Ein Milliardenauftrag für Intels Chip-Foundry
Laut einem Bericht von PCGamer soll Google bei Intel eine Bestellung über drei Millionen Chips aufgegeben haben. Die Auslieferung ist für das Jahr 2028 geplant. Hintergrund: TSMC, der taiwanische Marktführer, kommt mit der Fertigung von KI-Chips nicht mehr hinterher. Sollte der Deal bestätigt werden, wäre es der größte Einzelauftrag in der kurzen Geschichte von Intels Foundry-Sparte.
Googles TPU-Entwicklung: Von Search bis KI-Beschleuniger
Google entwickelt eigene KI-Beschleuniger seit 2015. Die erste TPU v1 (Tensor Processing Unit) war ein reiner Inferenz-Chip für Sprachverarbeitung in der Google-Suche. Sie lieferte 2016 im Vergleich zu damaligen GPUs die 15-fache Leistung pro Watt. TPU v2 (2017) brachte Training-Fähigkeiten und wurde in den TPU Pods mit 64 Chips verschaltet. TPU v3 (2018) verdoppelte die Rechenleistung auf 420 TFLOPS pro Chip. Die aktuelle TPU v5p (2023) erreicht 459 TFLOPS bei FP16 und wird in Googles eigenen Rechenzentren für Gemini-Modelle genutzt.
- Bisher wurden alle TPU-Generationen exklusiv bei TSMC gefertigt.
- Die Chips nutzen dort modernste Prozesse: v4 und v5 auf N5 (5 nm), v5p vermutlich auf N4P.
- Ein Wechsel zu Intel würde bedeuten, dass Google erstmals einen Teil seiner KI-Hardware außerhalb Taiwans produzieren lässt.
Warum Google den Anbieter wechseln könnte
Die Kapazitäten von TSMC sind durch den rasanten KI-Boom dauerhaft ausgelastet. TSMC betreibt derzeit sechs Gigafabs in Taiwan, aber die Auslastung für CoWoS-Verpackung (Chip-on-Wafer-on-Substrate) liegt bei über 100 Prozent. Google baut massiv eigene KI-Beschleuniger, vermutlich die nächste TPU v6-Generation, und braucht verlässliche Produktionskapazitäten jenseits von TSMCs N2-Prozess. Intel Foundry hätte mit diesem Auftrag endlich einen prestigeträchtigen Großkunden an Land gezogen. Intels 18A-Prozess (1,8 nm Äquivalent) soll 2025 in die Massenproduktion gehen und wäre für 2028-Lieferungen der passende Kandidat.
Intel Foundry hat bisher nur einen namentlich bekannten Großkunden: Microsoft bestellte 2023 einen nicht genannten Chip für interne Zwecke. Ein Google-Auftrag über drei Millionen Einheiten würde Intels Foundry-Umsatz um schätzungsweise 5–8 Milliarden Dollar steigern.
Branchenkontext: TSMC, Intel und der KI-Chip-Wettlauf
Der KI-Boom hat die Nachfrage nach High-End-Chips explodieren lassen. Nvidia verkaufte 2023 über 2,5 Millionen H100-GPUs, fast alle bei TSMC gefertigt. AMD lässt MI300X ebenfalls bei TSMC produzieren. Amazon nutzt für seine Trainium- und Inferentia-Chips teils auch TSMC, hat aber 2023 einen kleineren Auftrag an Samsung vergeben, ohne nennenswerte Ergebnisse.
- TSMCs Marktanteil bei KI-Beschleunigern liegt bei über 90 Prozent.
- Intel hat in den letzten Jahren 30 Milliarden Dollar in den Aufbau seiner Foundry investiert, aber 2023 weniger als 1 Milliarde Umsatz erzielt.
- Ein Google-Deal wäre ein Signal für andere Großkunden wie Apple oder Qualcomm, ebenfalls Alternativen zu TSMC zu prüfen. Die geopolitische Abhängigkeit von Taiwan (das 60 % der Halbleiterproduktion kontrolliert) treibt diese Diversifizierung.
Was das für die Spieleindustrie bedeutet
Eine zweite starke Fertigungsalternative zu TSMC könnte den Druck auf GPU- und CPU-Preise langfristig verringern. Aktuell bestimmt TSMC die Preise für Nvidia RTX 5000-Serie und AMD Ryzen 9000, alle auf N5/N4. Wenn Intel Foundry konkurrenzfähige Prozesse zu niedrigeren Kosten anbietet, könnten Konsolen- und Grafikkartenhersteller in zwei bis drei Jahren alternative Lieferketten aufbauen. Gerade für Gaming-Hardware wäre mehr Konkurrenz in der Chip-Herstellung ein Gewinn. Allerdings: Die Chips kommen erst in zwei Jahren, kurzfristig ändert sich nichts. Zudem bleibt Intel hinter TSMC bei Ausbeute (Yield) und Prozessreife zurück: Intels Intel 4-Prozess erreichte 2023 eine Ausbeute von rund 50 %, TSMCs N5 dagegen über 80 %.
Keine offizielle Bestätigung, Vorsicht geboten
Es handelt sich um einen unbestätigten Bericht. Weder Google noch Intel haben die Bestellung bisher öffentlich gemacht. Solange die Auftragsbücher geschlossen bleiben, gilt: erst einmal abwarten, ob Intel die versprochenen Stückzahlen tatsächlich liefern kann. Der PCGamer-Artikel stützt sich auf "nicht genannte Quellen mit Kenntnis der Verhandlungen", keine harten Zahlen, keine Dokumente. Bis zur offiziellen Ankündigung bleibt die Meldung ein Gerücht, auch wenn es in die strategische Logik beider Unternehmen passt.