Hasbro gegen die Stimmen der Kleinen
Der Spielzeug- und Entertainment-Riese Hasbro versucht offenbar, die Kinderdarsteller von Peppa Pig dazu zu bringen, ihre Stimmen für Künstliche Intelligenz freizugeben. Ein offener Brief will das verhindern.
Laut einem Bericht von Kotaku steht die Aktion im Raum, die jungen Schauspieler in Verträge zu zwingen, die eine unbegrenzte Nutzung ihrer Stimme durch KI erlauben. Die Unterzeichner des Briefes fordern den Schutz der Kinderrechte.
Was genau passiert?
- Hasbro verlangt von den Kindersprechern der englischen Peppa-Pig-Synchronisation die Zustimmung zu „AI Voice Contracts“.
- Diese Verträge würden dem Unternehmen erlauben, die Stimmen dauerhaft digital zu reproduzieren und zu verwerten, ohne weitere Vergütung oder Mitspracherecht.
- Der offene Brief, der laut Kotaku von mehreren Organisationen unterstützt wird, prangert dies als eklatanten Verstoß gegen den Schutz Minderjähriger an.
Die Entwickler der Peppa-Pig-Spiele
Die Videospiele zur Marke werden nicht von Hasbro selbst entwickelt, sondern von externen Studios unter Lizenz. Hauptpublisher ist Outright Games, ein auf Kinderlizenzen spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in London. Outright hat zuvor Titel wie „PAW Patrol: On a Roll!“ und „CoComelon: Play with JJ“ veröffentlicht.
Für das aktuelle Spiel „Peppa Pig: World Adventures“ (2023) zeichnete das spanische Studio Petoons Studio verantwortlich. Deren Vorgängerarbeit umfasst unter anderem „My Friend Peppa Pig“ (2021) und „Peppa Pig: Fun and Games“ (2018). Beide Spiele wurden von Outright Games vertrieben.
Verkaufszahlen und Reichweite des Franchise
Peppa Pig ist eines der erfolgreichsten Vorschul-Franchises weltweit. Die Serie startete 2004 im britischen Fernsehen und wird in über 180 Länder verkauft. Die Spieleausgaben verzeichnen solide Absätze: „My Friend Peppa Pig“ erreichte laut Metacritic eine Nutzerbewertung von 7,2 und wurde nach Angaben des Publishers über eine Million Mal verkauft.
Hasbro erwarb die globalen Vermarktungsrechte 2019 für rund 3,8 Milliarden US-Dollar. Seitdem steuert der Konzern nicht nur Spielzeug, sondern auch die digitale Verwertung, inklusive der Sprachaufnahmen für TV, Apps und Spiele.
Warum das Gamer betrifft
Peppa Pig ist längst kein reines TV-Phänomen mehr. Es gibt mehrere Videospiele zu der Marke, darunter „Peppa Pig: World Adventures“ und diverse mobile Apps.
Die Synchronsprecher in diesen Spielen sind oft dieselben Kinder wie in der Serie. Wenn Hasbro durch KI ihre Stimmen ersetzen oder endlos neu generieren könnte, wären nicht nur echte Arbeitsplätze bedroht, es würde auch die emotionale Bindung der jungen Spieler zur Figur untergraben.
Branchenkontext: KI-Stimmverträge in der Unterhaltungsindustrie
Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Kontroversen um KI-generierte Stimmen. 2023 führte die US-Gewerkschaft SAG-AFTRA einen Streik gegen unregulierte KI-Nutzung in Film und Games an. Große Anbieter wie Activision und Electronic Arts unterzeichneten daraufhin Abkommen, die eine Einwilligung der Sprecher und eine Vergütung für KI-Kopien vorschreiben.
Hasbros Vorgehen zielt auf Minderjährige ab, die rechtlich nicht selbstständig zustimmen können. In den USA müssen Eltern oder Vormunde Verträge für Kinder unterschreiben, doch viele Eltern fehlt das Verständnis für die Tragweite solcher KI-Klauseln.
Der offene Brief als letzte Barriere
Die Initiatoren des Schreibens argumentieren, dass Kinder nicht die rechtliche oder finanzielle Erfahrung haben, um solche Klauseln zu verstehen. Hasbro, ein milliardenschwerer Konzern, nutze hier seine Machtposition schamlos aus.
Ob der offene Brief etwas bewirkt, ist unklar. Fest steht: Die Debatte um KI-generierte Stimmen hat ein neues, besonders brisantes Kapitel erreicht, eines, das die Rechte von Kindern direkt in den Fokus rückt.