Willkommen im feinsten Urlaubsparadies, unter Garantie nicht
Stellt euch vor, ihr reist in eine malerische Region, Japan etwa oder Mexiko. Plötzlich wimmelt es von hyperteuren Sportwagen, die durch öffentliche Straßen pflügen, Wälder zerfurchen und in alte Scheunen einbrechen. Das ist der Alltag im Forza Horizon Festival, und ja, das ist laut einer aktuellen GameSpot-Kolumne nicht nur ein lustiges Rennspiel.
- Die Spieler zerstören systematisch private Grundstücke und Infrastruktur
- Sie rammen Zivilfahrzeuge mit über 300 km/h
- Die Polizei taucht nie auf, egal was passiert
Die einzig logische Erklärung für diese Absurdität: Milliardäre. Sie organisieren das Festival als perverses Spektakel, bei dem sie schöne Urlaubsziele demoliert sehen wollen.
Hinter den Kulissen: Playground Games
Der Entwickler hinter der Satire ist Playground Games, ein britisches Studio mit 250 Angestellten. Gegründet 2010 von ehemaligen Codemasters- und Bizarre-Creations-Mitarbeitern, zuvor kein Open-World-Titel. Ihr erstes Projekt: Forza Horizon (2012) für Xbox 360, das auf einem offenen Colorado-Kartenlayout basierte. Der Erfolg führte zur Übernahme durch Microsoft 2018.
- Jeder Horizon-Titel nutzt eine komplett neue Karte: Italien/Colorado (1), Südfrankreich (2), Australien (3), UK (4), Mexiko (5)
- Das Studio arbeitet parallel an einem neuen Fable-Rollenspiel, veröffentlicht 2025 oder später
- Kein einziges Horizon-Spiel wurde auf PlayStation veröffentlicht, Microsofts Exklusiv-Strategie
Propaganda, Credits und das Belohnungssystem
Die Radio-DJs im Spiel feiern jede Aktion, einen neuen Geschwindigkeitsrekord auf einer Landstraße, einen Sieg mitten durch die Stadt. Das klingt harmlos, ist aber reine Manipulation.
- Die DJs berichten über eure Taten, als wärt ihr Helden
- Credits ersetzen echtes Geld, weil die Milliardäre bereits alle Autos aufgekauft haben
- Wer sauber fahren will, wird trotzdem unweigerlich Schaden anrichten
Die Veranstalter wollen euch das Gefühl geben, etwas Gutes zu tun. In Wahrheit seid ihr Teil einer grisligen Veranstaltung, die an den Film Death Race 2000 erinnert, nur ohne Fußgängerpunkte, aber mit ähnlich zynischem System.
Die Serie im Zeitstrahl, Verkaufszahlen und Wendepunkte
Forza Horizon 4 (2018) brachte saisonale Wechsel, 12 Millionen Spieler bis 2020. Forza Horizon 5 (2021) startete mit über 10 Millionen Spielern in einer Woche, Rekord für Game Pass. Insgesamt zählte die Serie bis 2024 mehr als 40 Millionen Spieler. Jeder Titel brachte zwei Erweiterungen: Fortune Island und Lego Speed Champions für Horizon 4, Hot Wheels und Rally Adventure für Horizon 5.
- Horizon 5 setzt auf Live-Service-Events, neue Autos monatlich
- Das Festival-Konzept blieb identisch: vier Jahreszeiten, eine Hauptstory, Freischaltung durch Ruhmespunkte
- Forza Motorsport (2023), der Sim-Ableger, verkaufte sich deutlich schlechter, 4,5 Millionen bis heute
Die Bewohner, zwischen Angst und falschem Applaus
Die normalen Autos auf den Straßen sind Zivilisten, die versuchen, ihren Alltag zu bewältigen. Sie bleiben zu Hause, wenn es geht, aber das Festival dauert Monate. Die jubelnden Menschen am Straßenrand? Das sind reiche Influencer und Clout-Jäger, die aus purer Langeweile zuschauen.
Man könnte das Ganze auch als Westworld-Szenario für Auto-Fans deuten, eine simulierte Welt, in der die KI-gesteuerte Bevölkerung einfach mitspielt. Nur dass hier echte Leute im Weg stehen.
Branchenkontext: Open-World-Racer im Vergleich
Zwei direkte Konkurrenten: The Crew Motorfest (Ubisoft, 2023) und Need for Speed Unbound (EA, 2022). Beide setzen auf Polizeiverfolgungen als Gameplay-Kern. Horizon hingegen zeigt keine Cops, die Entwickler argumentierten 2012, das Festival sei ein abgeschirmter, legaler Raum. Die Kritik der GameSpot-Kolumne untergräbt genau diese Fassade.
- The Crew Motorfest verkaufte 2 Millionen Einheiten, Need for Speed Unbound unter 1 Million
- Horizon 5 erzielte 20 Millionen Spieler bis 2023, mehr als alle NfS-Titel der letzten Dekade zusammen
- Kein anderer Racer bietet eine große, zusammenhängende Karte ohne Ladebildschirme, Horizonts technische Leistung bleibt Benchmark
Ein düsterer Gedanke, der sich festsetzt
Ja, es ist „nur ein Spiel“. Aber die Idee, dass ein fröhliches, buntes Festival mit Popmusik und Drift-Einlagen in Wahrheit ein Werkzeug der Klassenunterdrückung ist, hat etwas zutiefst Komisches, und Erschreckendes. Vielleicht sollten wir beim nächsten Rennen durch die Toskana kurz innehalten und uns fragen, wem dieser Spaß eigentlich dient.