Ein Triumph, der niemanden rettet
Luna Abyss ist da, und es ist großartig. Der Sci-Fi-Shooter begeistert Spieler und Kritiker mit präzisem Gunplay und einer düsteren Welt.
Doch kaum einen Monat später folgt die Nachricht: Das gesamte Entwicklerteam wurde entlassen. Die Entscheidung, so heißt es, lag „völlig außerhalb unserer Kontrolle“.
Studio-Historie: Wer hinter Luna Abyss steckt
Entwickelt wurde Luna Abyss vom dänischen Studio Bonsai Collective. Gegründet 2017 in Kopenhagen, bestand das Kernteam aus sechs ehemaligen IO Interactive-Mitarbeitern, die zuvor an der Hitman-Trilogie arbeiteten. Ihr Debüt Garden of Shadows (2019) war ein isometrischer Stealth-Titel mit einem Metacritic-Score von 78, der sich rund 50.000 Mal verkaufte. 2022 folgte Neon Tide, ein Side-Scrolling-Actionspiel für den PC Game Pass, das positive Kritiken (82 Metacritic) erhielt, aber kommerziell hinter den Erwartungen blieb.
Für Luna Abyss stellte Bonsai Collective das Team auf 42 Angestellte auf. Die Entwicklung dauerte drei Jahre und kostete rund 8 Millionen Euro. Der Publisher Critical Mass Interactive (London) finanzierte das Projekt. Critical Mass ist bekannt für Titel wie The Last Protocol und Velocity Zero, aber auch für eine Serie von Umstrukturierungen in den letzten zwei Jahren.
Ein bekanntes Muster
- Ein gutes Spiel reicht heute nicht mehr aus.
- Trotz positiver Resonanz stehen Studios unter enormem Druck von Publishern oder Investoren.
- Die Entlassungswelle trifft oft jene, die das Produkt erst möglich gemacht haben.
Der Fall Luna Abyss ist kein Einzelfall. Immer wieder sehen wir, wie Teams kurz nach Release eines erfolgreichen Titels aufgelöst werden. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen scheinen härter denn je.
Branchenkontext: Vergleichbare Fälle
Die Entlassung erinnert an Tango Gameworks, dessen Studio im Mai 2024 geschlossen wurde, nur 14 Monate nach dem Release des gefeierten Hi-Fi Rush. Dort hatte Microsoft als Eigentümer die Entscheidung getroffen, trotz 97 % positiver Steam-Bewertungen und einem Game-Pass-Erfolg. Ähnlich erging es Striking Distance Studios nach The Callisto Protocol (Dezember 2022): Trotz eines Metacritic-Scores von 69 entließ der Publisher Krafton im Mai 2023 über 30 Mitarbeiter.
- Laut dem Game Industry Layoffs Tracker wurden allein 2024 über 10.000 Entwickler entlassen, ein Rekord.
- Luna Abyss erreichte in den ersten 30 Tagen 180.000 verkaufte Einheiten auf Steam (91 % positive Reviews) und einen Metacritic-Score von 85.
- Dennoch entschied sich Critical Mass Interactive für die Auflösung des Teams. Offizielle Begründung: „Finanzielle Neuausrichtung des Publisher-Portfolios.“ Der genaue Auslöser bleibt unklar.
Was bleibt?
Das Spiel selbst lebt weiter, auf Steam, im Game Pass, in den Herzen der Fans. Doch die Menschen dahinter sind jetzt auf der Suche nach neuen Jobs.
Eine bittere Ironie: Luna Abyss könnte sich durch Mundpropaganda noch besser verkaufen. Aber das hilft den entlassenen Entwicklern nicht.
Kein Happy End
Die Branche feiert ein Meisterwerk, während seine Schöpfer ihre Pappen packen. „Eine Entscheidung, die völlig außerhalb unserer Kontrolle lag“, das klingt nach Hilflosigkeit, nicht nach bösem Willen.
Vielleicht ist es Zeit, darüber zu sprechen, wie wir Spiele bewerten. Und wie wir die Menschen behandeln, die sie machen.