Der Chef spricht Klartext
Pat Gelsinger räumte öffentlich ein, dass Intel unter der Führung seiner Vorgänger Brian Krzanich und Bob Swan strategische Fehlentscheidungen traf. Die Unternehmenskultur verschob sich von einer technikzentrierten Ingenieurskultur hin zu einer finanzgetriebenen Management-Struktur.
Gelsinger kehrte 2021 als CEO zu Intel zurück, nachdem er das Unternehmen bereits von 1979 bis 2009 als Ingenieur und CTO mitgeprägt hatte. Er hat die interne Hierarchie umgebaut, damit technische Leiter direkt an das CEO-Büro berichten und nicht mehr durch mehrere Layer an Finanzcontrollern ausgebremst werden.
Die neue Strategie bei Intel
Die Umstrukturierung zielt primär auf die interne Fertigungssparte Intel Foundry, die vom Chip-Design entkoppelt wurde. Diese Trennung soll sicherstellen, dass die Entwicklungsabteilungen für Core-CPUs auch bei externen Auftragsfertigern wie TSMC produzieren können, falls die eigenen Fabs nicht liefern.
- Rückkehr zur „Tick-Tock“-Mentalität oder vergleichbaren Zyklen bei der Prozessfertigung.
- Eliminierung von Management-Ebenen, die keine direkte Verantwortung für das Silizium tragen.
- Fokus auf die 18A-Fertigungstechnologie, um die technologische Lücke zur Konkurrenz zu schließen.
Was das für Spieler bedeutet
Spieler der 13. und 14. Generation, insbesondere Nutzer der i9-13900K und i9-14900K Modelle, litten unter Instabilitäten durch zu hohe Spannungsanforderungen. Intel reagierte mit Microcode-Updates, um die „Vmin Shift“-Problematik zu begrenzen, bei der die CPU durch Degradation der Schaltkreise ihre Stabilität verliert.
- Intel musste die Garantiezeit für betroffene Desktop-Prozessoren um zwei Jahre erweitern.
- Die Baseline-Profile im BIOS wurden angepasst, um die aggressiven Werkseinstellungen der Mainboard-Hersteller einzuschränken.
- Zukünftige Generationen wie Arrow Lake (Core Ultra 200) setzen auf ein deutlich effizienteres Design, um die thermische Dichte in den Griff zu bekommen.
Historische Last und Ausblick
Das Unternehmen verlor durch die verzögerte Einführung der 10nm-Fertigung (heute Intel 7) massiv Marktanteile an AMD. Während Intel zwischen 2015 und 2020 bei der Strukturbreite stagnierte, wechselte AMD erfolgreich auf die Zen-Architektur und die TSMC-Fertigung.
NVIDIA hingegen nutzte die Schwäche von Intel im Bereich der Rechenzentren und KI-Beschleuniger, um das Marktsegment für H100- und Blackwell-Chips zu dominieren. Intel versucht nun, mit der Gaudi-3-Beschleuniger-Serie den Anschluss an diesen Markt zu finden.
- Intel investiert derzeit über 20 Milliarden Dollar in neue Fabs in Ohio und Magdeburg, um die Fertigungskapazitäten global zu diversifizieren.
- Die Abhängigkeit von externen Auftragsfertigern für die Arc-Grafikkarten zeigt, dass das Unternehmen die Integration eigener GPU-Architekturen noch nicht vollständig intern skalieren kann.
- Der Aktienkurs von Intel verlor seit Jahresbeginn über 60 Prozent an Wert, was den Druck auf Gelsinger zur schnellen Umsetzung der Sparmaßnahmen erhöht.
Die nächste Generation der Desktop-Prozessoren ohne integrierte Spannungsregler-Probleme wird über den Erfolg der aktuellen Führungsriege entscheiden. Die Quartalszahlen zeigen weiterhin einen Rückgang im Bereich des Client-Computing um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.