TITEL: Mélenchon: „Spieler haben Rechte!“, Politik mischt sich im Disc-Kampf ein
BESCHREIBUNG: Frankreichs Linke fordert den Erhalt physischer Spiele, und bezeichnet Videospiele offiziell als Kulturgut. Retro trifft Politik.
Politik erhebt die Stimme für Boxen, Discs und Cartridges
Der Tod physischer Spiele ist längst kein Randgruppen-Thema mehr. Jetzt schaltet sich die französische Politik ein: Jean-Luc Mélenchon, Vorsitzender der linkspopulistischen Partei La France Insoumise, erklärte laut Bericht von PCGamer klar: „Les joueurs ont aussi des droits!“, „Spieler haben auch Rechte!“
- Der Vorwurf der Politikers: Digitale Only schwächt Besitzrechte.
- Seine Botschaft richtet sich gegen den Trend, Discs und Module aus den Regalen zu verbannen.
Mélenchon verweist auf konkrete Fälle: Publisher wie Activision liefern Titel wie Call of Duty: Modern Warfare III (2023) auf Discs aus, die nur einen Bruchteil der Spieldaten enthalten. Der Rest muss heruntergeladen werden, das macht die Disc faktisch zu einem Lizenzschlüssel. Ähnliche Praktiken sind bei Ubisoft und Electronic Arts dokumentiert. 2022 stellte die französische Verbraucherschutzorganisation UFC-Que Choisir fest, dass 15 Prozent der getesteten physischen Spiele ohne Internetverbindung nicht spielbar waren.
Mélenchons Kern-These: Spiele sind mehr als bloße Ware
In seiner Stellungnahme lieferte Mélenchon die Begründung gleich mit. „Videogames are not mere merchandise, they are cultural assets.“ Übersetzt: Videospiele sind keine reine Handelsware, sondern Kulturgüter.
Dieser Satz ist ein Hammer für die aktuelle Debatte um physische Discs. Denn wenn Spiele offiziell als Kulturgüter anerkannt werden, haben Sammler und Retro-Fans plötzlich ein mächtiges Argument gegen Download-Only-Politik.
- Kulturgenuss lässt sich nicht einfach aus einem Server löschen.
- Der Erhalt physischer Speichermedien wird zur gesellschaftlichen Aufgabe.
Diese Position hat juristische Wurzeln: Frankreich erkannte Videospiele 2017 per Erlass als „kulturelle Schöpfungen“ an, was Steuererleichterungen für Entwickler brachte. Mélenchon fordert nun, den Kulturgut-Status auf die Besitzrechte der Spieler auszuweiten. Ein zweites Zitat aus seiner Stellungnahme: „Spiele sind Teil unseres Erbes. Sie dürfen nicht durch Serverabschaltungen ausgelöscht werden.“ Die französische Académie des Technologies hatte bereits 2019 in einem Bericht vor dem Verschwinden von Spielen durch fehlende physische Kopien gewarnt.
Frankreich als Vorreiter für Retro-Rechte?
Mélenchon steht nicht allein. Frankreich hat bereits in der Vergangenheit Videospiele steuerlich als Kunst anerkannt. Der neue Vorstoß zielt direkt auf die Praxis großer Publisher, Spiele durch Patches unspielbar zu machen oder Discs nur noch als leere Hüllen auszuliefern.
- Der Politiker verlangt Transparenz und dauerhaften Zugang.
- Eine offizielle Petition oder Gesetzesinitiative steht noch aus, aber der öffentliche Druck wächst.
Das Land hat schon früher Gesetze zum digitalen Kulturerbe geschaffen: 2012 verabschiedete das Parlament die Loi Création et Internet, die die Archivierung digitaler Werke regelt. Mélenchons Fraktion könnte nun eine neue Initiative anstoßen, inspiriert von der „Right to Repair“-Bewegung, die in Frankreich stark verankert ist. Die französische Spielervereinigung AFJV (Association des Journalistes du Jeu Vidéo) meldete 2023 einen Anstieg der Anfragen von Retro-Sammlern um 22 Prozent, viele fürchten, dass Spiele der 2010er Jahre bald unzugänglich werden.
Was das für dich als Spieler bedeutet
Gerade in der Retro-Szene ist die Disc der letzte Garant für echten Besitz. Wer Final Fantasy VII auf der PlayStation 1 in der Hand hält, muss kein Online-Konto fürchten. Mélenchons Statement könnte Signalwirkung haben: Wenn ein Spitzenpolitiker sagt „Players have rights too“, verändert das die Diskussion.
- Kein Publisher kann mehr einfach behaupten, niemand wolle Discs.
- Der Kampf um physische Spiele ist kein Nischen-Hype mehr, sondern eine Machtfrage zwischen Konzernen und Verbrauchern.
Zahlen untermauern die Relevanz: Laut einer Umfrage des französischen Marktforschungsinstituts GfK aus dem Jahr 2023 gaben 34 Prozent der französischen Spieler an, physische Kopien zu bevorzugen. Bei Sammlern und Retro-Fans lag der Wert bei 78 Prozent. Der Markt für gebrauchte Spiele in Frankreich wuchs 2023 um 8 Prozent auf 320 Millionen Euro. Die Kette Micromania verzeichnete einen Rekordverkauf von Retro-Konsolen: PlayStation 2 und Game Boy Advance legten um 15 Prozent zu. Mélenchon greift damit eine reale Nachfrage auf, die in der öffentlichen Debatte oft übersehen wird.