GOG will die Box zurück in den PC-Handel bringen
Der digitale PC-Markt kennt seit rund zwei Jahrzehnten keine Disketten, keine Handbücher, keine Pappschachteln mehr. GOG möchte daran etwas ändern und physische Versionen von Spielen über den eigenen Shop anbieten. Die Idee stammt von Marcin Paczynski, bei GOG für Business Development und Partnerschaften zuständig, der sie in einem Interview mit der Fachpresse beschrieben hat. Bestätigt ist bislang nur der Wunsch, kein Produkt. Berichte dazu datieren auf den Zeitraum zwischen dem 31. Oktober und dem 3. November 2026.
Was bislang bestätigt ist, und was nicht
- Es gibt keine Ankündigung eines konkreten Produkts und keinen bestätigten Starttermin.
- Es wurde kein Preis genannt, weder in Euro noch in einer anderen Währung.
- Das Konzept betrifft ausdrücklich PC-Spiele, nicht Konsolen.
- Beteiligte Entwickler oder Publisher für eine bestimmte Box sind nicht bekannt.
- Das Ganze ist kein neues Spiel, sondern eine Vertriebsidee von GOG.
Der Wunsch: Ein Klick, ein Paket vor der Tür
Paczynski beschreibt ein Szenario, in dem Kundinnen und Kunden ihren GOG-Bestand durchsehen und dort eine physische Ausgabe eines bereits gekauften oder verfügbaren Titels ordern. In seinen Worten wäre es das ideale Szenario, wenn man im eigenen Regal bei GOG das gewünschte Spiel anklickt, die Box bestellt und sie dann nach Hause geliefert bekommt. Der Gedanke knüpft an die Zeit an, in der PC-Spiele mit bedrucktem Karton, Handbuch und Beilage im Laden standen. Steam und günstige Breitbandanschlüsse hatten dieses Modell zu Beginn der 2000er Jahre praktisch beendet.
Warum physische Ware so viel komplizierter ist
Ein digitaler Storefront skaliert mit Servern, ein Versandhandel braucht Lager, Verpackung, Logistik und Rücksendeprozesse. Dazu kommen zusätzliche Freigaben der Rechteinhaber, denn eine Box ist ein neues Produkt mit eigenem Vertriebsweg. Paczynski räumt selbst ein, dass diese Hürden den Unterschied zwischen einer schönen Idee und einem Geschäftsmodell ausmachen. GOG positioniert sich seit Jahren als Plattform für DRM-freie Klassiker, ein Versandhandel wäre ein grundlegend anderer Betriebszweig.
GOGs Archivarbeit als Fundament
Das Unternehmen hat mit dem GOG Preservation Program bereits gezeigt, wie viel Aufwand es in alte Verpackungen steckt. Für fünf Klassiker wurden hochauflösende Scans erstellt und daraus 3D-Modelle gebaut, die sich am PC betrachten lassen. Zu den Titeln gehören Myst, Descent, Hitman: Codename 47, Star Trek: 25th Anniversary und Armikrog. Zusätzlich gibt es druckbare Dateien für Bastelbögen aus Papier. Ein ähnliches Angebot liefert die Seite Big Box Collection, die eine deutlich größere Bibliothek klassischer PC-Verpackungen als 3D-Ansicht bereithält.
Big Boxes als Sammlerobjekt: Der Markt drumherum
Dass Nostalgie für große Kartons ein Publikum hat, zeigt sich abseits von GOG. Anbieter wie Limited Run Games und Special Reserve Games produzieren kuratierte Auflagen physischer Spiele, oft in kleinen Stückzahlen und mit Sammlerbeigaben. Diese Häuser arbeiten mit festen Lizenzverträgen und planen Auflagen Monate im Voraus. Für GOG käme erschwerend hinzu, dass das Sortiment aus hunderten Titeln unterschiedlichster Rechteinhaber besteht. Eine Box pro Spiel bedeutet eine Verhandlung pro Spiel.
Was PC-Spieler davon hätten
Ein bestellbares Regal im eigenen GOG-Konto würde den Besitz begreifbar machen, ohne die Vorteile der digitalen Bibliothek aufzugeben. Wer seine Sammlung heute pflegt, hat Zugriff auf Patches und Kompatibilitätsanpassungen, die es zu Kartonzeiten nicht gab. Eine Box als Zusatzprodukt wäre eher Sammlerstück als Datenträger, vergleichbar mit den Neuauflagen alter Konsolentitel. Offen bleibt, ob Disc oder Code beiliegen würde, dazu gibt es keine Angaben.
Ein Datum, ein Preis, ein Produkt? Fehlanzeige
Zum aktuellen Stand existieren weder ein Veröffentlichungstermin noch eine Preisidee noch eine Auswahl geeigneter Spiele. GOG hat das Vorhaben nicht als Produkt angekündigt, sondern als Wunschszenario geschildert. Wer auf eine Bestellseite mit Myst im Pappkarton wartet, hat darauf bislang keinen Anspruch. Die fünf 3D-Modelle aus dem Preservation Program sind dagegen bereits abrufbar.