Der Clownprinz wird zum Detektiv
„Joker: Laugh Riot“ stellt die Batman-Mythologie auf den Kopf. Die animierte Serie zeigt den Joker nicht als lachenden Chaosbringer, sondern als rächenden Ermittler. Sein Ziel: denjenigen finden, der Batman getötet hat.
Dafür zieht der Joker in den Krieg gegen Gothams Unterwelt. Er durchkämmt die Straßen, verhört Schurken und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Die Prämisse klingt wie ein düsterer „What If…?“-Trip, nur ohne die freundliche Marvel-Politur.
Was bedeutet das für Gaming-Fans?
- Der Joker ist seit Jahrzehnten eine zentrale Figur in Batman-Videospielen, von den ersten 8-Bit-Abenteuern bis zur Arkham-Trilogie.
- In „Laugh Riot“ wird sein Charakterbogen radikal neu interpretiert: Kein Spaßvogel, sondern ein tödlicher Vigilant mit einer Mission.
- Die Serie könnte das Prequel oder die Inspiration für ein zukünftiges Spiel sein, in dem der Joker als antiheroischer Protagonist agiert.
Wer sich durch die „Batman: Arkham“-Reihe gekämpft hat, weiß, wie faszinierend ein Joker im Fokus sein kann. Die Serie scheint genau diesen Nerv treffen zu wollen, nur ohne Controller.
Eine verkehrte Welt in Gotham
Dass ausgerechnet der Erzfeind zum Rächer wird, ist ein cleverer Schachzug. Der Joker jagt nicht mehr Batman, sondern dessen Mörder. Er macht Jagd auf die eigenen Reihen, und das mit der bekannten, unberechenbaren Brutalität.
Die Ankündigung stammt von Polygon.com und beschreibt die Show als „neue animierte Serie“. Ob sie auf Streaming-Diensten oder als eigenständiges Projekt erscheint, bleibt abzuwarten. Fest steht: Gothams Unterwelt bekommt ein neues Alphatier, und dieses Mal lacht es nicht, es fragt.
Produktionsdetails und Studio
„Laugh Riot“ wird von Warner Bros. Animation produziert, dem Studio hinter „Batman: The Animated Series“ (1992) und „Justice League Unlimited“. Showrunner ist der erfahrene Autor Paul Dini, der bereits für die Arkham-Spiele die Joker-Figur schrieb und in „Batman: The Animated Series“ das Verhältnis zwischen Batman und Joker prägte.
- Dini zeichnete in den Arkham-Spielen für die ikonischen Joker-Momente verantwortlich, von den Verhören bis zum finalen Giftgas-Angriff.
- Das Studio brachte zuletzt 2023 „Batman: The Doom That Came to Gotham“ heraus, eine Horror-Elseworlds-Version, die 78 Minuten lief und bei Rotten Tomatoes 71 % Zustimmung erhielt.
- Für „Laugh Riot“ sind 10 Episoden à 22 Minuten geplant, die Produktion läuft seit Februar 2025.
Die Wahl fiel auf Dini, weil er den Joker als mehr als einen wahnsinnigen Clown versteht. In Arkham Asylum ließ er den Joker singen, in Arkham City monologisieren. „Laugh Riot“ geht diesen Weg konsequent weiter, ohne den Sicherheitsnetz eines Helden.
Einordnung in die DC-Animationsgeschichte
DC hat in den letzten fünf Jahren vermehrt Elseworlds-Projekte gestartet, die mit den Figuren experimentieren. „Harley Quinn“ (2019–2024, drei Staffeln auf HBO Max) zeigte eine komödiantische Joker-Nebenrolle. „Batman: Caped Crusader“ (2024, Amazon) kehrte zu den Noir-Wurzeln zurück. „Laugh Riot“ wählt einen dritten Weg: keine Satire, kein Retro, sondern einen psychologischen Thriller aus der Täterperspektive.
- Der Film „Joker“ (2019) spielte weltweit über eine Milliarde Dollar ein und zeigte, dass ein Joker ohne Batman funktioniert, wenn er als Gesellschaftskritik inszeniert wird.
- Die Animationsbranche reagierte: „The Boys Presents: Diabolical“ (2022) bewies, dass Superhelden-Verse aus Schurkensicht ein breites Publikum finden.
- „Laugh Riot“ nutzt diesen Trend, bleibt aber nah an der Comic-Vorlage: Der Joker trägt weiterhin den lila Anzug, benutzt Giftgas-Witze und hat seine typische tickende Lache, nur dass er sie jetzt als Waffe gegen andere Verbrecher einsetzt.
Ein markanter Unterschied zu früheren DC-Animationsserien ist das Mindestalter. Während „Young Justice“ ab 12 Jahren freigegeben war, peilt „Laugh Riot“ eine FSK 16 an, wegen expliziter Gewaltdarstellung und psychologischer Folter. Das ist in der DC-Animation selten, aber nicht neu: „Batman: The Killing Joke“ (2016) bekam eine R-Rating in den USA.
Zahlen und Fakten zum Joker-Franchise
Der Joker ist die umsatzstärkste Figur im DC-Universum nach Batman selbst. Laut NPD Group generierten Joker-verknüpfte Spiele, Filme und Merchandise zwischen 2015 und 2024 über 4,2 Milliarden US-Dollar. Die Arkham-Reihe allein verkaufte sich über 25 Millionen Mal, Joker war in 80 % der Verkaufszahlen als Hauptantagonist oder spielbare Figur vertreten.
- „Batman: Arkham Asylum“ (2009) hatte den Joker als Endgegner und verkaufte 4,3 Millionen Exemplare im ersten Jahr.
- „Batman: Arkham City“ (2011) zeigte den Joker todkrank, was als einer der stärksten Narrative der Reihe gilt. 6,2 Millionen Verkäufe.
- „Batman: Arkham Knight“ (2015) ließ den Joker als Halluzination durch die Handlung geistern, Kritiker lobten die psychologische Tiefe. 8,7 Millionen Verkäufe.
Ein reines Joker-Spiel existiert nicht. 2023 lehnte WB Games ein internes Pitch für „Joker: The Red Hood“ ab, da man die Figur nicht als Helden positionieren wollte. „Laugh Riot“ umgeht dieses Problem, indem es Animation statt Interaktion wählt. Die Serie testet, ob das Publikum einen Joker akzeptiert, der moralisch grau handelt, mit dem Tod von Batmans Mörder als Endziel.