Handy als Fernbedienung? Ja, bitte!
Wer seinen Rechner liebt, der schraubt, und wer schraubt, will Kontrolle. HYTE hat auf der Computex 2026 die aktualisierte Version seiner Nexus-Software gezeigt. Das Besondere: Endlich koppelt man sein Smartphone per App mit dem PC und regelt Lüfter und RGB-Beleuchtung direkt vom Sofa aus.
Kein umständliches Hantieren am Gehäuse, kein BIOS-Durchklicken. Einfach App öffnen und die Kurven für die Kühlung justieren, oder das Lichtspiel auf Tastendruck ändern. Das fühlt sich sofort richtig an.
Was kann die neue Nexus-Software?
- Smartphone-Kopplung per WLAN oder Bluetooth: Keine zusätzliche Hardware nötig.
- Fernsteuerung der Lüfter: Drehzahlprofile anpassen, PWM-Modi umschalten.
- RGB-Lichtsteuerung in Echtzeit: Farben, Effekte und Helligkeit direkt vom Handy.
- Integration mit iBUYPOWER-Systemen: Viele Fertig-PCs des Herstellers nutzen bereits HYTE-Komponenten.
Laut den gezeigten Demos funktioniert die Verbindung stabil und reaktionsschnell. Kein spürbares Delay zwischen App-Befehl und Lüfter-Reaktion, zumindest in der Halle.
Wer hinter HYTE und Nexus steckt
HYTE ist keine unabhängige Marke, sondern eine 2021 gegründete Premium-Sparte des US-Systemintegrators iBUYPOWER. Gegründet 1999 in Kalifornien, baut iBUYPOWER seit über 25 Jahren Gaming-PCs in Serie. Die Idee hinter HYTE: Komponenten mit eigenem Design verkaufen, die nahtlos in die hauseigenen Fertigsysteme passen.
Erstes Produkt war das Gehäuse Y60 (2021), ein Dual-Chamber-Modell mit abgeschrägter Front. Es folgten die Radiatoren der THICC-Serie und das kleinere Y40-Gehäuse. Die Nexus-Software startete 2023 als reines Desktop-Programm. Damals steuerte sie nur drei Lüfterprofile und einfache RGB-Muster. Version 2.0 (2025) fügte benutzerdefinierte Kurven mit bis zu zehn Stützpunkten hinzu. Die mobile Anbindung war bis zur Computex 2026 nur als Beta verfügbar.
Frühere Releases und Entwicklung der Serie
- Nexus 1.0 (2023): Desktop-only, fünf voreingestellte RGB-Modi, PWM-Steuerung für max. vier Lüfter.
- Nexus 1.5 (2024): Support für iBUYPOWER RDY-Systeme, Erstintegration von Temperatursensoren.
- Nexus 2.0 (2025): Lüfterkurven, Firmware-Updates über USB, Vorbereitung auf WLAN-Modul.
- Nexus 2.5 (2026, aktuell): Mobile App, Bluetooth-Low-Energy-Fallback, automatische Komponentenerkennung.
Die Beta der Smartphone-App sammelte laut HYTE über 20.000 Tester. Die finale Version soll noch im Sommer 2026 erscheinen. Unterstützt werden dann iOS und Android, mit gleichem Funktionsumfang, so das Unternehmen auf der Messe.
Wie sich Nexus in die Branche einfügt
Die Konkurrenz schläft nicht. Corsair iCUE (2014) dominiert den Desktop-Markt, bietet aber keine native Handy-App. Drittanbieter wie SignalRGB schließen die Lücke, brauchen aber einen ständigen PC-Hintergrunddienst. NZXT CAM (2014) hat eine mobile Überwachungs-App, jedoch ohne RGB-Fernsteuerung. Lian Li L-Connect 3 (2021) liefert eine rudimentäre Bluetooth-App, die nur mit dem hauseigenen UNI HUB funktioniert und keinen WLAN-Modus bietet.
HYTE Nexus geht den umgekehrten Weg: Die App kommuniziert direkt per WLAN mit dem Mainboard oder einem internen Hub, ohne Dongle oder zusätzliche Controller. iBUYPOWER stellt sicher, dass alle aktuellen Fertig-PCs (RDY-Serie ab 2025) das Protokoll unterstützen. Das macht die Lösung für Käufer eines Fertigrechners besonders einfach: Kein Nachrüsten, keine Treiberkonflikte.
Zahlen und Marktkontext
iBUYPOWER verkauft nach Branchenschätzungen jährlich zwischen 400.000 und 600.000 Gaming-PCs (Daten von Mercury Research 2024). Ein Großteil der Modelle ab der RDY-Serie 2024 verbaut HYTE-Kühlblöcke oder -Gehäuse. Die neue App könnte damit potenziell mehrere Hunderttausend Nutzer erreichen, ohne dass sie einen eigenen PC bauen müssen.
Zum Vergleich: Corsair iCUE hat laut Unternehmensangaben rund 10 Millionen aktive Installationen (2025), allerdings überwiegend von Enthusiasten, die einzelne Komponenten kaufen. HYTE adressiert mit Nexus gezielt den Massenmarkt der Fertig-PC-Käufer, die oft noch nie eine Lüfterkurve manuell eingestellt haben.
Warum das für iBUYPOWER-Besitzer spannend ist
Wer einen fertigen Gaming-PC von iBUYPOWER besitzt, profitiert doppelt. Viele dieser Rechner sind mit HYTE-Gehäusen und -Kühlern ausgestattet. Die Nexus-Software, bisher oft nur für Eigenbau-PCs gedacht, wird nun auch für diese Käufer zugänglich.
- Kein Nachrüsten von Controllern oder Hubs nötig.
- Die App scannt die verbauten Komponenten und erkennt Lüfter und LED-Streifen automatisch.
- Firmware-Updates lassen sich ebenfalls über das Smartphone einspielen.
Das ist ein klarer Vorteil gegenüber herstellereigenen Lösungen, die oft nur an einem Desktop-Programm hängen.
Mein Eindruck vom Stand
Ich habe selbst kurz den Prototypen in die Hand genommen. Ein QR-Code auf dem Gehäuse, Handy dran, fertig. Die Oberfläche der App wirkt aufgeräumt, keine überladene Menüschlacht.
- Lüfter auf Silent stellen, die RGB-Leiste auf pulsierendes Blau, alles in Sekunden.
- Profile speichern und per Kategorie wechseln: „Gaming“, „Office“, „Nachtmodus“.
- Man kann sogar mehrere PCs gleichzeitig in der App verwalten.
Einzige Einschränkung bisher: Die Steuerung bleibt auf Lüfter und Beleuchtung beschränkt. Keine Spannungs- oder Temperaturkurven für CPU/GPU, das wäre der nächste Schritt.
Retro-Gedanke: Endlich keine Lauferei mehr
Früher musste man für jede kleine Änderung den Case öffnen oder stundenlang in BIOS-Menüs herumirren. Heute wischt man einfach und alles passt. HYTE macht hier genau das Richtige: Mehr Komfort, weniger Hürden.
Die finale Version der Nexus-App soll noch in diesem Sommer erscheinen. Ob sie dann auch iOS und Android gleichberechtigt unterstützt, bleibt abzuwarten. Aber der Funke ist übergesprungen, und iBUYPOWER-Besitzer dürfen sich freuen. HYTE hat auf der Computex keine Angabe gemacht, ob die App später auch Linux- oder SteamOS-Systeme ansteuern wird. Das wäre der nächste logische Schritt, für einen Markt, der bislang kaum mobile Steuerung kennt.