Eine neue Richtung für Jackbox Games
Jackbox Games etablierte sich seit der Gründung im Jahr 1995 – damals noch unter dem Namen Jellyvision – durch die You Don’t Know Jack-Reihe als feste Größe für Quiz-Unterhaltung. Das Studio spezialisierte sich über Jahrzehnte auf lokale Mehrspieler-Titel, bei denen Smartphones als Controller dienen.
Mit der Ankündigung von My Arms Are Longer Now agiert das Studio erstmals als Publisher für ein Projekt, das nicht aus der eigenen internen Entwicklung stammt. Dieser Schritt weicht vom bisherigen Geschäftsmodell ab, das primär auf den jährlichen Jackbox Party Packs basierte.
Ein Blick auf den Entwickler Kevin Regamey
Der Entwickler Kevin Regamey ist kein Neuling in der Branche, sondern Mitbegründer des auf Sounddesign spezialisierten Studios Power Up Audio. Sein Team war maßgeblich an der klanglichen Gestaltung von Titeln wie Darkest Dungeon, Celeste und Crypt of the NecroDancer beteiligt.
Regamey nutzt für sein Soloprojekt Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Studios wie Capybara Games oder Klei Entertainment. Die Entwicklung findet abseits der gewohnten Party-Spiel-Strukturen statt, die Jackbox Games normalerweise prägen.
Humor trifft auf Stealth-Mechanik
Der Titel My Arms Are Longer Now nutzt ein Physik-System, bei dem die Arme des Protagonisten auf Tastendruck wachsen oder schrumpfen. Diese Mechanik ersetzt die klassische Fortbewegung und Interaktion durch eine instabile, gummiartige Bewegungsfolge.
- Die Arme dienen als Greifhaken für vertikale Navigation.
- Gegner werden durch gezielte, physikbasierte Stöße aus dem Sichtfeld entfernt.
- Die ungewöhnliche Reichweite der Arme erlaubt es, Schlösser aus unnatürlichen Winkeln zu knacken.
Die Steuerung lehnt sich an das Prinzip von Spielen wie QWOP oder Octodad: Dadliest Catch an. Der Spieler kämpft aktiv gegen die eigene Anatomie, um unbemerkt durch die Level zu gelangen.
Warum das Genre aufhorcht
Das Stealth-Genre ist historisch durch die Thief-Serie oder Metal Gear Solid geprägt, die auf statische Sichtkegel und Lichtquellen setzen. My Arms Are Longer Now bricht mit diesen Konventionen, indem es den Körper des Spielers zur größten Schwachstelle macht.
- Die KI reagiert nicht nur auf Geräusche, sondern auf die bizarre Silhouette der Spielfigur.
- Räumliches Denken ist erforderlich, da die Arme bei Kollision mit Objekten kollabieren.
- Fehlgeschlagene Aktionen führen oft zu einer Kettenreaktion in der Spielumgebung.
Vergleichbare Ansätze finden sich am ehesten in Titeln wie Untitled Goose Game, bei dem die Interaktion mit der Spielwelt durch skurrile Physik den Unterhaltungswert generiert. Die mechanische Komplexität bei Regameys Spiel liegt in der bewussten Einschränkung der Präzision.
Branchenkontext und Studio-Historie
Jackbox Games veröffentlichte seit 2014 jährlich ein neues Party Pack, das meist fünf verschiedene Spiele enthält. Das erfolgreichste Paket, The Jackbox Party Pack 3, verkaufte sich plattformübergreifend millionenfach und festigte den Status des Studios als Marktführer für soziale digitale Spiele.
Die Entscheidung für externes Publishing deutet auf eine Diversifizierung des Portfolios hin. Bisherige Versuche des Studios, sich außerhalb der Party-Nische zu bewegen, blieben limitiert auf kleine Experimente innerhalb der Packs. My Arms Are Longer Now ist das erste vollumfängliche, eigenständige Produkt unter der Flagge des Publishers.
Release und Verfügbarkeit
Der Titel wird für PC via Steam erscheinen, wobei eine Veröffentlichung für Nintendo Switch, PlayStation 5 und Xbox Series X/S in der Planung ist. Die Portierung übernimmt ein spezialisiertes Team, um die Physik-Engine auf den unterschiedlichen Konsolen-Architekturen stabil zu halten.
Ein genaues Veröffentlichungsdatum für das Quartal steht derzeit noch aus. Aktuelle Demo-Versionen auf Fachmessen wie der PAX West konzentrierten sich auf die ersten drei Tutorial-Level. Die finale Version soll insgesamt zwölf verschiedene Areale umfassen, die jeweils eigene physikalische Herausforderungen bieten.