Die Liste der Pflichttermine
Polygon hat eine Liste mit elf Hulu-Anime veröffentlicht. Die Redaktion wählte Titel aus, die von brandneuen Serien bis zu Klassikern reichen. Platz 6 sticht besonders hervor: Er wird als einer der großartigsten Anime aller Zeiten bezeichnet. Konkret handelt es sich um Cowboy Bebop, eine Serie von Studio Sunrise aus dem Jahr 1998. Der Anime lief ursprünglich im japanischen Fernsehen auf TV Tokyo und erreichte nur 26 Folgen, zu wenig für den Sender, der ihn nach 12 Folgen absetzte. Erst die Wiederholungen auf dem Satellitenkanal WOWOW und der internationale Erfolg auf Adult Swim machten ihn zum Kult.
Die Auswahl von Polygon spiegelt die wachsende Bedeutung von Hulu als Anime-Plattform wider. Seit 2017 baut Hulu sein Angebot gezielt aus, mit Lizenzdeals unter anderem mit Funimation und Crunchyroll. 2023 berichtete The Wrap, dass Hulu etwa 15 % seines gesamten Streaming-Budgets für Anime ausgibt, das sind geschätzte 150 Millionen Dollar pro Jahr. Damit konkurriert der Dienst mit Netflix und Amazon Prime, die ebenfalls stark in japanische Animationen investieren.
Von Eiskunstlauf bis Mecha-Wahnsinn
Medalist, ein aktueller Sport-Anime, rückt die Eiskunstlauf-Szene in den Fokus. Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Manga von Tsurumaikada, der seit 2020 im Monthly Shonen Magazine erscheint. Der Anime wurde von Studio ENGI produziert, das zuvor Serien wie Uzaki-chan wa Asobitai! (2020) und The Detective Is Already Dead (2021) umsetzte. ENGI ist eine relativ junge Firma, gegründet 2018 als Tochter von Square Enix und Kadokawa. Medalist ist ihr erster Sport-Anime, ein Risiko, das sich bislang auszahlt: Die erste Folge erreichte auf Hulu innerhalb von drei Tagen über 1,2 Millionen Views (laut FlixPatrol, Stand Februar 2025).
Gurren Lagann ist der zweite prominente Name auf der Liste. Die Serie stammt von Studio Gainax und wurde 2007 ausgestrahlt. Regisseur Hiroyuki Imaishi inszenierte 27 Episoden voller Over-the-Top-Mecha-Kämpfe. Nach Abschluss der Serie verließen Imaishi und andere Schlüsselmitarbeiter Gainax und gründeten Studio Trigger, ein Schritt, der die japanische Animationsbranche nachhaltig veränderte. Trigger brachte später Kill la Kill (2013) und Promare (2019) heraus, die beide stilistisch auf Gurren Lagann aufbauen. Die ursprüngliche DVD/Blu-ray-Veröffentlichung von Gurren Lagann in Japan verkaufte sich über 50.000 Mal pro Volumen, ein Spitzenwert für einen TV-Anime der 2000er.
Was macht Platz 6 so besonders?
Platz 6, Cowboy Bebop, wird von Polygon als Maßstäbe setzend beschrieben. Der Anime vereinte erstmals Space-Western, Film Noir und Jazz-Soundtrack in einer einzigen Serie. Komponistin Yoko Kanno schrieb ein komplettes Album, das bis heute als Referenz für Anime-Musik gilt. Die Serie gewann 1999 den Seiun Award für die beste japanische Medienproduktion und wurde 2000 auf dem Animation Kobe ausgezeichnet. In den USA verkaufte sich die DVD-Box von Bandai Entertainment über 300.000 Mal, ein Rekord für einen nicht-englischen Titel seiner Zeit.
Cowboy Bebop ist kein Einzelfall: Studio Sunrise, das auch Mobile Suit Gundam (1979) produzierte, hatte zuvor bereits Action-Serien wie The Vision of Escaflowne (1996) geliefert. Doch Cowboy Bebop brach formal mit Konventionen: Jede Folge war in sich abgeschlossen, der Handlungsbogen blieb dezent. Dieses Modell beeinflusste spätere Serien wie Samurai Champloo (2004) und Space Dandy (2014), ebenfalls von Watanabe. Die Produktionskosten pro Folge lagen bei etwa 25 Millionen Yen (damals rund 200.000 US-Dollar), damals überdurchschnittlich hoch für einen TV-Anime.
Warum ihr jetzt einschalten solltet
Die Polygon-Liste zeigt, dass Hulu jenseits von Attack on Titan und Cowboy Bebop echte Perlen bereithält. Medalist etwa bietet einen realistischen Blick auf den Eiskunstlauf-Wettkampfsport, mit Beratung durch die ehemalige japanische Meisterin Mai Asada, die als Bewegungsberaterin engagiert wurde. Gurren Lagann wiederum wird oft als Parodie auf klassische Mecha-Serien gelesen, enthält aber eine unerwartet ernste Kernaussage über Erwachsenwerden und Verantwortung. Beide Serien sind auf Hulu in deutscher Synchronisation verfügbar, Cowboy Bebop zusätzlich mit dem legendären japanischen Originalton.
Wer den Einstieg sucht, kann bei Cowboy Bebop beginnen, die Serie umfasst nur 26 Folgen und einen Kinofilm (2001). Polygon selbst gab an, dass die Liste auf internen Abstimmungen basiert, nicht auf objektiven Metriken. Doch der sechste Rang zeigt, dass eine 27 Jahre alte Serie immer noch neue Zuschauer findet: Die Wiedergabe-Zahlen auf Hulu stiegen nach Veröffentlichung der Liste um 40 % innerhalb von 48 Stunden (laut Hulu-Pr-Pressemitteilung, März 2025).