Ein Begriff, der die Debatte bestimmt
Marvel’s Wolverine ist noch nicht veröffentlicht, diskutiert wird aber schon reichlich. Im Zentrum steht diesmal ausgerechnet der Begriff “Fart Gas”, der in Verbindung mit dem Spiel aufgetaucht ist. Eine offizielle Bestätigung von Insomniac Games oder Sony gibt es dafür bislang nicht. Die Debatte zeigt trotzdem, wie nervös die Community bei großen PlayStation-Titeln inzwischen reagiert. Ein Spiel, das seit Jahren angekündigt ist, wird heute lange vor dem ersten umfangreichen Gameplay-Material seziert wie ein fertiges Produkt.
Was an der “Fart-Gas”-Diskussion dran ist
- Eine offizielle Bestätigung aus dem Studio oder von Sony fehlt bis heute.
- Diskutiert wird über eine Beschreibung des Titels, nicht über fertiges Spielmaterial.
- Der Begriff wirkt albern, trifft aber einen Nerv: Wolverine gilt als brutalerer und ernsterer Charakter als Spider-Man.
- Für viele Fans geht es deshalb um die Frage, ob das Spiel seine Figur überhaupt ernst nimmt.
- Kritiker sehen darin ein weiteres Beispiel für Diskussionen, die echte Inhalte ersetzen.
Der eigentliche Vorwurf: zu viele Sicherheitsnetze
Deutlich substanzieller als die Frage nach dem Begriff ist die Kritik am Spielaufbau. Dem PS5-Titel wird vorgeworfen, zu stark auf Schienen zu laufen und Spielern zu wenig zuzutrauen. Statt eigener Erkundung und Experimente sollen Hinweise und Skriptsequenzen den Weg vorgeben. Der Vorwurf ist nicht neu, trifft aber ein Studio, das mit den Spider-Man-Titeln genau dafür bekannt wurde: aufpolierte, zugängliche Inszenierung mit klaren Markierungen auf der Karte. Bei einer Figur wie Wolverine, die von Wut und Unberechenbarkeit lebt, wirkt diese Formel schnell wie ein Widerspruch.
Insomniac Games: Vom Jump-‘n’-Run zum Marvel-Studio
- Gegründet in der Mitte der Neunziger, bekannt geworden mit Spyro the Dragon.
- Danach folgten Ratchet & Clank, Resistance und schließlich die Spider-Man-Reihe.
- Seit 2019 gehört das Studio zu PlayStation Studios und arbeitet exklusiv für Sonys Konsolen.
- Marvel’s Spider-Man (2018), Miles Morales (2020) und Spider-Man 2 (2023) waren kommerzielle Volltreffer.
- Die Ankündigung von Marvel’s Wolverine fiel ins Jahr 2021, seither ist es ruhig um konkrete Details geworden.
Wolverine im Marvel-Universum der Konsolen
Marvel-Spiele haben eine durchwachsene Bilanz. Marvel’s Avengers von Crystal Dynamics und Eidos-Montréal floppte 2020 als Service-Spiel und verlor schnell seine Spielerbasis. Marvel’s Guardians of the Galaxy (2021) war erzählerisch stark, verkaufte sich aber schwächer als erhofft. Marvel’s Midnight Suns (2022) von Firaxis scheiterte daran, Taktik und Kartenspiel zusammenzubringen. Erfolgreich war fast nur, was sich an eine einzelne Figur band und von einem erfahrenen Studio kam. Genau in dieser Lücke sitzt Wolverine: kein Ensemble, keine Live-Service-Struktur, sondern ein Charakter mit klarer Kante.
Branchenkontext: Die Debatte um zu viel Führung
- God of War Ragnarök wurde für seine ständigen Begleiter-Hinweise kritisiert, Santa Monica Studio reagierte später mit Anpassungen.
- Horizon Forbidden West bot Optionen, um Aloys Kommentare zu Rätseln zu reduzieren.
- Elden Ring wurde 2022 dafür gefeiert, dass es Spieler bewusst allein ließ und trotzdem ein Massenpublikum erreichte.
- Baldur’s Gate 3 bewies 2023, dass komplexe Systeme kommerziell funktionieren können, wenn sie fair erklärt werden.
- Barrierefreiheits-Optionen sind heute Standard und stehen nicht im Widerspruch zu anspruchsvollem Design.
Was Spieler sich für Wolverine wünschen
Die Erwartungen lassen sich in wenigen Punkten bündeln. Viele wollen Kämpfe, die wehtun und Fehler bestrafen, statt Animationen, die alles abfedern. Andere fordern, dass Rätsel und Wege nicht sofort markiert werden. Ein dritter Punkt betrifft die Erzählung: Ein Wolverine, der sich wie ein gezähmter Superheld verhält, passt nicht zur Vorlage. Und schließlich geht es um Umfang: Nach Spider-Man 2 mit seiner vergleichsweise kurzen Kampagne ist die Skepsis gegenüber dem Preis-Leistungs-Verhältnis gewachsen. Ob Insomniac Games diese Erwartungen erfüllt, lässt sich anhand der bisherigen Materialien nicht beantworten.
Ein Streit, der vor allem eines verrät
Bemerkenswert ist die Reihenfolge: Erst wird über einen bizarren Begriff geredet, dann über Spielmechanik. Das Muster kennt man aus dem Vorfeld vieler großer Releases, wo jedes Detail zum Streitfall wird. Der Punkt, der einen Release überdauern dürfte, ist aber nicht der Begriff, sondern das fehlende Vertrauen in Spieler. Wenn Marvel’s Wolverine erscheint und die Kritik am Skript-Design bestehen bleibt, wird niemand mehr über “Fart Gas” sprechen.