Schlechte Nachrichten aus Japan
Nagoshi Studios, das Studio von Yakuza-Schöpfer Toshihiro Nagoshi, steht offenbar vor dem Aus. Der Hauptinvestor NetEase zog sich zurück, die Website ist offline, der YouTube-Kanal war kurzzeitig verschwunden. Jetzt liefern zwei neue Details den letzten Anschein von Hoffnungslosigkeit.
Nagoshi Studios: Eine kurze Geschichte
Toshihiro Nagoshi gründete das Studio im Januar 2022 mit NetEase als Mehrheitseigner. Er verließ Sega nach 32 Jahren, in denen er die Yakuza-Reihe als Produzent und Director prägte. Die Serie verkaufte sich weltweit über 27 Millionen Mal. Mit ihm kamen Daisuke Sato (Serienproduzent seit Yakuza 2), Kazuki Hosokawa und etwa 100 weitere Entwickler. Das Team startete mit einem Ziel: ein neues Open-World-Action-Spiel, das in einer fiktiven japanischen Stadt spielt.
Zwei klare Indizien
- In der aktuellen 40th-Jubiläums-Ausgabe der Famitsu wird Nagoshi nur als „game creator“ geführt, ohne Nennung eines Studios. Andere Entwickler werden mit ihrer Firma oder als Freelancer genannt.
- Wario64 entdeckte auf Twitter, dass Co-Gründer und Director Daisuke Sato in seiner Profilbeschreibung nun „ex-“ vor seiner Rolle bei Nagoshi Studios stehen hat.
Beide Signale sind schwer zu ignorieren. Ein Studio, das noch aktiv ist, würde seinen prominentesten Kopf nicht titellos lassen und ein Mitgründer würde sich nicht selbst als ehemalig bezeichnen.
NetEases Rückzug im Branchenkontext
NetEase investierte ab 2020 aggressiv in japanische Entwickler, darunter Grasshopper Manufacture (33 Millionen Dollar) und Sakura Studio. 2024 begann der Konzern, Projekte zu streichen, um die Profitabilität zu sichern. Laut Quartalsbericht von Q1 2024 sank der Umsatz im Spielebereich um 3 Prozent. Für Nagoshi Studios bedeutete dies das Ende der Finanzierung, nachdem bereits geschätzte 50 Millionen Dollar in die Entwicklung geflossen waren. Analysten sehen einen generellen Trend: Chinesische Publisher fokussieren sich auf mobile Spiele und bewährte IPs.
Was wird aus Gang of Dragon?
Das als Yakuza-Nachfolger angekündigte Action-Spiel Gang of Dragon wurde auf den Game Awards 2023 gezeigt. Seit NetEases Rückzug gab es keine weiteren offiziellen Updates. Angesichts der aktuellen Lage ist eine Veröffentlichung in der ursprünglich geplanten AAA-Form mehr als unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher ist, dass das Projekt komplett eingestellt wurde.
Vergleichbare Fälle in der Branche
Nagoshi Studios reiht sich ein in eine Liste eingestellter Projekte. PlatinumGames verlor 2024 seinen Publisher und strich Project G.G. nach Jahren der Entwicklung. Auch Sakura Studio von NetEase wurde 2023 geschlossen. Ein weiteres Beispiel: Tango Gameworks (The Evil Within) wurde 2023 von Microsoft geschlossen. Solche Ausfälle zeigen, wie schnell Projekte sterben, wenn der Geldgeber abspringt.
Trost für alte Yakuza-Fans
Wer auf den typischen Nagoshi-Stil hofft, muss sich anderswo umsehen. Stranger than Heaven (trotz Kontroversen um das Casting) und Virtua Fighter Crossroads könnten zumindest teilweise die Lücke füllen. Nagoshi Studios wäre damit ein weiteres Opfer der aktuellen Branchenkonsolidierung, traurig, aber leider kein Einzelfall.