Die Aussage des Managers
Ein verantwortlicher Entwickler der GTA Trilogy, The Definitive Edition hat sich jetzt zu der heftigen Kritik geäußert. Er verstehe die Wut der Spieler, sagte er, aber gleichzeitig hätten „eine Menge Leute die Spiele gespielt und wirklich genossen“. Der Name des Managers wurde nicht genannt, die Aussage stammt aus einem Interview mit dem Branchenportal GamesIndustry.biz.
Die Äußerung ist bemerkenswert, weil sie erst zwei Jahre nach dem Release erfolgte. Rockstar Games selbst hatte sich nach dem katastrophalen Start 2021 weitgehend bedeckt gehalten. Die Verantwortung für die Definitiv Edition lag bei Grove Street Games (früher War Drum Studios), einem kleinen Entwicklerstudio aus Florida.
Das Studio hinter der Neuauflage
Grove Street Games war vor der Trilogy vor allem für Mobile-Ports bekannt: Sie portierten Grand Theft Auto: San Andreas auf iOS und Android, später auch Bully und Max Payne für Smartphones. Die Arbeiten liefen meist solide, aber nie auf dem Niveau der Konsolen- oder PC-Originale.
Der Auftrag für die Trilogy war das erste große Konsolenprojekt des Studios. Die Entwicklung begann 2020 und wurde unter Pandemie-Bedingungen durchgeführt. Rockstar lieferte die ursprünglichen Codebasen, aber die Renderware-Engine von 2001 ließ sich nicht einfach auf die Unreal Engine 4 übertragen. Viele Assets wurden automatisch hochskaliert, ohne manuelle Nacharbeit.
Das Studio beschäftigte zum Zeitpunkt des Releases rund 40 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Rockstars Hauptstudio in Nordamerika hat über 2.000 Angestellte. Die Größe des Teams war für ein Remaster dieser drei Open-World-Spiele extrem knapp bemessen.
Ein schwieriger Start
Die Neuauflage von Grand Theft Auto III, Vice City und San Andreas kam 2021 mit zahlreichen technischen Problemen auf den Markt.
- Grafikfehler, verschwundene Texturen und seltsame KI-Aussetzer
- Schlechte Performance auf älteren Konsolen
- Viele Spieler empfanden die Remaster als lieblos zusammengestellt
Die PC-Version wurde innerhalb von 24 Stunden von der Plattform Steam entfernt, nachdem Spieler den Quellcode des Spiels entschlüsselt und unfertige Test-Assets sowie Debug-Konsolen entdeckt hatten. Auf Metacritic erhielt die Trilogy Werte zwischen 50 und 64 Prozent, für ein Rockstar-Produkt ein Tiefpunkt. Grand Theft Auto V hatte dort 97 Punkte.
Der Entwickler räumte ein, dass die Veröffentlichung „nicht ideal“ gewesen sei. Die damalige Kritik sei berechtigt, aber die positiven Rückmeldungen vieler Spieler würden ebenfalls zählen.
Branchenkontext: Remaster zwischen Nostalgie und Katastrophe
Die GTA-Trilogy reiht sich ein in eine Serie gescheiterter Remaster der letzten Jahre. Warcraft III: Reforged (2020) von Blizzard verkaufte sich ebenfalls gut auf dem Papier, bekam aber durch fehlende Features und ebenfalls beschädigte Dateien einen Metacritic-Nutzerwert von 0,5. Blizzard bot später Rückerstattungen an.
Grand Theft Auto: The Trilogy, The Definitive Edition verkaufte sich trotz der Probleme laut Take-Two-Angaben in den ersten sechs Wochen über 10 Millionen Mal, digital heruntergeladen, physische Exemplare nicht eingerechnet. Das liegt vor allem am Markenwert. Viele Käufer waren Gelegenheitsspieler, die die Spiele nie zuvor gespielt hatten und die Bugs als Teil des Charme akzeptierten.
Ein Teil der Community hingegen empfand die Remaster als respektlos gegenüber den Klassikern. Fans hatten sich eine echte Überarbeitung nach dem Vorbild von Mafia: Definitive Edition (2020) gewünscht, das von Grund auf neu aufgebaut wurde und 92 Prozent bei Metacritic erreichte. Stattdessen bekamen sie eine grobe KI-Upscaling-Lösung, die etwa Regen in San Andreas wie eine gigantische Seifenblase aussehen ließ.
Zwischen Frust und Freude
Die Aussage zeigt das Dilemma der Verantwortlichen. Einerseits mussten sie den Zorn der treuen Fans schlucken, die sich eine bessere Behandlung der Klassiker gewünscht hatten. Andererseits berichten immer noch Spieler von Stunden voller Nostalgie, trotz der Makel.
Ob die späteren Patches die Laune verbessert haben? Rockstar veröffentlichte zwischen November 2021 und Februar 2022 insgesamt sechs Updates, die viele Grafikfehler behoben, die Performance auf Konsolen verbesserten und die vegetationslose Landschaft von San Andreas wieder begrünten. Die mobile Version für iOS und Android wurde komplett neu aufgesetzt und läuft heute stabiler als das Konsolen-Release zum Launch.
Grove Street Games selbst hat sich seitdem nicht mehr zu einem neuen Konsolenprojekt geäußert. Das Studio arbeitet weiter an Mobile-Ports. Die Verkaufszahlen der Trilogy liegen bei über 10 Millionen Einheiten, trotz der Kontroversen.