Nachbildung menschlicher Mimik bleibt bis heute das Alleinstellungsmerkmal dieses Titels. Jon Hamm ist nie wieder in einem Videospielprojekt dieser Größenordnung aufgetreten.