Stiller Patch, große Wirkung
Capcom hat ohne Vorankündigung ein Update für Ultimate Marvel vs. Capcom 3 auf Steam ausgerollt. Patchnotes? Fehlanzeige. Die Community reagierte mit Überraschung, als sich herausstellte, dass der Patch nicht nur kleine Korrekturen brachte, sondern einen der dominantesten Charaktere des Spiels traf.
Capcoms Entwicklungsteam und die Geschichte der Serie
Ultimate Marvel vs. Capcom 3 entstand in Zusammenarbeit zwischen Capcom und dem Studio Eighting (ehemals Raizing). Eighting hatte zuvor Tatsunoko vs. Capcom (2008) für Wii entwickelt, ein technisch eigenständiges Kampfspiel, das die spätere 3-gegen-3-Mechanik von MvC3 vorwegnahm. Capcom selbst brachte 2011 das ursprüngliche Marvel vs. Capcom 3: Fate of Two Worlds auf den Markt. Es verkaufte sich weltweit rund 2,2 Millionen Mal. Nur acht Monate später erschien Ultimate Marvel vs. Capcom 3 als überarbeitete Fassung mit 12 neuen Charakteren, darunter Phoenix, die schnell zum Problemfall wurde.
Phoenix stürzt ab
Phoenix war seit Jahren Kern vieler Top-Team-Kompositionen. Ihre Dark-Phoenix-Form galt als nahezu unschlagbar, sobald sie aktiviert war. Nach dem Patch funktionieren zentrale Mechaniken offenbar nicht mehr richtig. Erste Berichte deuten darauf hin, dass der Charakter kaum noch spielbar ist. Für Turnierspieler ist das ein schwerer Schlag.
Capcom schweigt, Rätselraten beginnt
Bisher gibt es kein Statement von Capcom. Weder auf Steam noch auf den offiziellen Social-Media-Kanälen wurde der Patch erwähnt. Handelt es sich um einen versehentlich hochgeladenen Build? Wollte Capcom heimlich die Balance anpassen und hat dabei einen Bug eingebaut? Klar ist nur: Ein Top-Tier-Charakter wurde durch ein unangekündigtes Update zerstört. Die Szene wartet auf eine schnelle Korrektur.
Ein Déjà-vu für Kampfspiel-Fans
Unangekündigte Patches mit großen Auswirkungen sind selten. Capcom hat aber schon bei älteren Street Fighter-Versionen ähnliche Überraschungen gebracht. 2021 veröffentlichte das Unternehmen einen stillen Patch für die Street Fighter 30th Anniversary Collection, der Eingabeverzögerungen änderte, ebenfalls ohne Vorwarnung. Dieses Mal könnte der Schaden besonders groß sein, weil Phoenix das Herz vieler Team-Strategien war. Turnierorganisatoren müssen jetzt schnell entscheiden, ob der Patch auf Events aktiv bleiben darf.
Branchenkontext: Stille Patches und ihre Folgen
Der Vorfall reiht sich in eine Geschichte unangekündigter Updates ein, die oft mehr Schaden anrichten als Nutzen. 2019 veröffentlichte Bandai Namco einen stillen Patch für Tekken 7, der die Frame-Daten von Gelegenheitsnutzern unbrauchbar machte. Im selben Jahr aktualisierte Nintendo Super Smash Bros. Ultimate ohne Notes, mit dem Ergebnis, dass mehrere Charaktere unerwartete Schwächen erhielten. Bei Ultimate Marvel vs. Capcom 3 kommt erschwerend hinzu, dass das Spiel seit 2017 keine offiziellen Updates mehr bekam. Die letzte Änderung war ein Rollback-Netcode-Patch von Fans. Capcoms jetziger Eingriff wirkt wie ein Blindflug: Das Unternehmen hat keinen aktiven Support mehr für den Titel, und die Steam-Version wird von lediglich etwa 200 bis 400 gleichzeitigen Spielern pro Tag genutzt (Stand SteamDB). Warum ein Patch mit solchen Auswirkungen jetzt kommt, bleibt unklar.
Still und heimlich
Der Patch ist live, Phoenix ist kaputt, Capcom schweigt. Die Ultimate Marvel vs. Capcom 3-Community sitzt auf heißen Kohlen. Der letzte offizielle Turnier an diesem Titel, das Evo 2022, fand ohne Probleme statt. Ob der Patch dort überhaupt bemerkt worden wäre, ist fraglich: Die meisten Spieler weichen längst auf die Playstation-4-Version aus, die vom Patch nicht betroffen ist.