Die Zusammenarbeit der Fantasy-Größen
Peter Orullian und Brandon Sanderson arbeiten bei Songs of the Dead nicht zum ersten Mal zusammen, da sie bereits seit Jahren über literarische Konzepte kommunizieren. Ihre Kooperation bei diesem Projekt nutzt Sandersons Erfahrung mit der sogenannten „Hard Magic“-Struktur, während Orullian die erzählerische Tonalität formt.
Die Geschichte konzentriert sich auf ein verborgenes London, das unter der heutigen Metropole existiert. Sie nutzen hierfür das Konzept des „Hidden London“, das in der modernen Fantasy oft als Kontrast zur sterilen Oberfläche dient.
Der Kern von Songs of the Dead
Das Projekt transformiert das Genre der urbanen Fantasy durch eine strikte Regelmäßigkeit der magischen Auswirkungen. Sanderson implementiert hier sein bekanntes Prinzip, dass Magie Kosten und Konsequenzen benötigt, um für Leser nachvollziehbar zu bleiben.
- Das Setting dient als Gefängnis für Entitäten, die in der menschlichen Historie als Mythen existieren.
- Die Magie folgt physikalischen Gesetzen innerhalb der Unterwelt, was den Aufbau der Hierarchien bestimmt.
- London fungiert als Grenzgebiet, in dem die physische Welt die magische Realität stützt.
Kreative Prozesse hinter dem Text
Orullian und Sanderson nutzen für ihre Planung Tools, die normalerweise im Bereich des Gamedesigns Anwendung finden. Sie erstellen Tabellen für die Interaktion der Charaktere mit den magischen Objekten, um logische Fehler in der Handlung zu vermeiden.
- Sanderson ist bekannt dafür, seine Welten in der Cosmere-Bibliothek über Jahrzehnte hinweg zu verknüpfen.
- Die Autoren teilen sich ein gemeinsames Dokument, in dem die „Metaphysik“ der Unterwelt-Hierarchie festgehalten ist.
- Jede Figur unterliegt einer grafischen Entwicklung, die ihren Status innerhalb der sozialen Struktur der Unterwelt definiert.
Fokus auf das Setting
Das verborgene London teilt sich in verschiedene Bezirke auf, die auf realen historischen Stätten basieren. Orullian integriert dabei reale Karten der Londoner U-Bahn-Tunnel und verlassener Stationen wie Down Street oder Brompton Road.
Die Serie stellt eine Abkehr von Sandersons üblichen High-Fantasy-Werken wie The Stormlight Archive oder Mistborn dar. Während seine anderen Projekte Millionenauflagen erreichen, fokussiert sich dieses Werk auf eine kompaktere, düstere Erzählweise.
Branchenkontext und Hintergrund
Das Projekt Songs of the Dead erscheint in einem Markt, der von urbaner Fantasy wie Neverwhere von Neil Gaiman oder den Rivers of London-Büchern von Ben Aaronovitch geprägt ist. Sanderson bringt in diese Zusammenarbeit seine Erfahrung aus der Arbeit mit Verlagen wie Tor Books ein, die für die Etablierung moderner Fantasy-Größen bekannt sind.
- Orullian veröffentlichte zuvor The Unremembered, ein Werk, das durch seine musikalischen Themen und den Fokus auf epische Strukturen auffiel.
- Sanderson hält mit seinem Verlag Dragonsteel Entertainment die volle Kontrolle über seine IPs und nutzt diese Unabhängigkeit für Experimente mit neuen Formaten.
- Im Vergleich zu klassischen Romanreihen planen die Autoren eine multimediale Auswertung, die durch die enge Verknüpfung der Magieregeln auch für eine Adaption als Spiel oder Graphic Novel geeignet ist.
Sanderson beendete 2013 die Wheel of Time-Serie von Robert Jordan, was ihn endgültig als Verwalter komplexer Welten etablierte. Seine Arbeitsweise, bei der er Assistenten und Co-Autoren in die Detailarbeit einbindet, findet sich nun in der Zusammenarbeit mit Orullian wieder. Die erste Ausgabe von Songs of the Dead erscheint voraussichtlich im kommenden Jahr über ein von den Autoren kuratiertes Format.