Ein Meilenstein für PC-Spieler
Vanillaware macht ernst. Das japanische Studio, bekannt für opulente Handzeichnungen und knackige Action-RPGs, hat mit Muramasa: Revenant Blades seinen ersten PC-Port überhaupt veröffentlicht. Der Titel ist ab sofort auf Steam verfügbar.
Bislang hielt Vanillaware an Konsolen-Exklusivität fest. Titel wie Odin Sphere oder Dragon’s Crown blieben PlayStation- und Nintendo-Systemen vorbehalten. Mit diesem Schritt öffnet sich das Studio endlich einer neuen Plattform.
Studio-Historie: Zwei Jahrzehnte handgezeichnete Action
Vanillaware wurde 2002 von George Kamitani gegründet, einem ehemaligen Atlus-Entwickler. Das erste große Spiel war Odin Sphere (2007) für PlayStation 2, das mit seiner mehrschichtigen 2D-Grafik und fünf spielbaren Helden auffiel. Es folgten Dragon’s Crown (2013), das sich rund 1,3 Millionen Mal verkaufte, und 13 Sentinels: Aegis Rim (2019), ein Strategiespiel mit Zeitreise-Handlung. Alle Titel blieben Konsolen exklusiv.
Das Team arbeitet mit rund 30 festen Mitarbeitern. Jedes Spiel wird vollständig per Hand animiert, ohne Vektorgrafiken oder 3D-Modelle. Muramasa: The Demon Blade (2009) war das erste Vanillaware-Spiel für Nintendo-Hardware und das einzige reine Action-RPG des Studios, das auf einer tragbaren Konsole erschien. Die PC-Version Muramasa: Revenant Blades ist die erste nichtkonsolenbasierte Veröffentlichung in der Studio-Geschichte.
Worum geht es in „Muramasa: Revenant Blades“?
- Spieler schlüpfen in die Rollen von Kisuke oder Momohime, zwei Charakteren mit verfluchten Schwertern.
- Der Fokus liegt auf schnellen, combo-basierten Kämpfen in einer von japanischer Mythologie inspirierten Welt.
- Jeder Schauplatz ist handgezeichnet, die Animationen laufen flüssig im 60-FPS-Takt.
Das Spiel erschien ursprünglich 2009 für die Wii und später für die PlayStation Vita. Die PC-Version basiert auf der erweiterten Fassung mit zusätzlichen Inhalten.
Die Muramasa-Franchise: Vom Wii-Klassiker zur PC-Neuauflage
Die Ursprungsversion Muramasa: The Demon Blade für Wii erreichte auf Metacritic eine Wertung von 82. Kritiker lobten die Grafik, bemängelten aber die lineare Levelstruktur und die geringe Schwierigkeit. Die Vita-Erweiterung Muramasa Rebirth (2013) fügte einen dritten spielbaren Charakter, den Hell Mode und neue Gebiete hinzu und erhielt eine Wertung von 80.
Laut Vanillaware basiert Muramasa: Revenant Blades auf der Vita-Fassung und enthält alle DLCs, darunter zusätzliche Waffen und Schwierigkeitsgrade. Die PC-Version unterstützt native 4K-Auflösung und freie Bildratenwahl. Ein besonderes Detail: Die Menüs lassen sich per Maus bedienen, eine Seltenheit bei Konsolenports japanischer Studios.
Was bietet die Steam-Fassung?
- Native 4K-Auflösung und anpassbare Bildrate.
- Komplette Steuerung per Tastatur oder Gamepad, inklusive Maus-Unterstützung für Menüs.
- Alle DLCs und das optionale „Hell Mode“-Schwierigkeitsgrad sind integriert.
Der Port stammt von Vanillaware selbst, nicht von einem externen Studio. Das verspricht eine originalgetreue Umsetzung der Spielmechanik.
Warum dieser Schritt so wichtig ist
Vanillaware gilt als einer der letzten Pixel-Art-Künstler unter den japanischen Entwicklern. Ihre Spiele sind für ihre detailverliebte 2D-Optik und präzise Steuerung berühmt. Die PC-Version von Muramasa: Revenant Blades öffnet die Tür für eine neue Generation von Fans, die bisher ohne die entsprechende Konsole auskommen mussten.
Ob weitere Titel wie 13 Sentinels: Aegis Rim folgen, bleibt offen. Die Rezeption dieses Ports wird zeigen, ob Vanillaware den PC-Markt langfristig ins Auge fasst, oder ob es bei dieser einen Veröffentlichung bleibt.
Branchenkontext: Der PC-Markt als neue Zielgruppe
Vanillaware ist nicht der erste japanische Nischenentwickler, der seine Exklusivität aufgibt. Atlus veröffentlichte Persona 4 Golden 2020 auf Steam und erreichte über eine Million Verkäufe. Square Enix brachte zahlreiche ältere Final-Fantasy-Titel auf den PC. Anders als diese großen Publisher hatte Vanillaware jedoch nie eine PC-Abteilung. Der Port von Muramasa: Revenant Blades wurde intern entwickelt, ohne Auftragsstudio.
Die Entscheidung, ausgerechnet diesen Titel als ersten PC-Port zu wählen, ist strategisch. Muramasa ist das einzige reine Action-RPG des Studios, das nicht auf taktische Elemente oder lange Dialoge setzt. Die Steuerung per Tastatur ist einfacher umsetzbar als bei komplexen Menüsystemen wie in 13 Sentinels. Sollte der Port erfolgreich sein, könnte Vanillaware weitere Spiele nachliefern. Die Verkaufszahlen auf Steam werden darüber entscheiden, ob das Studio sein Konsolennest dauerhaft verlässt.