Ein Meilenstein der Fußballsimulation
International Superstar Soccer 64 erschien 1997 für das Nintendo 64 und gilt bis heute als einer der besten Ableger der Serie. Ein aktueller Rückblick von IGN bestätigt: Das Spiel hat nichts von seiner Magie verloren.
Entwickelt wurde ISS 64 von Konami Computer Entertainment Osaka (KCEO). Das Studio war zuvor für die International Superstar Superstar-Reihe auf dem SNES verantwortlich, der erste Teil kam 1994 in Japan, 1995 weltweit. Die SNES-Versionen ISS Deluxe (1995) verkauften sich über 3 Millionen Mal und etablierten den Ruf für arcadiges, direktes Gameplay. KCEO hatte bereits 1987 mit Track & Field auf NES Erfolge gefeiert, aber Fußball wurde ihr Markenkern. ISS 64 setzte diese Linie auf dem N64 fort, nutzte erstmals den Analogstick für präzise Richtungswechsel und lief mit 60 Bildern pro Sekunde, technisch beachtlich für die Zeit.
Der Kommentator, den niemand vergisst
- Die Sprachausgabe ist markant, übertrieben und voller Energie.
- Jeder Torschrei, jeder Kommentar zum Fehlpass bleibt im Ohr, ohne echte Spielernamen entsteht eine eigene Atmosphäre.
Der Kommentator wurde von einem japanischen Synchronsprecher eingesprochen, ehe für die PAL-Version ein englischer Sprecher namens Tony Skinner engagiert wurde. Skinner hatte zuvor für Konamis Track & Field-Reihe gearbeitet; sein extrovertierter Stil, „A great goal!“ und das unverwechselbare „He shoots, he scores!“, wurde zum Markenzeichen. Die deutsche Fassung erhielt einen eigenen Sprecher, Ulli Potofski, der später auch für Pro Evolution Soccer kommentierte. In der japanischen Urversion fehlte Kommentar komplett; erst die westlichen Versionen setzten auf diese stimmungshebende Übertreibung.
Gameplay, das süchtig macht
Die Steuerung reagiert direkt und erlaubt schnelle Dribblings sowie präzise Pässe. Die Torhüter agieren überraschend clever, die KI stellt auch erfahrene Spieler vor Herausforderungen. Das Tempo ist hoch, das Spielgefühl arcadehaft und dennoch tief.
Das Steuerungsschema nutzte den N64-Controller in einer Dreiergriff-Option: der linke Analogstick für Bewegung, die C-Tasten für Schuss, Pass und Sprint. Im Vergleich zum Vorgänger ISS 64 auf SNES bot der N64-Titel flüssigere Animationen und eine bessere Ballphysik. Ein subtiler Trick: die Schussstärke wurde durch die Dauer des Tastendrucks gesteuert, ein Feature, das spätere Pro Evolution Soccer-Titel übernahmen. Die KI der Torhüter zeigte Schwächen bei Flanken, kompensierte aber mit agilen Paraden bei Direktschüssen. Profispieler lobten die Fairness: kein übermächtiger Torwart, kein Zufallsfaktor bei Abprallern.
Mehr als nur Nostalgie
- Freundschaftsspiel, Liga, Pokal und Elfmeterschießen bieten Abwechslung.
- Die Grafik ist simpel, doch die Animationen sind flüssig und der Ballbesitz fühlt sich fair an.
Das Spiel enthielt 30 Nationalmannschaften mit fiktiven Namen (z. B. „Italy“ wurde zu „Italie“), aber echten Trikotfarben. Dazu kamen versteckte Teams wie All Star und Konami Stars. Ein Ligamodus bot eine Saison mit 30 Spielen, simpel, aber für eine Spielesitzung ausreichend. Im Pokalmodus gab es Gruppenphase und K.o.-Runde, im Elfmeterschießen war der Schussrichtung mit dem Analogstick wählbar. Keine Ligen, keine Transfers, keine Online-Wertung, reines Gameplay.
Die Konkurrenz: FIFA 64 und andere
1997 brachte Electronic Arts FIFA 64 auf den N64, lizenziert mit echten Spielernamen, aber schwächerer KI und langsamerem Tempo. FIFA 64 verkaufte sich ähnlich stark (rund 1,5 Millionen Einheiten), doch Kritiker bevorzugten ISS 64 wegen seiner besseren Physik und höheren Geschwindigkeit. Ein weiterer Konkurrent war Kick Off 97 von Anco, das auf Amiga und PC kultig war, aber auf dem N64 nie erschien. International Superstar Soccer 64 erreichte bei IGN eine Wertung von 8,5 von 10 und verkaufte sich über 800.000 Mal, weniger als FIFA, aber mit treuer Fangemeinde.
Warum es sich 2026 noch lohnt
Heutige Fußballtitel setzen auf Lizenzen und Online-Modi. International Superstar Soccer 64 kommt ohne all das aus, und gewinnt durch seinen puren Spielspaß. Der Kommentator brüllt noch immer sein unverwechselbares „Goal!“ und reißt die Spieler mit.
Der Grund für die Langlebigkeit liegt im Gameplay-Design: keine Mikrotransaktionen, keine Kader-Updates, nur zwei Tasten für Schuss und Pass. Das Spiel läuft auf jedem N64-Emulator problemlos, und die Community organisiert noch heute Online-Turniere via Parsec oder RetroArch. Die fehlenden Lizenzen werden durch den Charme der fiktiven Namen zur Nebensache. Die größte Ironie: Der Kommentator, 1997 als albern belächelt, ist heute der meistzitierte in Fußball-Speedruns und Retro-Let's-Plays.