Der Schock sitzt tief
Hideo Kojima hat es wieder getan. Der Meister des Meta-Horrors postete einen neuen Screenshot zu seinem kommenden Spiel OD, und die Community traute ihren Augen kaum.
Der Blick durch einen dunklen Flur, die verwinkelte Perspektive, das matschige Licht. Es ist, als hätte jemand die Dateien von PT aus dem Grab geholt.
Kojima Productions, das Studio hinter OD, wurde 2015 gegründet, nachdem Kojima sich im Streit von Konami trennte. Der erste Titel, Death Stranding, erschien 2019 und verkaufte sich über 5 Millionen Mal auf PlayStation und PC. Ein Director's Cut folgte 2022. OD ist das zweite große Projekt des Studios. Es wurde im Juni 2022 auf der Xbox Games Showcase angekündigt, zusammen mit einer Partnerschaft mit Microsoft. Kojima nannte es damals „ein völlig neues Konzept“, ein Spiel, das Cloud-Technologie und Streaming nutzen soll.
Was zeigt der Screenshot?
- Ein enger, endlos wirkender Gang mit Holzboden und hellen Wänden.
- Im Hintergrund eine offene Tür, aus der warmes, gelbes Licht dringt.
- Nichts, was direkt ein Monster zeigt. Die Atmosphäre ist zum Schneiden dick.
Die Quelle Kotaku fasst es treffend zusammen: „Playable Teaser? More like... uh... Passageway... Terrifying!“ Der Screenshot trägt keine offizielle Bezeichnung, aber die Bildsprache spricht Bände.
Technisch setzt OD auf die Unreal Engine 5. Das bestätigte Kojima Productions in einem Interview mit IGN im Jahr 2023. Die Engine ermöglicht dynamische Beleuchtung und hochauflösende Texturen, die in den engen Gängen besonders zur Geltung kommen. Im Vergleich: PT nutzte Konamis hauseigene Fox Engine, die bereits 2014 fotorealistische Ergebnisse lieferte. Kojima wechselte nach der Studio-Gründung zu Sonys Decima Engine für Death Stranding, aber für OD fiel die Wahl auf Epics Technologie. Die Zusammenarbeit mit Microsoft könnte auch die Nutzung von Azures Cloud-Diensten beinhalten, um die „neue Art von Horror“-Erfahrung zu streamen.
Die Verbindung zu PT
Vergleiche mit PT, dem einflussreichen, aber nie veröffentlichten Playable Teaser für das geplante Silent Hills, sind unvermeidlich. Kojima selbst hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass der Horror in engen Räumen sein Spezialgebiet ist.
OD wird exklusiv für die Xbox erscheinen, eine Partnerschaft mit Microsoft aus dem Jahr 2022. Ob der Screenshot direkt aus der Spiel-Engine stammt oder ein konzeptionelles Artwork ist, bleibt offen.
PT wurde am 12. August 2014 auf der PlayStation 4 veröffentlicht, als kostenlose Demo im PlayStation Store. Schätzungen zufolge wurde sie über 1,5 Millionen Mal heruntergeladen, bevor Konami die Demo am 29. April 2015 aus dem Store entfernte und das Silent Hills-Projekt komplett einstellte. Der Teaser zeigte einen namenlosen Protagonisten in einem endlosen Flur mit einer Geisterfigur namens Lisa. Kojima hat für OD prominente Kreative ins Boot geholt: den Filmregisseur Jordan Peele („Get Out“, „Us“) und den Manga-Künstler Junji Ito („Uzumaki“). Beide wurden im Mai 2024 offiziell als Mitwirkende genannt. Ito ist bekannt für seinen psychologischen Körperhorror, Peele für soziale Kommentare im Horror-Genre. Die Kombination deutet auf eine ungewöhnliche Mischung hin.
Was bedeutet das für Fans?
- Für PT-Veteranen: Ein Déjà-vu, das Gänsehaut auslöst.
- Für Neulinge: Ein erster Vorgeschmack auf Kojimas düsteres Universum.
- Für alle: Die Frage, ob OD tatsächlich spielbar sein wird oder eher eine interaktive Erfahrung bleibt.
Kojima hat OD als „völlig andere Art von Horror“ beschrieben. Der Screenshot deutet an: Die DNA von PT lebt weiter, aber vielleicht in einer noch beunruhigenderen Form.
Im Branchenkontext ist OD ein wichtiger Titel für Microsoft. Die Xbox-Konsole hat derzeit wenige exklusive Horror-Spiele. Sony kann auf Serien wie Until Dawn, The Last of Us oder Resident Evil-Exklusivdeals zurückgreifen. Nintendo hat Fatal Frame: Mask of the Lunar Eclipse und Luigi's Mansion. Microsoft setzt mit OD auf einen Namen, der schon einmal ein Genre definiert hat. Vergleiche mit anderen psychologischen Horror-Spielen wie Alan Wake 2 (2023) oder Layers of Fear (2023) zeigen, dass enge Korridore und Atmosphäre ohne Jump-Scares derzeit erfolgreich sind. Alan Wake 2 verkaufte sich in den ersten zwei Monaten über eine Million Mal, ein Indiz für die Nachfrage.
Keine Bestätigung, aber viel Spekulation
Offiziell gibt es keine Aussage von Kojima Productions zu den Ähnlichkeiten. Weder ein Release-Datum noch Gameplay-Details wurden genannt.
Doch ein Screenshot reicht, um die Gerüchteküche brodeln zu lassen. OD bleibt eines der am meisten beobachteten Horror-Spiele, und dieser neue Blick macht die Vorfreude nicht kleiner.
Konkrete Release-Gerüchte: Branchen-Insider wie Jeff Grubb und Tom Henderson deuten auf ein Fenster Ende 2025 hin. Kojima selbst sagte in einem Interview mit der BBC, dass OD „nicht nur ein Spiel, sondern eine Plattform“ sei. Es wird gemunkelt, dass die Spieler in Echtzeit Entscheidungen treffen, die per Cloud übertragen werden, ähnlich wie bei Death Strandings sozialen Elementen, aber in eine Horror-Schiene übersetzt. Die Tür im Bild? Sie könnte sich jeden Moment öffnen.