Ein exklusiver Blick in die Menüs
Die Nintendo Switch OLED unterscheidet sich nicht bloß durch das namensgebende Display von ihren Schwestern. Im Einstellungsmenü verbirgt sich eine Option, die Besitzer der Standard-Konsole oder der Switch Lite vergeblich suchen.
Wer in die Systemeinstellungen navigiert und den Reiter „Fernseher“ ansteuert, findet dort eine spezielle Anpassung für die Farbwiedergabe. Diese Funktion ist allein für das OLED-Panel konfiguriert.
Technisch gesehen greift diese Software-Einstellung direkt auf die Ansteuerung des Display-Controllers zu. Bei der Standard-Switch (Modell HAC-001) und der Switch Lite liegt die Farbraumabdeckung lediglich beim sRGB-Standard, der für die verbauten LCD-Panels fest definiert ist.
Farben nach eigenem Geschmack
Das Feature erlaubt es, die Darstellung der Farben auf dem OLED-Bildschirm individuell zu kalibrieren. Nutzer können zwischen zwei Modi wählen:
- Lebhaft: Diese Einstellung nutzt den erweiterten Farbraum des Panels für eine besonders satte Sättigung.
- Natürlich: Dieser Modus reduziert die Intensität der Farben für eine realistischere Darstellung der Spielgrafik.
Für Titel mit knalliger Optik wie Splatoon 3 oder Mario Kart 8 Deluxe empfiehlt sich oft die lebhafte Einstellung. Wer hingegen Wert auf eine dezente Farbpalette legt, fährt mit der natürlichen Option besser.
Die Kalibrierung orientiert sich am DCI-P3-Farbraum, der deutlich mehr Farbabstufungen bietet als der Standard-LCD-Monitor. Während klassische LCDs bei der Darstellung von Schwarz zu leichtem Lichtaustritt neigen, schaltet das OLED-Panel einzelne Pixel physikalisch ab. Diese Hardware-Eigenschaft ermöglicht ein echtes Schwarz und damit eine höhere visuelle Tiefe.
Die Evolution der Nintendo-Hardware
Die Nintendo Switch startete ihren Marktgang im März 2017. Entwickelt wurde das Konzept unter der Leitung von Shinya Takahashi, der als General Manager der Nintendo Software Planning & Development Division fungiert.
Nach dem kommerziellen Misserfolg der Wii U, die weltweit nur 13,56 Millionen Einheiten absetzte, vollzog das Unternehmen einen Strategiewechsel. Die Switch sollte das Heimkonsolen-Erlebnis mit der Mobilität eines Handhelds vereinen.
Mit der Switch Lite (2019) folgte ein reines Handheld-Modell, das auf abnehmbare Joy-Cons verzichtete. Die OLED-Switch (2021) bildete das dritte Glied in der Kette, wobei der Fokus primär auf der Display-Qualität und einem verbesserten Standfuß lag.
Branchenkontext und Display-Technik
Die Entscheidung für OLED bei einer mobilen Konsole ist in der Branche eher selten. Professionelle Gaming-Handhelds wie das Steam Deck boten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der OLED-Switch ebenfalls LCD-Bildschirme an (spätere Revisionen des Steam Deck wechselten ebenfalls zu OLED).
Vergleichbare Wettbewerber im Bereich der dedizierten Handheld-Konsolen fokussierten lange Zeit auf Auflösung statt Kontrastverhältnis. Nintendo wählte den umgekehrten Weg, da die Rechenleistung des NVIDIA Tegra X1 Chipsatzes seit 2017 identisch blieb. Die optische Aufwertung durch die Farbdarstellung kaschiert somit die stagnierende Hardware-Performance.
Warum diese Option fehlt
Die LCD-Bildschirme der ursprünglichen Switch und der Switch Lite verfügen technisch nicht über die Kapazität, diese Farbräume dynamisch anzupassen. Die implementierte Software-Sperre verhindert somit, dass Nutzer Einstellungen vornehmen, die die Hardware gar nicht darstellen kann.
Das OLED-Modell erreicht durch die selbstleuchtenden Pixel ein nahezu unendliches Kontrastverhältnis. Die zusätzliche Option im Menü macht sich genau diese Hardware-Eigenschaft zunutze.
Bei LCD-Bildschirmen wird das Licht durch eine Hintergrundbeleuchtung (Backlight) erzeugt, die permanent leuchtet. Eine Software-Einstellung für Farbsättigung würde hier lediglich die Software-Werte für Kontrast und Helligkeit verschieben, ohne die tatsächliche Farbtiefe des Panels zu verändern.
Mehr als nur ein neues Display
Nintendo hat die Software der OLED-Switch an die veränderte Display-Technik angepasst. Besitzer anderer Modelle müssen sich mit der Standard-Konfiguration der LCD-Technik begnügen.
Diese Software-Anpassung existiert seit dem ersten Verkaufstag der OLED-Switch im Oktober 2021. Sie bleibt exklusiv für das Modell mit dem 7-Zoll-Bildschirm reserviert.
Die Display-Einheit selbst stammt von den Zulieferern Samsung Display. Die Integration in das System-Menü unter dem Reiter „Fernseher“ ist eine Besonderheit der Firmware, da die Einstellung auch dann sichtbar bleibt, wenn die Konsole im Dock steckt, obwohl sie primär für den Handheld-Modus entwickelt wurde.