Was ist Infinity Vision?
Infinity Vision ist eine von Marvel Studios entwickelte Bildschirm-Zertifizierung, die als hauseigene Antwort auf das etablierte IMAX-Format gilt. Die Ankündigung erfolgte im Vorfeld der Encore-Fassung von Avengers: Endgame, die 2019 mit zusätzlichen Szenen erneut in die Kinos kam. Das Zertifikat soll bestimmte Projektions- und Sound-Standards garantieren, die den Marvel-Filmen eine optimale Wiedergabe ermöglichen. Laut der Zusammenfassung von GamesRadar+ handelt es sich dabei um eine eigene Zertifizierung, die sich in der Bildqualität, Farbwiedergabe und im Kontrastumfang an den Maßstäben von IMAX orientiert, aber speziell auf die visuellen Anforderungen von Superhelden-Blockbustern abgestimmt ist.
Wie funktioniert die Zertifizierung?
Die genauen technischen Spezifikationen hat Marvel bisher nicht im Detail veröffentlicht. Klar ist, dass Infinity Vision als Premium-Kinoerlebnis vermarktet wird, das auf eine Kombination aus hoher Auflösung, erweitertem Farbraum und raumfüllendem Sound setzt.
- Zertifizierte Kinos müssen bestimmte Projektor- und Lautsprecher-Konfigurationen nachweisen.
- Die Einstufung erfolgt angeblich nach strengen hauseigenen Tests, ähnlich wie bei THX oder Dolby Cinema.
- Ein Fokus liegt auf der Darstellung von dunklen Szenen und schnellen Action-Sequenzen, wie sie in Avengers-Titeln üblich sind.
- Marvel vermarktet Infinity Vision als exklusives Erlebnis, das die Marke mit dem Kinoerlebnis verbindet.
Vergleich mit IMAX: Wo liegen die Unterschiede?
IMAX ist seit Jahrzehnten der Goldstandard für Großbildprojektion und immersive Sound-Systeme, mit einem Seitenverhältnis von bis zu 1,43:1 und speziell angefertigten Kameras. Infinity Vision setzt dagegen eher auf die Software-Seite: Farbkalibrierung und Sound-Abstimmung werden auf die jeweiligen Marvel-Filme zugeschnitten, statt auf eine hardware-seitige Neuentwicklung zu setzen. Das Zertifikat zielt weniger auf die Bildschirmgröße als auf die Konsistenz der Wiedergabe über verschiedene Kinosäle hinweg. Während IMAX oft mit riesigen Leinwänden punktet, verspricht Infinity Vision eine optimierte Darstellung auch auf herkömmlichen, aber hochwertigen Projektionssystemen. Ein weiterer Unterschied: IMAX ist eine unabhängige Firma, während Infinity Vision direkt von Marvel kontrolliert wird, was eine engere Bindung an die Markenphilosophie erlaubt.
Hintergrund: Avenger: Endgame Encore
Die „Encore“-Fassung von Avengers: Endgame wurde im Sommer 2019 veröffentlicht, um den Film nach seinem Kino-Start erneut in die Säle zu bringen, inklusive einer Post-Credit-Szene und einem kleinen Tribut an den verstorbenen Stan Lee. Diese Wiederveröffentlichung diente nicht nur dazu, die Einnahmen zu steigern, sondern auch als Testfeld für die neue Infinity-Vision-Zertifizierung. Das Timing war bewusst gewählt: Endgame hatte zuvor alle Rekorde gebrochen, und mit der Encore-Fassung wollte Marvel zeigen, dass das Kinoerlebnis auch nach Wochen noch etwas Besonderes bieten kann. Die Zertifizierung wurde also nicht als dauerhafte Maßnahme beworben, sondern als Teil einer einmaligen Kampagne. Laut Branchenberichten sollen ausgewählte Kinos, die die Standards erfüllten, das Infinity-Vision-Logo vor der Vorführung eingeblendet haben.
Marvel Studios: Eine Geschichte der Innovation
Marvel Studios wurde 2005 gegründet und startete 2008 mit Iron Man das erfolgreiche MCU (Marvel Cinematic Universe). Das Studio hat stets auf hochmoderne Effekte und eine enge Kooperation mit Kinobetreibern gesetzt, um die eigenen Blockbuster in bestmöglicher Qualität zu präsentieren. Vor Infinity Vision gab es bereits Kooperationen mit Dolby und IMAX für einzelne Filme, aber keine eigene Zertifizierung. Die Einführung einer eigenen Marke für Projektionsqualität passt zu Marvels Strategie, alle Aspekte des Markenerlebnisses zu kontrollieren, ähnlich wie bei den Post-Credit-Szenen, die nur im Kino gezeigt werden. Das Studio hat damit ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen, das über die reine Filmproduktion hinausgeht.
Branchenkontext: Der Kampf um die besten Säle
Neben IMAX und Dolby Cinema gibt es mittlerweile mehrere Zertifizierungen für Premium-Kinoerlebnisse, etwa ScreenX (Mehrprojektion, seit 2012) oder CJ 4DPlex (bewegte Sitze, seit 2009). Infinity Vision reiht sich in diese Liste ein, setzt aber den Fokus nicht auf spezielle Hardware, sondern auf die Standardisierung der Bild- und Ton-Qualität quer durch die Kinokette. Für Multiplex-Betreiber ist eine Zertifizierung attraktiv, weil sie das Ticket-Arsenal erweitert: Zuschauer zahlen oft Aufpreise für „Premium“-Säle. Marvels Einstieg in dieses Feld zeigt, wie stark Studios um die Kontrolle des Kinoerlebnisses buhlen, insbesondere bei Blockbustern mit extremem VFX-Aufwand. Die Tatsache, dass Infinity Vision nur für einen einzigen Film beworben wurde, deutet darauf hin, dass es sich um ein Pilotprojekt handelte, das langfristig für kommende Avengers-Teile gedacht sein könnte.
Was bedeutet das für das Publikum?
Für Zuschauer ist die Zertifizierung ein Gütesiegel, das eine gleichbleibend hohe Wiedergabequalität verspricht, unabhängig davon, in welchem zertifizierten Kino sie sitzen. Gerade bei Action-Filmen wie Endgame, die auf klaren Kontrasten und kräftigen Farben aufbauen, kann dies einen spürbaren Unterschied machen. Ob sich Infinity Vision gegen die etablierten Marken durchsetzt, hängt davon ab, ob Marvel es auf Dauer in seinen Verleih aufnimmt. Bislang gibt es keine Indizien für eine Ausweitung auf andere Studios oder Franchises, da die Zertifizierung explizit mit dem Marvel-Logo verbunden ist. Es bleibt abzuwarten, ob zukünftige MCU-Filme wie Avengers: Doomsday (geplant für 2026) diese Zertifizierung erneut nutzen werden. Vorerst bleibt Infinity Vision eine Fußnote in der Kinogeschichte, eine faszinierende, aber monogame Initiative.
Ein Fakt zum Abschluss
Interessant ist, dass die Encore-Fassung von Endgame weltweit über 70 Millionen US-Dollar zusätzlich einspielte, allein in Nordamerika rund 11 Millionen in den ersten fünf Tagen. Das zeigt, dass selbst eine Wiederaufführung mit einem neuen Zertifikat eine wirtschaftliche Relevanz hat. Marvel hat mit Infinity Vision also nicht nur einen technischen Standard geschaffen, sondern auch eine Marketing-Kampagne, die sich direkt in Zahlen übersetzt. Ob das Zertifikat jemals eine zweite Auflage erlebt, ist unbekannt, doch es bleibt ein Paradebeispiel dafür, wie Studios heute versuchen, das Kino als Prestigemedium zu halten.