Crisis in the Shadows
Ubisofts nächstes Ghost Recon, intern als Project OVR bekannt, steckt in ernsten Schwierigkeiten. Laut einem Bericht von Insider Gaming hat das Projekt eine interne Überprüfung nicht bestanden. Anonyme Quellen sprechen von „unrealistischen Deadlines“ sowie „schlechter Planung und Führung“.
Ubisoft lehnte die von den Direktoren vorgeschlagenen alternativen Produktionspläne ab. Stattdessen setzt der Publisher nun zusätzliche Führungskräfte ein, um die Entwicklung enger zu überwachen. Ein internes Memo beschreibt Project OVR zwar als „starke“ Basis, aber das allein reicht nicht.
Silent Layoffs und drohende Absage
- Dem Bericht zufolge gab es bereits stille Entlassungen im Team von Project OVR.
- Weitere Kürzungen könnten folgen.
- Insider Gaming berichtet von der Möglichkeit einer „vollständigen Neuentwicklung oder sofortigen Einstellung“, falls die Probleme nicht gelöst werden.
Ubisoft selbst hatte das Spiel im letzten Jahr offiziell bestätigt und als möglichen First-Person-Shooter angekündigt. Es soll einer der Titel sein, die den Publisher ab 2027/28 wieder in die Gewinnzone bringen sollen.
Die Ghost-Recon-Serie: Vom Taktik-Shooter zur Open-World-Krise
Die Ghost Recon-Reihe startete 2001 als hardcore Taktik-Shooter mit hohem Schwierigkeitsgrad und realistischem Militärsetting. Entwickelt von Red Storm Entertainment, einem 1996 gegründeten Studio, das später von Ubisoft übernommen wurde. Die frühen Titel, Ghost Recon (2001), Ghost Recon 2 (2004) und Advanced Warfighter (2006), definierten das Genre mit.
Ghost Recon Wildlands (2017) markierte einen radikalen Bruch: eine offene Welt in Bolivien, Koop-Fokus, Third-Person-Perspektive. Es verkaufte sich über zehn Millionen Mal und wurde zum kommerziellen Erfolg. Der Nachfolger Ghost Recon Breakpoint (2019) sollte darauf aufbauen, scheiterte aber an technischen Problemen, einem unausgegorenen Loot-System und schwacher Story. Die Verkaufszahlen lagen nur bei geschätzten zwei bis drei Millionen Einheiten. Ubisoft versuchte jahrelang, das Spiel mit Updates zu retten, ohne durchschlagenden Erfolg.
Seit Breakpoint hat sich das Franchise in einer Art Schwebezustand befunden. Project OVR wäre der erste Ghost-Recon-Titel nach sechs Jahren Pause, zugleich der erste als First-Person-Shooter. Das ist ein Risiko: Der Wechsel der Perspektive könnte alte Fans verprellen, ohne neue zu gewinnen.
Wer entwickelt Project OVR?
Hauptverantwortlich ist Ubisoft Paris, das Studio hinter den letzten drei Ghost-Recon-Spielen. Es arbeitet seit über 20 Jahren an der Marke und beschäftigte zu Spitzenzeiten mehr als 500 Mitarbeiter. Das Team war auch an Far Cry 5 und The Division 2 beteiligt, zuletzt jedoch von Abwanderungen und internen Umstrukturierungen betroffen.
Dem Bericht zufolge wurde das Project-OVR-Team mehrfach umgebaut. Ursprünglich sollte ein kleineres, agiles Team das Spiel entwickeln, doch nach der gescheiterten Überprüfung griff die Konzernspitze ein. Ubisoft Paris war in den letzten Jahren häufiger in der Kritik: 2020 gab es Berichte über toxische Führungskultur und systematische Belästigung. Seither sind mehrere Führungskräfte ausgeschieden.
Parallel dazu arbeiten andere Ubisoft-Studios an Assassin’s Creed Hexe und einem neuen Far Cry. Die Ressourcen sind begrenzt, Project OVR muss sich im internen Konkurrenzkampf behaupten.
Branchenkontext: Ubisofts Schlingerkurs
Ubisoft befindet sich in einer tiefen Krise. Der Aktienkurs fiel seit 2021 um über 70 Prozent. Mehrere Großprojekte wurden eingestellt oder verschoben: Skull & Bones erschien 2024 nach jahrelanger Verzögerung als Flop, XDefiant wurde 2026 eingestellt, Rainbow Six Mobile und The Division Heartland gestrichen.
Im Vergleich zu anderen Publishern ist die Situation besonders prekär. Electronic Arts und Take-Two haben mit Call of Duty-Rivalen oder Grand Theft Auto gefestigte Blockbuster. Ubisoft setzt fast alles auf die Wiederbelebung alter Marken, Ghost Recon ist einer dieser Pfosten. Der Rekordverlust von 1,3 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2024/25) zwingt zu drastischen Einschnitten.
Schließungen und Rekordverlust
Erst diese Woche schloss Ubisoft Studios in Winnipeg und Belgrad. Diese arbeiteten unter anderem an Rainbow Six Mobile, Far Cry 6, Assassin’s Creed Valhalla und am kommenden Assassin’s Creed Black Flag Resynced.
Im Mai gab Ubisoft einen Rekordverlust von 1,3 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2025/26 bekannt. Der Weg zurück in die Gewinnzone wird unter anderem mit Assassin’s Creed Hexe, einem neuen Far Cry und eben dem fragilen Ghost Recon begründet.
Ob Project OVR diesen Weg noch mitgehen kann, bleibt fraglich. Die nächsten Monate werden zeigen, ob Ubisoft die Kurve kriegt oder ob ein weiteres großes Franchise vorerst auf Eis gelegt wird.