Der Trailer, der niemanden kalt lässt
Das State of Play im Juni 2026 zeigte endlich den Release-Trailer zu Tomb Raider: Legacy of Atlantis, einem zweiten Remake des Klassikers von 1996. Lara flipst, grappelt und schwingt sich durch Dschungelruinen.
Und sie sieht dabei verdammt gut aus. Aber genau das ist das Problem, für viele zumindest.
Wer hinter Legacy of Atlantis steckt
Entwickelt wird Legacy of Atlantis von Crystal Dynamics, dem Studio, das 2013 das gesamte Franchise mit einem harten Reboot neu startete. Davor lag die Serie bei Core Design (1996–2003) und dann bei Crystal Dynamics (2006–2018). Nach der Übernahme durch die Embracer Group 2022 und dem anschließenden Verkauf an Amazon Games 2023 blieb Crystal Dynamics als Entwickler erhalten.
- 2013: Tomb Raider (Reboot), 11 Millionen verkaufte Exemplare, Metacritic 86
- 2015: Rise of the Tomb Raider, 9,2 Millionen, Metacritic 86
- 2018: Shadow of the Tomb Raider, 8,9 Millionen, Metacritic 77
- 2023: Ankündigung eines neuen Hauptteils, aber Legacy of Atlantis ist ein separates Remake-Projekt
Das Team arbeitet parallel am nächsten großen Tomb-Raider-Teil. Legacy of Atlantis ist ein Side-Projekt, das anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Serie 2026 erscheint.
Die seltsame Kritik an Laras Look
Seit dem ersten Teaser bei den Game Awards im Dezember 2025 kochen die Gemüter. Vorwürfe wie „yassified“ und „anti-woke“ machen die Runde. Ein Reddit-Nutzer beschrieb ihr Outfit sogar als „Sex-Doll-Vibes“.
- Beschwerden über zu viel Eyeliner und Lippenstift
- Kritik an angeblich zu wenig muskulösen Armen
- Gleichzeitig: „Ihre Brüste sind zu klein!“
Kurz: Lara ist zu feminin. Sie trägt Make-up im Dschungel! Sie hat Kurven! Der Horror.
Verkaufszahlen und die Logik der Charakterdesigns
Die Serie hat weltweit über 95 Millionen Einheiten abgesetzt (Stand 2025). Der erfolgreichste Teil ist das 2013er Reboot mit 11 Millionen. Dieses Spiel zeigte Lara mit Schlamm, Narben und starkem Eyeliner. Kritik damals: Sie sei zu verletzlich, zu wenig badass. Der nächste Teil, Rise, machte sie muskulöser und kälter. Kommentare: „Sie sieht aus wie eine männliche Bodybuilderin.“
- 2013: Eyeliner ja, Make-up ja, aber viel Dreck, keine Beschwerden über „Sex-Doll“
- 2018: Breitere Schultern, flachere Brust, Vorwürfe der Vermännlichung
- 2024: Netflix-Serie The Legend of Lara Croft, sehr schlank, fast asexuell, Fans fanden: „Das ist nicht Lara“
Das aktuelle Design versucht offenbar einen Mittelweg. Kurven und Make-up, aber keine Jiggle-Physics. Keine unrealistische Taille.
Ein Blick zurück: Lara war schon immer so
Die originale Lara von 1996 trug dunklen Lippenstift und hatte polygonale, völlig unrealistische Proportionen. Die Werbung zielte damals klar auf den männlichen Blick ab.
- 2013er Reboot: Eyeliner und Lippenstift, aber mehr Schlamm
- 2018er Shadow of the Tomb Raider: weniger Make-up-Kritik, dafür „zu muskulös und männlich“
- Netflix-Serie The Legend of Lara Croft: flache Brust, breite Schultern, viele Fans fanden: Das ist nicht Lara
Lara war schon immer eine Femme Fatale. Ihre Verführungskraft gehört zu ihr. Sie zu entfernen, macht die Figur nicht stärker, sondern nur unkenntlich.
Branchenkontext: Wo steht dieser Look
Vergleichbare Diskussionen gab es zuletzt bei Stellar Blade (2024, Shift Up), dessen Protagonistin Eve extrem sexualisiert wurde. Das Spiel verkaufte über eine Million Einheiten in zwei Monaten. Gleichzeitig erhielt Horizon Forbidden West (2022) Kritik, weil Aloy „zu unattraktiv“ sei. Beide Pole werden von denselben Foren befeuert.
- The Last of Us Part II (2020): Ellie mit sichtbaren Muskeln, kein Make-up, Hasskampagne wegen „zu männlich“
- Bayonetta 3 (2022): Sexy Design, aber Kritik an „overdesigned“ und „kindisch“
- Legacy of Atlantis trifft genau in diese Grauzone: feminin genug für die einen, zu feminin für die anderen
Crystal Dynamics kennt diese Dynamik. Sie haben 2018 auf die Kritik an Laras Muskeln reagiert und sie im Netflix-Design entschärft. Jetzt drehen sie zurück.
Warum die Aufregung absurd ist
Legacy of Atlantis zeigt Lara mit einem traditionell attraktiven, aber nicht unnatürlichen Körper. Keine Jiggle-Physics. Keine unmöglichen Taillen. Ihre Shorts sind nicht kürzer als 1996, ihr Top ist dezent, die Schuhe sind praktisch.
Sie trägt dicke Wimpern, das ist aktuell einfach Beauty-Trend, genau wie der Lippenstift der 90er ein Trend war.
Wer behauptet, diese Lara sei „zu sexy“, der hat noch nie eine Frau auf einem Campingtrip gesehen. Denn genau so sieht die aus.
Ein schwacher Verdacht am Rand
Das Einzige, worüber man sich wirklich ärgern könnte: die Vermutung, dass Laras Design möglicherweise KI-generiert wurde. Aber selbst das ist nicht bestätigt.
Bis dahin gilt: Lara Croft ist feminin, badass und heiß. Das war sie immer. Und das ist okay.