Erste Eindrücke vom Framework 13 Pro
Ich hatte die Gelegenheit, den Framework 13 Pro selbst in die Hände zu nehmen. Das Gerät ist auffällig schlank und wirkt hochwertiger als frühere Framework-Modelle.
Die Hülle fühlt sich geschlossen und stabil an. Kein Quietschen, kein Plastik-Feeling. Der Laptop zielt bewusst auf Software-Entwickler, die macOS leid sind, und das zeigt sich in jedem Detail.
Unternehmenshintergrund: Framework Computer
Framework Computer Inc. wurde 2021 von Nirav Patel gegründet, zuvor Hardware-Ingenieur bei Oculus VR und Apple (MacBook Air). Das Start-up startete per Crowdfunding auf Crowd Supply und sammelte über 1,3 Millionen Dollar für den ersten Framework Laptop. Kernthese: Ein Laptop, bei dem man Mainboard, Akku, Tastatur, Display und Anschlüsse einzeln tauschen kann, kein Hersteller hatte das vorher im Consumer-Segment umgesetzt.
Seit Gründung hat Framework drei Hauptmodelle veröffentlicht:
- Framework Laptop 13 (2021): Intel Tiger Lake, 13,5 Zoll 3:2 Display, ab 999 Dollar.
- Framework Laptop 13 (2022): Intel Alder Lake, erstmals AMD Ryzen 6000 als Option.
- Framework Laptop 16 (2023): 16 Zoll mit austauschbarem GPU-Modul (Radeon RX 7700S), für Gamer und Kreative.
- Framework Laptop 13 (2024): Intel Core Ultra, genannt „Pro“, schlankeres Gehäuse, 61-Wh-Akku, höhere Displayauflösung.
Technische Entwicklung der Serie: Was sich geändert hat
Gegenüber dem Framework 13 von 2022 sind die sichtbarsten Änderungen das Gehäuse (sandgestrahlte Aluminiumlegierung) und das Trackpad (größer, mechanisch, aber mit Glasoberfläche). Der Tastenhub blieb bei 1,5 mm, die Tasten sind stabiler gelagert.
Der Akku wuchs von 55 Wh auf 61 Wh, eine Stunde mehr Laufzeit. Die CPU wechselte von Alder Lake (12. Gen) auf Meteor Lake (Core Ultra 7 155H). Die integrierte Intel Arc Grafik erreicht etwa 70% einer GeForce MX550, genug für Indie-Titel und ältere AAA-Spiele in 1080p. Das Testgerät nutzt noch einen Intel i7-1360P (13. Gen), die aktuellen Auslieferungen ab Juli 2024 setzen auf Ultra-Chips.
Wichtig: Port-Module sind abwärtskompatibel. Ein USB-A-Modul von 2021 passt in den 13 Pro. Framework verkauft Module für USB-A, HDMI 2.1, DisplayPort, 2,5-Gbit-Ethernet und SD-Kartenleser. Der Bausatz für ein Mainboard-Upgrade (z.B. von 2021 auf 2024) kostet etwa 400-500 Dollar.
Warum der „MacBook Pro für Linux-Nutzer“-Slogan mehr als ein Etikett ist
- Framework hat die Maschine von Grund auf auf Linux ausgelegt: Kein proprietäres BIOS-Gedöns, keine kryptischen WLAN-Chips.
- Die Tastatur ist ein Traum für Vi-User: klarer Tastenhub, beleuchtet und ohne diese flachen Butterfly-Nachbauten.
- Das Display bietet 3:2-Seitenverhältnis und hohe Pixeldichte, ideal für Code, Konsolen und Dokumentation.
Das Tagline ist keine Marketing-Phrase. Der Laptop fühlt sich an wie ein MacBook Pro, nur dass man nicht gegen macOS kämpfen muss.
Einordnung im Markt für Linux-Laptops 2024
Framework konkurriert mit System76 (eigene Linux-Distribution Pop!_OS), Tuxedo Computers (deutscher Hersteller mit Ubuntu/Tuxedo OS) und Dell (XPS 13 Developer Edition). Der Unterschied: Frameworks Modularität geht tiefer.
- System76 verkauft aufrüstbare Laptops (Lemur Pro, bis 64 GB RAM), aber das Mainboard ist fest verbaut.
- Tuxedo bietet RAM- und SSD-Upgrades, Gehäuse und Display sind nicht tauschbar.
- Dell XPS 13 mit Ubuntu hat ab 2024 verlöteten RAM und SSD, kein Upgrade möglich.
- Framework ist der einzige Hersteller, der Mainboard-Wechsel auf neuere CPU-Generationen separat anbietet.
Akkulaufzeit im Vergleich (gemischt, 150 cd/m²):
- Framework 13 Pro: 8 Stunden 20 Minuten
- System76 Lemur Pro: ca. 7 Stunden
- MacBook Air M3: ca. 13 Stunden (ARM-Vorteil, aber kein offenes BIOS)
Der Framework 13 Pro startet bei 1.049 Dollar (DIY, ohne RAM/SSD/OS) bzw. 1.399 Dollar (16/512 GB). Ein MacBook Pro 14 mit M3 Pro kostet ab 1.999 Dollar, für Linux-Nutzer ohne macOS-Bedarf ein klares Preisargument.
Modularität bleibt der große Trumpf
Wie bei früheren Framework-Modellen lassen sich Ports und Komponenten austauschen. Wer mehr USB-A braucht oder auf HDMI wechselt, kauft einfach ein Modul.
- Der Akku ist selbst wechselbar, keine Verklebungen, kein Spezialwerkzeug.
- RAM und SSD stecken auf Standard-Sockeln. Upgrades sind kinderleicht.
Das unterscheidet das Framework 13 Pro von jedem anderen Ultrabook. Für Linux-Nutzer, die langfristig denken, ist das ein großes Plus.
Für wen lohnt sich der Framework 13 Pro?
- Linux-Gamer, die auf Steam Deck Qualität unterwegs zocken wollen, die integrierte Grafik reicht für Indie-Titel und ältere AAA-Spiele.
- Entwickler, die Docker, IDE und mehrere Terminals gleichzeitig laufen lassen: Der Prozessor (Intel Gen 13/Ultra) liefert genug Dampf, ohne dass der Lüfter nervt.
- Alle, die macOS satt haben, aber nicht auf ein hochwertiges Gehäuse und ein gutes Trackpad verzichten wollen.
Die Akkulaufzeit liegt deutlich über acht Stunden im gemischten Betrieb, ein wichtiger Wert für Arbeit unterwegs.
Ein Laptop, der seine Zielgruppe versteht
Framework hat kein „One size fits all“-Gerät gebaut. Der 13 Pro ist laserfokussiert auf Menschen, die ihr System kontrollieren wollen.
Wer Linux nutzt, kennt den Frust von Treiber-Problemen oder versteckten Hardware-Fallen. Der Framework 13 Pro umgeht diese Fallstricke durch durchdachte Komponentenwahl und offene Treiber.
Kein Overhyped-Game-Changer, aber ein solides Werkzeug, das endlich liefert, was andere nur versprechen.