Rossman gegen Samsung: Der Fall
Louis Rossman, bekannt aus seinem YouTube-Kanal mit rund 1,5 Millionen Abonnenten und als langjähriger Kämpfer gegen Reparaturblockaden, verklagt Samsung. Der Auslöser: seine defekte 990 Pro SSD, eine NVMe SSD der 2-TB-Klasse, die Samsung laut Garantie nicht ersetzen will, obwohl das Modell bei Amazon reichlich gelistet ist. Rossman hat bereits Apple wegen fehlender Ersatzteile und Microsoft wegen der Reparierbarkeit der Surface-Reihe verklagt. Seine Werkstatt in New York repariert seit über einem Jahrzehnt MacBooks und Mainboards, oft gegen den Willen der Hersteller.
Die 990 Pro ist eine der schnellsten Consumer-SSDs auf dem Markt. Mit sequenziellen Lese- und Schreibraten von bis zu 7450 MB/s und 6900 MB/s ist sie für Gamer und Content-Creator attraktiv, die kürzeste Ladezeiten und DirectStorage-Kompatibilität brauchen. Samsung hatte das Modell im August 2022 vorgestellt, als Nachfolger der 980 Pro (2020) und der 970 Evo Plus (2018). Die 980 Pro lag zum Start bei 229 US-Dollar (1 TB), die 990 Pro bei 299 US-Dollar (2 TB).
Der Haken am Preis
Laut der Klage bietet Samsung keinen Ersatz an, weil die SSD angeblich nicht mehr lieferbar sei. Ein Blick auf Amazon zeigt das Gegenteil. Allerdings ist der Preis explodiert.
- Ursprünglicher Preis: rund 300 US-Dollar
- Aktueller Preis auf Amazon: 949 US-Dollar
Der Preis der 990 Pro ist auf Amazon seit Januar 2023 stetig gestiegen, laut camelcamelcamel von etwa 300 auf 949 Dollar. Im gleichen Zeitraum fiel der Preis der Vorgängerin 980 Pro auf unter 150 Dollar. Samsung selbst hat die 990 Pro im Februar 2023 mit einem Firmware-Update wegen übermäßiger Verschleißanzeige (SMART-Werte) gepatcht. Einige Nutzer berichteten von Totalausfällen nach wenigen Terabyte geschriebener Daten. Rossman argumentiert, Samsung wolle sich vor teuren Ersatzlieferungen drücken, indem es auf vermeintliche Lieferengpässe verweist, die in Wahrheit nur Preissteigerungen sind.
Was das für Gamer bedeutet
Wer eine 990 Pro besitzt und ein Garantieproblem hat, steht vor einer Zerreissprobe. Samsung verweigert den Austausch mit Verweis auf „nicht verfügbare" Ware, während der freie Markt das gleiche Produkt zum dreifachen Preis anbietet.
Rossmans Klage könnte weitreichende Folgen haben: Sie stellt die Frage, ob Hersteller ihre Garantiepflichten durch künstliche Verknappung umgehen dürfen, besonders bei Hardware, die für Gaming-PCs unverzichtbar ist. Die 990 Pro wird in vielen Highend-Systemen eingesetzt, zusammen mit Konkurrenzprodukten wie der WD Black SN850X (Startpreis 270 Dollar) oder der Seagate FireCuda 530 (290 Dollar). Beide sind aktuell auf Amazon günstiger als die Samsung-SSD und verfügbar. Die Klage zielt darauf ab, Samsung zu zwingen, entweder Ersatz zu liefern oder den aktuellen Marktpreis zu erstatten, mindestens 949 Dollar pro Laufwerk.
Garantie und Reparaturrecht
Der Fall reiht sich in eine Serie von Auseinandersetzungen um das Right to Repair. Die Federal Trade Commission (FTC) hat in den USA bereits Apple und John Deere wegen republikationsfeindlicher Praktiken verwarnt. Samsung argumentiert bei vielen Produkten mit „kein Ersatz verfügbar", selbst wenn Bauteile identisch zu aktuellen Modellen sind. Rossman dokumentiert seit Jahren solche Fälle auf seinem Kanal, von fehlenden Akkus für Galaxy-Tablets bis zu nicht mehr lieferbaren Mainboards für Laptops. Die Klage gegen Samsung könnte Präzedenzfall schaffen: Wenn Hersteller Garantieansprüche mit Marktpreisen unterlaufen dürfen, wäre der Verbraucherschutz ausgehöhlt. Der Termin für die erste Anhörung ist für Juni 2025 am New York State Court angesetzt.