Der Vorwurf: „AI Slop“ oder handgemachte Kunst?
Der neue Trailer zu „Humankind 2“ sorgt für Wirbel: Er zeigt die Perspektive von Säuglingen, die durch Raum und Zeit reisen, und wirkt dabei bewusst surreal und leicht unbehaglich. In den Kommentarspalten machte sich schnell der Vorwurf breit, hier habe eine KI generierte Bilder zusammengeworfen. „Das sieht aus wie AI Slop“, war die häufigste Kritik. Doch nun hat das verantwortliche Studio offiziell widersprochen: „Real actors, practical sets, and custom-made props“, heißt es in einer Stellungnahme, die auch PCGamer aufgriff.
Was der Trailer zeigt, und warum er so seltsam wirkt
- Die Kameraperspektive ist die eines Babys: verschwommene Ränder, fokussierte Objekte in der Nähe, weit entfernte Umgebungen.
- Die Reise beginnt in einer Höhle und führt durch wirtschaftliche Blütezeiten, industrielle Revolutionen und futuristische Städte.
- Säuglinge sind mit animatronischen Puppen umgesetzt, nicht mit CGI, was den unheimlichen Effekt erklären dürfte.
- Die Farbpalette wechselt von warmen Erdtönen zu kalten Neonfarben, je nach Epoche.
Gerade diese Mischung aus realistischen Gesichtern und übergroßen Requisiten erzeugt das Uncanny-Valley-Gefühl, das viele für KI-generiert hielten.
Die Reaktion des Studios: Klartext statt Dementi
Das Studio, hinter dem der französische Entwickler Amplitude Studios steckt, ging in die Offensive. In der Stellungnahme werden drei zentrale Punkte genannt:
- Echte Schauspieler für alle sichtbaren Personen, keine synthetischen Figuren.
- Praktische Sets aus Holz, Schaumstoff und Spiegelfolie, gebaut für die Kamera.
- Maßgeschneiderte Requisiten wie ein übergroßes Mobilespielzeug, das als Zeitschleifen-Metapher dient.
Zusätzlich verwies das Team auf Aufnahmen hinter den Kulissen, die in den kommenden Tagen veröffentlicht werden. Für viele Beobachter ist das eine kluge PR-Strategie: Statt sich nur zu verteidigen, zeigt man die handwerkliche Arbeit.
Der Hintergrund: Amplitude und die Humankind-Reihe
- „Humankind“ erschien 2021 als 4X-Strategiespiel, entwickelt von Amplitude, publiziert von Sega.
- Das Studio wurde 2011 gegründet und wurde mit der Endless-Reihe bekannt, besonders „Endless Legend“ und „Endless Space 2“.
- „Humankind“ verkaufte sich in den ersten Monaten solide, blieb aber hinter „Civilization VI“ zurück, was die Messlatte für den Nachfolger hoch ansetzt.
- Die Ankündigung von „Humankind 2“ erfolgte erst kürzlich als Teil einer Fan-Show, mehr Details sind bis zur gamescom 2026 nicht bestätigt.
Die Fans der Reihe sind gespalten: Die einen freuen sich auf mehr historische Was-wäre-wenn-Szenarien, die anderen hoffen auf ein düstereres Setting. Der Trailer deutet beides an.
Branchenkontext: KI-Vorwürfe bei Spieltrailern
- In den letzten Jahren gab es mehrfach Fälle, in denen Trailer oder Artworks fälschlich als KI-generiert bezeichnet wurden, oft wegen glatter Texturen oder ungewöhnlicher Perspektiven.
- Gleichzeitig nutzen einige Studios tatsächlich KI-Tools für Konzeptart oder Zwischensequenzen, was die Skepsis der Community schürt.
- Besonders bei kleinen Teams ist der Druck hoch: KI-generiertes Material spart Zeit, ruft aber massiven Shitstorm hervor.
- Amplitude stellt sich hier bewusst gegen den Trend und setzt auf traditionelle Filmtechniken, was im 4X-Genre selten ist.
Die Debatte zeigt, dass die Grenze zwischen menschlicher Kunst und KI oft schwer zu erkennen ist, besonders wenn das Ergebnis bewusst unperfekt wirkt.
Was das für Spieler bedeutet
Die Kontroverse lenkt den Blick auf die Produktionsqualität, die bei „Humankind 2“ offenbar hoch ist. Praktische Sets und echte Schauspieler sind nicht nur ein PR-Gag, sondern erlauben eine taktile Ästhetik, die in Strategy-Spielen selten vorkommt. Zudem beruhigt die Stellungnahme langjährige Fans, die befürchteten, das Studio sparte an der Traditionslinie. Für Neueinsteiger bleibt der Trailer ein visueller Appetitanreger: Die Säuglingsperspektive macht die Menschheitsgeschichte erfrischend ungewöhnlich begreifbar.
Ein Detail zum Schluss
Im Trailer ist ein Schriftzug zu sehen, der nur wenige Frames erscheint: „Erinnerung ist keine Zeitreise“. Das Studio hat in einer Randnotiz bestätigt, dass dieser Satz auf einem echten Schild aus Sperrholz stand, das ein Mitarbeiter mit einer Schablone lackierte. Es sind diese konkreten Spuren der Handarbeit, die den KI-Vorwurf endgültig ad absurdum führen, und die Vorfreude auf die nächsten Enthüllungen steigern.