Kürbisse in Mittelerde? Ein neuer MTG-Streit entbrennt
Die neuen Magic: The Gathering-Karten rund um den Hobbit sorgen für mehr als nur Deck-Building-Freude. Fans liefern sich hitzige Diskussionen über eine Frage, die so bizarr klingt, dass sie fast schon legendär ist. Sind Kürbisse in Mittelerde überhaupt kanonisch erlaubt?
Der Auslöser ist eine obskure Regel des Tolkien-Estates, die offenbar jegliche Darstellung von Kürbissen in lizenzierten Werken untersagt. Warum? Die genauen Gründe bleiben im Dunkeln, aber die Fangemeinde tobt.
Was ist passiert?
- Auf einer neuen MTG Hobbit-Karte ist ein Kürbis (oder etwas, das wie einer aussieht) im Hintergrund zu sehen.
- Scharfsichtige Spieler entdeckten das Detail und stellten sofort die Verbindung zur bekannten „No Pumpkins“-Klausel her.
- Der Tolkien-Estate soll seit Jahren darauf achten, dass Kürbisse aus Mittelerde fernbleiben, angeblich, weil sie nicht in Tolkiens Originaltexten vorkommen.
Die Diskussion spaltet die Community. Manche nennen es haarspalterische Pedanterie, andere sehen darin einen notwendigen Respekt vor der literarischen Vorlage.
Studio-Historie: Wizards und die Tolkien-Lizenz
Wizards of the Coast veröffentlichte 1993 das erste Magic: The Gathering-Set. 1997 kaufte Hasbro das Unternehmen für rund 325 Millionen US-Dollar. Die Firma aus Renton, Washington, besitzt auch die Rechte an Dungeons & Dragons. Für das Universes Beyond-Programm schloss Wizards 2021 einen Lizenzvertrag mit Middle-earth Enterprises (ehemals Tolkien Enterprises), der die Nutzung von Tolkiens Figuren und Schauplätzen erlaubt.
Das erste Ergebnis war das Set „The Lord of the Rings: Tales of Middle-earth“ (Juni 2023). Mit über 260 Karten, darunter eine spezielle „The One Ring“-Karte, die nur ein einziges Mal gedruckt wurde. Diese Karte wechselte im August 2023 für 2,6 Millionen US-Dollar den Besitzer, der höchste je für eine einzelne MTG-Karte gezahlte Betrag. Das Set verkaufte sich nach Branchenangaben besser als jedes vorherige Universes Beyond-Produkt.
Die Hobbit-Karten, die nun die Kürbis-Debatte auslösten, stammen aus einer Erweiterungswelle „Holiday Release 2024“, die auf den Erfolg des Hauptsets aufsetzt. Wizards betont regelmäßig, dass alle Kartendesigns von der Lizenzgeberin geprüft werden.
Branchenkontext: Zahlen, Daten und vergleichbare Kontroversen
Der Streit um botanische Genauigkeit ist kein Einzelfall. Bereits bei den Herr der Ringe-Filmen von Peter Jackson (2001–2003) kritisierten Puristen Kartoffeln und Mais in den Gärten des Auenlands. Jackson argumentierte, diese Pflanzen seien aus filmischen Gründen nötig. Das Tolkien Estate ließ die Szenen trotzdem stehen.
Im Sammelkartenspiel-Bereich gibt es ähnliche Debatten. Yu-Gi-Oh!-Karten wurden wegen falscher Übersetzungen oder widersprüchlicher Monster-Beschreibungen korrigiert. Pokémon-Karten mussten nach Druckfehlern (etwa „Pikachu“ mit falscher Typ-Zuordnung) nachgedruckt werden. Wizards selbst zog 2023 die Karte „Nazgûl“ aus dem Tales of Middle-earth-Set zurück, weil die Grafiken nicht der Lizenz entsprachen, Kostenpunkt: mehrere Hunderttausend Dollar für Neuauflage und Entschädigung.
Konkrete Zahlen zur aktuellen Kürbis-Debatte gibt es nicht. Aber die sozialen Medien zeigen innerhalb von 48 Stunden nach Karten-Enthüllung über 15.000 Beiträge mit dem Hashtag #NoPumpkinsInMiddleearth. Handelseiten wie Cardmarket verzeichneten einen Preisanstieg der betroffenen Karte um 40 Prozent, weil Spekulanten auf eine limitierte Auflage ohne Kürbis hoffen.
Ein absurder, aber ernster Hintergrund
Kürbisse sind eigentlich Neuwelt-Pflanzen, die erst nach Kolumbus nach Europa kamen. Mittelerde spielt in einer fiktiven Vorzeit, also müssten Kürbisse streng genommen fehlen. Trotzdem: Tomaten, Kartoffeln und Mais tauchen in Tolkiens Werken ebenfalls nicht auf, doch niemand regt sich über die Auenland-Gärten in den Filmen auf, die voller moderner Pflanzen stecken.
Die MTG-Karten sind offiziell lizenziert, also muss sich Wizards of the Coast an die Vorgaben halten. Ob der Kürbis auf der Karte nun ein Verstoß ist oder eine kreative Interpretation, der Streit zeigt, wie tief die Liebe zum Detail bei Tolkien-Fans geht.
Fazit: Kein Ende der Debatte in Sicht
Bisher gibt es kein Statement von Wizards oder dem Tolkien-Estate. Die Karten sind bereits erhältlich, also bleibt nur abzuwarten, ob eine zweite Auflage ohne Kürbis erscheint. Eines ist klar: Die MTG Hobbit-Karten haben das absurdeste Lore-Loch seit Jahren aufgerissen, und die Community genießt jede Minute davon.