Ein rätselhafter Vorfall
Der Indie-Entwickler Sam Enright, bekannt für seine Arbeit an dem Spiel "The Sinking City"-inspirierten Horror-Titel "The Last Case of Benedict Fox", stieß bei einer Interaktion mit Googles KI-Dienst Gemini auf vertrauliche Details. Die KI gab präzise Informationen über unveröffentlichte Mechaniken und Story-Elemente seines aktuellen, noch in der Vorproduktion befindlichen Projekts preis.
Dieser Vorfall ereignete sich, nachdem Enright die KI-Funktionen innerhalb seines Google Workspace-Accounts aktivierte, um Textentwürfe zu strukturieren. Die KI extrahierte dabei Daten, die in privaten Dokumenten abgelegt waren, ohne dass eine explizite Freigabe für das Training oder die Analyse dieser spezifischen Dateien vorlag.
Woher kamen die Daten?
Die Informationen stammten laut dem Betroffenen direkt aus seinen eigenen Google Docs, die als private Entwurfs-Datenbank fungierten. Enright nutzte die Plattform seit Jahren für sein Studio, Plot Twist, um Konzepte zu organisieren.
- Die Daten waren in einem geschlossenen Ordner gespeichert, der keinerlei öffentliche Freigabe-Links besaß.
- Der Entwickler hatte den Gemini-Zugriff für sein privates Konto zwar erlaubt, jedoch nicht für die spezifischen Arbeitsdateien aktiviert.
- Die KI verknüpfte die internen Entwürfe eigenständig mit öffentlichen Datenbanken, um die angefragten Inhalte zu generieren.
Studio-Historie und Branchenkontext
Das Studio Plot Twist erlangte Aufmerksamkeit durch "The Last Case of Benedict Fox", das 2023 über den Publisher Rogue Games veröffentlicht wurde. Das Spiel verkaufte sich im ersten Monat etwa 50.000 Mal auf Steam, konnte aber die Erwartungen an die technische Optimierung nicht vollständig erfüllen.
Vor der Gründung von Plot Twist arbeiteten die Teammitglieder an Projekten wie "Dreamfall Chapters", einem Titel des Studios Red Thread Games. Diese Erfahrung prägte den Fokus auf narrative Tiefe, was die detaillierten Notizen in den Google Docs erklärt, die nun von der KI kompromittiert wurden.
- Plot Twist beschäftigt aktuell ein Kernteam von 15 Personen, das auf dezentrale Cloud-Speicherung angewiesen ist.
- Andere Entwickler wie Moon Studios (Ori and the Blind Forest) nutzen ähnliche Cloud-Strukturen, was das Risiko für die gesamte Indie-Branche erhöht.
- Der Vorfall erinnert an den Sicherheitsvorfall bei Samsung, bei dem Mitarbeiter Quellcode in ChatGPT kopierten und so versehentlich IP-Daten nach außen gaben.
Sicherheit in der Cloud
Dieser Vorfall wirft Fragen zum Schutz von geistigem Eigentum bei der Nutzung von Cloud-Diensten auf. Wenn eine KI auf private Notizen zugreift, sind kreative Prozesse, die auf Geheimhaltung basieren, gefährdet.
- Vertrauliche Konzepte sind in Google Docs scheinbar nicht ausreichend gegen die KI-Indizierung geschützt.
- Der Entwickler zeigte sich irritiert, da Google in den Nutzungsbedingungen angibt, dass Daten aus privaten Docs nicht für das Training öffentlicher Modelle verwendet werden.
- Eine offizielle Stellungnahme seitens Google steht noch aus, obwohl Enright die Protokolle der KI-Antwort an den Support übermittelte.
Die Speicherung von vertraulichen Spielkonzepten in automatisierten Systemen birgt Risiken, da die Grenze zwischen persönlicher Assistenz und Daten-Extraktion verschwimmt. Aktuell bleibt unklar, ob Google die Log-Dateien zur internen Fehleranalyse verwendet oder ob die KI eigenständig auf den gesamten Drive-Speicher zugreift. Die betroffenen Dokumente enthalten unter anderem Design-Dokumente für ein Projekt, das erst 2026 erscheinen soll.