Zehn Jahre nach dem Skandal
Am 17. Juni 2016 kam Findet Dory in die Kinos, ein harmloses Sequel zu Findet Nemo. Doch eine zwei Sekunden lange Einstellung sorgte für Aufruhr.
Zu sehen ist ein lesbisches Paar mit einem Kind. Es war das erste Mal, dass Pixar eine queere Beziehung zeigte, wenn auch nur im Hintergrund.
Pixar vor Findet Dory: eine konservative Traditionslinie
Pixar wurde 1986 von Steve Jobs, Ed Catmull und John Lasseter gegründet. Der erste Spielfilm Toy Story (1995) revolutionierte die Animation. Findet Nemo (2003) spielte weltweit 940 Millionen Dollar ein und gewann den Oscar für den besten Animationsfilm. Dory trat dort als Nebenfigur auf und wurde zum Fanliebling.
- Bis 2016 zeigte Pixar in 17 Filmen keine einzige offen queere Figur.
- In Brave (2012) gab es eine Prinzessin, die sich gegen eine Zwangsheirat wehrte, das war damals die maximal progressive Geste des Studios.
- Intern gab es 2021 einen offenen Brief von Pixar-Mitarbeitern, die Disney vorwarfen, queere Inhalte in internationalen Fassungen zu zensieren. Die zwei Sekunden in Findet Dory blieben aber weltweit ungeschnitten.
Findet Dory selbst spielte 1,028 Milliarden Dollar ein. Die Kontroverse beeinflusste den Kassenerfolg nicht messbar.
Die zwei Sekunden, die alles veränderten
Die Szene ist leicht zu übersehen. Zwei Frauen stehen nebeneinander, eine Hand auf der Schulter der anderen, ein kleines Mädchen zwischen ihnen.
- Kein Dialog, keine Benennung der Figuren.
- Nur ein Bild, das eine Familie zeigt.
- Konservative Kreise in den USA protestierten sofort.
Für viele Zuschauer war dieser kurze Moment ein Zeichen. Pixar, lange als familienfreundlich und unpolitisch gesehen, betrat Neuland.
Branchenkontext: Animationsstudios und queere Repräsentation
Disney und andere große Studios taten sich schwer mit queeren Figuren. Die Schöne und das Biest (Live-Action, 2017) zeigte einen schwulen Nebencharakter, in Malaysia wurde der Film deshalb verboten. Onward (2020) von Pixar hatte eine lesbische Polizistin mit einem Dialog, der in Russland und mehreren arabischen Ländern herausgeschnitten wurde. Strange World (2022) zeigte einen offen schwulen Teenager, der Film floppte an den Kinokassen, was teils der kontroversen Wahrnehmung zugeschrieben wurde.
- Die zwei Sekunden in Findet Dory waren ein bewusster, aber risikominimierter Schritt: keine Namen, kein Plot, keine Konsequenzen.
- Andrew Stanton, Regisseur beider Nemo-Filme, sagte später in einem Interview, die Szene sei „einfach eine Familie, die existiert“, ohne politische Absicht.
- Die Protestgruppe One Million Moms rief zum Boykott auf, blieb aber wirkungslos: Der Film hatte das dritterfolgreichste Startwochenende eines Pixar-Films.
Pixar zwischen Kinderunterhaltung und Aktivismus
Das Studio hatte zuvor queere Inhalte gemieden. Findet Dory änderte das, wenn auch nur andeutungsweise.
- Der Film selbst handelt von einer vergesslichen Fischdame.
- Die Kontroverse entzündete sich an einem Nebenschauplatz.
- Pixar reagierte nicht auf die Kritik, ließ die Szene im Film.
Heute, zehn Jahre später, wirkt die Debatte fast absurd. Längst zeigen Animationsfilme wie Onward oder Strange World offen queere Figuren.
Was bleibt von der Kontroverse?
Findet Dory ist kein politisches Manifest. Es ist ein unterhaltsamer Film mit einer winzigen, aber bewussten Geste.
Die zwei Sekunden sind ein historischer Marker. Sie zeigen, wie viel sich in zehn Jahren verändert hat, und wie viel Aufmerksamkeit damals ein flüchtiges Bild erregen konnte.