Kojima schweigt, aber nicht aus Versehen
In einer neuen Folge seiner wöchentlichen Radiosendung Koji10 hat Hideo Kojima über sein Horrorprojekt OD gesprochen. Große Enthüllungen blieben aus, dafür erklärte der Regisseur, dass genau das Absicht ist. “Es ist noch ein Mysterium. Das heißt nicht, dass wir das Spiel nicht gemacht haben”, sagte Kojima. “Ich möchte still sein und es veröffentlichen. Das ist ungewöhnlich für mich, oder? Normalerweise veröffentliche ich Teaser um Teaser. Diesmal will ich nicht viel verraten.” Wer den Namen Kojima kennt, weiß, wie sehr diese Sätze seiner bisherigen PR-Strategie widersprechen.
Was über OD belegt ist
- Entwickler: Kojima Productions
- Publisher: Xbox Game Studios
- Plattformen: Xbox Series X|S und PC (eine dauerhafte Xbox-Exklusivität ist nicht bestätigt)
- Release: kein Datum, offiziell weiterhin TBA
- Preis: nicht angekündigt
- Einordnung: Horror, beschrieben als experimentelles Projekt, teils als psychologischer Horror geführt
Das Spiel wurde 2023 angekündigt. Laut offizieller Beschreibung soll es mit Xbox Cloud-Technologie einen “sehr einzigartigen, immersiven und völlig neuen Stil” erproben, die Rede ist von einer “neuen Form von Medien”. Eine Reihe oder einen Vorgänger gibt es nicht.
Die Angst als Titel
Der Name OD ist Programm. Das Kürzel steht für eine Überdosis Angst, das Spiel wurde von Beginn an als Versuch beschrieben, die Grenzen dessen auszuloten, was Spieler aushalten. Kojima formulierte es in der Radiosendung so: Es gehe darum, “eine neue Erfahrung zu schaffen und die Grenzen dessen zu testen, was Spieler an Angst ertragen können. Die Grenzen der Angst, das ist die Idee hinter dem Titel. Der kritische Punkt der Angst.” Ob das Spiel überhaupt ein Publikum findet, weiß Kojima eigenen Aussagen zufolge selbst nicht. Die Spielsysteme seien anders als alles, was er in seiner Karriere gebaut hat.
Kojima Productions wurde 2015 gegründet, nachdem sich der Regisseur von Konami getrennt hatte. Zuvor verantwortete er dort über Jahrzehnte die Metal Gear Solid-Reihe, deren erzählerische Struktur und Marketing-Teasers längst Maßstäbe gesetzt haben. Mit Death Stranding folgte 2019 das erste eigene Projekt, die Director’s Cut-Fassung kam 2021. Parallel arbeitet das Studio an Physint, einem Spionage-Thriller, der als geistiger Nachfolger von Metal Gear Solid gehandelt wird. OD ist damit das zweite große Projekt neben Physint, das unter dem Dach von Xbox Game Studios entsteht.
Besetzung und verschobene Dreharbeiten
- Hunter Schafer und Sophia Lillis sind als Darstellerinnen bestätigt
- Der 2025 verstorbene Udo Kier war im frühen Teaser zu OD zu sehen
- Wie groß Kiers Rolle im fertigen Spiel ausfällt, ist unklar
- Kojima erklärte, der SAG-AFTRA-Streik 2025 habe das Team gezwungen, die Dreharbeiten auf 2026 zu verschieben
Die Verschiebung ist kein Einzelfall in der Branche. Streiks in der US-Film- und Synchronindustrie haben in den vergangenen Jahren mehrfach Produktionspläne durcheinandergebracht, besonders bei Projekten mit prominenter Besetzung. Bei OD trifft das auf ein Spiel, dessen Umfang und Struktur ohnehin offen sind.
Marketing als Kontrastprogramm
- Beim ersten Death Stranding gab es mehrere Teaser-Trailer, die mehr Fragen aufwarfen als Antworten
- Es folgten ausgedehnte Gameplay-Vorschauen, teils mit Musik und ohne Erklärung
- Kojimas Gesicht und Name wurden selbst zum Marketinginstrument
- Bei OD fällt dieses Werkzeug nun weg, zumindest bis zum Release
Ob der Verzicht auf Teaser am Ende hilft, lässt sich nicht messen. Sicher ist, dass die Erwartungshaltung nach Jahren ohne konkrete Spielszenen schwerer zu steuern ist als mit stetigen Häppchen.
Xbox-Kontext und die Ruhe um OD
Xbox Game Studios fungiert als Publisher, während Microsofts Gaming-Sparte in den vergangenen Jahren von Studioschließungen, Entlassungenswellen und Projektstreichungen geprägt war. OD gehört Berichten zufolge zu den Titeln, die davon verschont geblieben sind. Das ist insofern bemerkenswert, als ein experimentelles Horrorspiel ohne etablierte Marke nicht zu den sicheren Kandidaten für ein großes Portfolio zählt. Kojimas Name dürfte hier als Argument für Geduld dienen.
Kein Termin, kein Preis, viel offene Fläche
Fest steht: Ein Erscheinungsdatum für OD gibt es nicht, ebenso wenig einen Preis. Bestätigt sind Xbox Series X|S und PC, ob weitere Plattformen später dazukommen, ist nicht bestätigt. Kojima selbst hat in der Radiosendung kein Wort über Zeitpläne verloren, sondern nur über den Umgang mit Informationen. Ein Regisseur, der sonst jede Bewegung seines Publikums vorherplant, probiert diesmal den leisen Weg.