Neue Missionen, alte Kälte
Mit Frostpunk 2: Breach of Trust wollte 11 Bit Studios dem frostigen Überlebens-Titel einen zweiten Frühling bescheren. Der DLC liefert eine eigenständige Story-Kampagne, die zeitlich nach dem Hauptspiel angesiedelt ist.
Doch die ersten Wertungen kurz nach dem Release sind alles andere als euphorisch. Statt Begeisterung herrscht Uneinigkeit unter den Spielern.
Was die Fans spaltet
Die Reaktionen auf das neue DLC fallen in zwei Lager.
- Ein Teil der Community lobt die düstere Atmosphäre und die moralischen Dilemmata, die das Markenzeichen der Serie sind.
- Der andere Teil kritisiert vor allem mangelnde Innovation im Gameplay und eine zu lineare Erzählstruktur.
Besonders die Tatsache, dass Breach of Trust die bekannten Mechaniken nur wiederholt, statt sie weiterzuentwickeln, sorgt für Frust. Viele hatten sich nach dem eher verhaltenen Grundspiel mehr Tiefe erhofft.
Das Studio dahinter
11 Bit Studios aus Warschau wurde 2010 gegründet und machte sich mit This War of Mine (2014) einen Namen. Das Spiel zeigt den Krieg aus Zivilistenperspektive und verkaufte sich über 9 Millionen Mal.
Davor entwickelte das Team Spiele wie Anomaly: Warzone Earth (2011), einen Tower-Defense-Ableger mit umgekehrter Perspektive. Der eigentliche Durchbruch gelang aber mit Frostpunk (2018), einem Survival-City-Builder, der Ressourcenmanagement mit moralischen Entscheidungen verband.
Das erste Frostpunk verkaufte sich laut Publisher über 3 Millionen Einheiten. Es erhielt auf Metacritic eine Wertung von 84/100 und gewann unter anderem den Preis für das beste Strategie-Spiel bei den Game Developers Choice Awards.
Vom Indie-Hit zum Serien-Franchise
Frostpunk erhielt drei größere DLCs: The Rifts (Gameplay-Erweiterung), The Last Autumn (Prequel-Kampagne) und On The Edge (Post-Story-Inhalt). The Last Autumn wurde von Fans als Highlight gefeiert, weil es neue Baumechaniken und eine noch düsterere Erzählung bot.
Der Nachfolger Frostpunk 2 erschien im September 2024 und setzte die Geschichte 30 Jahre später fort. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen zurück: In den ersten vier Wochen wurden laut Branchenschätzungen rund 350.000 Einheiten abgesetzt. Das lag unter dem Start des Vorgängers, der im selben Zeitraum über 500.000 Einheiten erreichte.
Breach of Trust ist der erste Story-DLC für den Nachfolger. Der Preis liegt bei 19,99 Euro. Ein Season Pass war bereits zum Hauptspiel erhältlich.
Einordnung in den Markt
Das Genre der moralisch aufgeladenen Survival-Simulationen ist hart umkämpft. Banished (2014) und Surviving Mars (2018) zeigten, dass Spieler dauerhaft neue Mechaniken fordern. DLCs, die nur die bestehenden Systeme verlängern, werden schnell abgestraft.
Ein Vergleich: Against the Storm (2023) von Eremite Games vermischte City-Building mit Roguelike-Elementen und erhielt über 95% positive Steam-Wertungen. Der Titel zeigte, dass das Genre auch mit frischen Ideen begeistert.
11 Bit Studios selbst hat mit The Last Autumn bewiesen, dass sie einen DLC inhaltlich neu ausrichten können. Dass Breach of Trust stattdessen auf altbekannte Rezepte setzt, überrascht viele Beobachter.
Kein zweiter Frühling in Sicht
Die Hoffnung auf einen großen Neustart für Frostpunk 2 hat sich mit diesem DLC zumindest vorerst nicht erfüllt. Die gespaltene Fanbase zeigt, dass die Erwartungen an die Reihe enorm hoch sind.
Laut Metacritic liegen die Nutzerwertungen für Breach of Trust derzeit bei 6,2 von 10. Das Hauptspiel kam auf 7,0. Auf Reddit kritisieren Spieler vor allem die kurze Spielzeit von rund 6 Stunden und das Fehlen von Nebenquests.