Ein Meilenstein für die Wüste
Lo-Fi Games hat mit Kenshi offiziell drei Millionen verkaufte Exemplare erreicht. Das Studio aus Bristol blickt damit auf ein Wachstum zurück, das zwölf Jahre nach der ersten öffentlichen Alpha-Version seinen Höhepunkt findet.
Der Gründer Chris Hunt entwickelte das Spiel anfangs in Isolation. Er arbeitete in einem kleinen Büro und lebte von Ersparnissen, während er den Code für die erste Version von Kenshi schrieb.
Was macht Kenshi so besonders?
Das Spielprinzip verzichtet auf vorgegebene Pfade. Spieler starten als namenlose Individuen in einer Umgebung, die jeden Fehler bestraft.
- Es gibt keine Quest-Logbücher oder markierte Ziele.
- Hunger, Verletzungen und Fraktionskriege bestimmen das Überleben.
- Das Fortschrittssystem basiert allein auf der praktischen Anwendung von Fertigkeiten.
Die Simulation berechnet den Status der Welt kontinuierlich im Hintergrund. Wenn eine Stadt von Banditen überfallen wird, bleibt sie in diesem Zustand, bis der Spieler eingreift oder andere Fraktionen die Kontrolle übernehmen.
Studio-Historie und Anfänge
Chris Hunt startete das Projekt Kenshi bereits im Jahr 2006. Er arbeitete nebenbei als Türsteher, um die Entwicklung zu finanzieren.
- Die erste spielbare Version erschien 2011 als reine Einzelkämpfer-Produktion.
- 2013 kam das Spiel auf Steam Early Access.
- Erst nach Jahren der kontinuierlichen Verbesserung baute Hunt ein kleines Team auf, um die volle Version 2018 zu veröffentlichen.
Vor Kenshi existierten keine kommerziellen Veröffentlichungen von Lo-Fi Games. Das Studio entstand ausschließlich aus der Notwendigkeit heraus, dieses eine, spezifische Konzept umzusetzen.
Branchenkontext und Vergleich
Kenshi besetzt eine Nische, die zwischen klassischen Computer-Rollenspielen und komplexen Sandbox-Simulationen liegt. Das Spiel teilt sich das Publikum mit Titeln wie RimWorld oder Dwarf Fortress.
- Wie Dwarf Fortress nutzt es emergentes Storytelling, bei dem die Weltgeschichte erst durch die Aktionen des Spielers entsteht.
- Die Verkaufszahlen von drei Millionen platzieren das Spiel auf Augenhöhe mit erfolgreichen Indie-Produktionen wie Project Zomboid.
- Der langfristige Erfolg zeigt, dass eine aggressive Community-Bindung ohne Marketing-Budget ausreicht, um Verkaufszahlen über ein Jahrzehnt hinweg zu steigern.
Im Gegensatz zu AAA-Titeln mit festen Releaseszyklen profitierte Kenshi von einer ununterbrochenen Unterstützung durch Modding-Tools. Die Spielerbasis erstellte tausende Modifikationen, die die Lebensdauer des Spiels über den ursprünglichen Umfang erweiterten.
Neugier treibt die Fans an
Die Webseite "Kenshi 2 When?" dient als offizielle Anlaufstelle für Updates. Der Fortschrittsbalken dort korreliert mit den Meilensteinen der Engine-Umstellung.
- Fans nutzen die Seite als Ort für Spekulationen über spielbare Völker und neue Regionen.
- Das Studio bestätigt regelmäßig, dass der Nachfolger auf der gleichen Spielwelt basiert, jedoch zeitlich davor angesiedelt ist.
- Informationen bleiben bewusst limitiert, um den Fokus auf die interne Entwicklung zu legen.
Der Blick in die Zukunft
Lo-Fi Games nutzt für Kenshi 2 die Unreal Engine. Dieser Wechsel ersetzt die proprietäre Engine des Vorgängers, die bei größeren Schlachten häufig an ihre Grenzen stieß.
- Das kleine Team besteht aktuell aus etwa 15 Personen.
- Der Wechsel der Engine soll die Performance bei der Darstellung von tausenden Einheiten gleichzeitig verbessern.
- Die Arbeit konzentriert sich auf eine stabilere Architektur für die Weltkarten-Berechnung.
Das Studio hält an seiner Unabhängigkeit fest und vermeidet externe Investoren oder Publisher. Aktuell gibt es kein festes Datum für den Release des Nachfolgers, da die Entwicklung nach eigenen Aussagen erst endet, wenn das Spiel den Anforderungen des Teams entspricht.