Die Rückkehr der Stop-Motion-Meister
Das in Oregon ansässige Studio Laika hat den ersten Teaser zu Wildwood veröffentlicht. Die Ästhetik verbindet die melancholische Naturverbundenheit von Spirited Away mit der gotischen Verspieltheit von The Nightmare Before Christmas.
Laika entstand 2005 aus der Werbefirma Will Vinton Studios, nachdem Phil Knight, Mitgründer von Nike, das Unternehmen übernahm. Seitdem hat das Studio fünf abendfüllende Filme produziert, die jeweils für den Oscar als bester Animationsfilm nominiert wurden.
Was das Material zeigt
- Ein Mädchen durchquert einen abgeschirmten Wald vor den Toren Portlands, um ihren Bruder zu retten.
- Die Skalierung der Sets erreicht ein neues Maß an Komplexität im Vergleich zu früheren Produktionen.
- Lichtkonzepte nutzen Schattenwürfe, um die Tiefe der physischen Modelle physisch abzubilden.
Die Puppen für Wildwood nutzen 3D-gedruckte Gesichter, die auf die skelettartigen Metallgerüste unter der Silikonhaut montiert werden. Für die Mimik der Charaktere produziert das Studio tausende Einzelteile, um jede Nuance der Animation präzise zu steuern.
Handwerk vor Computer-Effekten
Das Team produziert Wildwood vollständig mit handmodellierten Kulissen und physischen Figuren. Digitale Retuschen werden nur genutzt, um die Haltestäbe der Puppen aus den finalen Bildern zu entfernen.
Im Gegensatz zu Studios wie Pixar oder DreamWorks, die auf reine CGI-Pipelines setzen, bewahrt Laika die analoge Textur von Stoff, Farbe und Staub. Diese Entscheidung erfordert eine wöchentliche Output-Rate von weniger als zwei Sekunden fertigem Film pro Set.
Hinter den Kulissen
- Travis Knight führt Regie, der bereits bei der Gründung von Laika als Lead Animator tätig war.
- Als literarische Vorlage dient der Roman Wildwood von Colin Meloy, dem Frontmann der Band The Decemberists.
- Die Geschichte ist der Auftakt einer Trilogie, die bereits 2011 mit dem ersten Band begann.
Die Produktion kombiniert klassische Stop-Motion-Techniken mit modernster Rapid-Prototyping-Technologie. Während der Arbeit an Coraline (2009) testete das Studio erstmals 3D-Drucke für Gesichtsausdrücke, was heute zum Standardrepertoire gehört.
Optik und Atmosphäre
Der Teaser verzichtet auf Dialoge und fokussiert sich auf die Texturen der Kleidung und der pflanzlichen Umgebung. Die Kameraführung imitiert reale Objektive, um den Eindruck einer Miniaturwelt zu vermeiden und stattdessen reale Größenverhältnisse zu suggerieren.
Vergleichbare Produktionen wie Guillermo del Toros Pinocchio nutzten ebenfalls hybride Ansätze, setzten jedoch auf einen raueren, expressionistischen Stil. Laika hingegen strebt mit Wildwood eine visuelle Glätte an, die den Zuschauer die technische Herkunft der Bilder vergessen lassen soll.
Branchenkontext und Historie
Seit dem Debüt mit Coraline hat das Studio seine technischen Standards kontinuierlich verschärft. ParaNorman (2012) und The Boxtrolls (2014) dienten als Lernkurve für die Darstellung von Massenszenen. Mit Kubo and the Two Strings (2016) realisierte das Team die bisher größte physische Puppe der Studiogeschichte, einen fünf Meter hohen Skelettkrieger.
Der finanzielle Erfolg war dabei wechselhaft, da Stop-Motion-Filme durch die hohen Personalkosten deutlich teurer in der Herstellung sind als reine Computeranimationen. Ein Film wie Missing Link (2019) kostete schätzungsweise 100 Millionen US-Dollar, was den Druck auf die künstlerische Leitung erhöht, kommerziell tragfähige Stoffe zu finden.
Fakten zum Release
Die Produktion befindet sich derzeit in den letzten Zügen der Postproduktion. Ein verbindlicher Starttermin in den Kinos wurde durch den Verleih noch nicht kommuniziert.
Auf der offiziellen Webseite dokumentiert Laika den Aufbau der Kulissen, die teilweise mehrere Quadratmeter Fläche einnehmen. Die finale Mischung des Tons erfolgt aktuell unter der Leitung von Komponisten, die eng mit der musikalischen Historie der Romanvorlage verknüpft sind.