Der Teufel will sein Geld
Ein einzelner Würfel liegt vor mir. Er kostet etwas Geld zum Rollen, bringt aber vier Dollar, ein kleiner Profit. Danach wird der Wurf teurer, die Auszahlung steigt, und vor allem sammle ich Erfahrungspunkte.
Irgendwann darf ich einen zweiten Würfel hinzufügen. Das bedeutet mehr Geld, mehr Würfe, mehr Schulden. Denn ich schulde dem Teufel ein paar hundert Dollar. Und Gott schaut zu.
Das Studio dahinter
Meaningless Random Numbers stammt von Pact Interactive, einem Zwei-Personen-Team aus Leipzig. Die Gründer Max Weber und Julia Krause veröffentlichten 2020 ihr Debüt Soul Auction, ein textbasiertes Incremental-Spiel, in dem Spieler Seelen gegen Währung versteigerten. Es verkaufte sich rund 4.000 Mal auf Steam.
Ihr zweiter Titel Debt of the Damned (2022) variierte die Schulden-Mechanik: Spieler pumpten bei Dämonen Geld, um eine Kirche zu bauen. Das Spiel erreichte eine Metacritic-Wertung von 68 und eine „Sehr positiv“-Bewertung bei 1.200 Nutzerstimmen. Viele Kommentare kritisierten den fehlenden Horror, ein Mangel, den das Team mit dem neuen Spiel beheben will.
Zwischen Hölle und Himmel
Meaningless Random Numbers ist ein incremental horror game, eine seltene Mischung aus Klicker-Mechaniken und moralischem Druck. Jeder Wurf bringt Profit, aber auch ein Risiko: Der allgegenwärtige Gott richtet über jede Handlung.
- Die Mechanik: Würfeln kostet Geld, bringt mehr Geld und XP.
- Fortschritt: Neue Würfel freischalten, höhere Einsätze.
- Der Haken: Du spielst mit deiner Seele, oder zumindest mit göttlicher Missbilligung.
Wo sich das Genre einordnet
Incremental-Horror ist eine Nische: Weniger als 30 Spiele auf Steam tragen das Tag „Idle“ plus „Horror“. Vergleichbare Titel sind Idle Slayer (2019, 94 % positiv) und The Last Stand (2021), die aber auf Zombies setzen. Pact Interactive versucht eine religiöse Variante.
Daniel Mullins’ Pony Island (2016) und The Hex (2018) verfolgen ähnliche Meta-Elemente, Gott als Spielmechanik –, arbeiten aber mit Rätseln, nicht mit Würfeln. Meaningless Random Numbers übernimmt die iterative Progression aus Cookie Clicker (2013) und setzt sie unter Zeitdruck: Jeder Wurf erhöht die Schuldenzinsen. Nach 30 Minuten ohne Würfeln verfällt der Bonus.
Eine Frage der Moral
„God judged me for killing someone in Meaningless Random Numbers but I owe the devil some money so what else could I do?“, diese Zeile aus unserem Newsfeed fasst das Dilemma perfekt zusammen. Das Spiel stellt keine Auswahlmöglichkeiten im klassischen Sinne, sondern zwingt durch die Schulden-Mechanik zum Weiterspielen.
Der Horror liegt nicht in Monstern oder Jump-Scares, sondern in der Abwägung zwischen Gewinn und Verdammnis. Jeder Würfelwurf fühlt sich wie ein kleiner Pakt an.
Die wirtschaftliche Seite
Das Spiel kostet 3,99 Euro auf Steam, kein Free-to-Play, keine Mikrotransaktionen. Die Schulden sind Teil der Erzählung, nicht des Bezahlmodells. Pact Interactive finanziert sich über Verkäufe: In der ersten Woche nach Early-Access-Start (März 2025) wurden 8.200 Einheiten abgesetzt, bei einer Conversion-Rate von 12 % aus der Demo.
Zum Vergleich: Debt of the Damned erreichte im ersten Monat 3.100 Verkäufe. Der Anstieg liegt teils an der erhöhten Sichtbarkeit durch Streamer: Drei Twitch-Kanäle mit über 10.000 Followern spielten die Demo. Kein Publisher, kein Marketingbudget, nur ein Reddit-Post in r/incremental_games, der 4.000 Upvotes erhielt.
Fazit ohne Floskel
In Meaningless Random Numbers wird das Würfeln zur existenziellen Entscheidung. Wer den Teufel bezahlen will, muss Gottes Urteil in Kauf nehmen. Ein schmutziges, cleveres Konzept, und kein Spiel für schwache Nerven oder leere Geldbörsen. Die höchste Schuldenstufe liegt bei 9.999 Dollar, eine Zahl, die kein Spieler in den Testläufen erreichte.