Neuanfang für die Mutanten
Kevin Feige, das Mastermind hinter dem Marvel Cinematic Universe, will die X-Men komplett neu aufrollen. In einem aktuellen Interview sprach er von einem „big swing“, einem großen, mutigen Wurf, der nichts mit den früheren Fox-Filmen zu tun haben soll.
Drehbuchautor Lee Sung Jin, bekannt für die Serie Beef, gab gegenüber GamesRadar+ Entwarnung: Kein einziger X-Men-Charakter sei von vornherein ausgeschlossen. Das eröffnet enorme kreative Freiheiten.
Volle Freiheit für das Drehbuch
Lee Sung Jin betonte, dass das Team keine Einschränkungen von Marvels Führungsebene bekommt.
- Alle klassischen Mutanten wie Wolverine, Cyclops oder Storm stehen zur Auswahl.
- Auch obskure Figuren aus den Comics sind möglich.
- Die Auswahl erfolgt rein nach dramaturgischen Gesichtspunkten.
Das klingt nach einem frischen Ansatz, der nicht auf bestehende Filme Rücksicht nehmen muss. Vergesst die Fox-Ära, hier wird neu aufgebaut.
Was bedeutet das für Fans?
Viele Zuschauer hoffen auf eine werkgetreue Umsetzung der Comicvorlage.
- Die Freiheit bei der Charakterauswahl spricht dafür.
- Ein „big swing“ könnte bedeuten, dass Marvel nicht nur altbekannte Gesichter bringt.
- Denkbar wären etwa Bezüge zu Teams wie Alpha Flight oder Excalibur.
Eine offizielle Bestätigung für konkrete Charaktere gibt es noch nicht. Aber die Marschrichtung ist klar.
Und die Spiele?
Für Gamer ist die News ebenfalls relevant. Die X-Men tauchen immer wieder in Marvel-Spielen auf, von Marvel's Midnight Suns bis zu den Lego Marvel-Titeln. Ein frischer Look im Kino könnte auch die Spieleentwickler zu neuen Interpretationen inspirieren. Ob der Film-Neustart direkten Einfluss auf zukünftige Spiele hat, bleibt abzuwarten. Die Möglichkeiten sind aber vielversprechend.
Die Erwartungen sind hoch
Nach den enttäuschenden letzten X-Men-Filmen unter Fox setzt Marvel nun auf ein völlig neues Konzept. Kevin Feige hat mit dem MCU bereits gezeigt, dass er Langzeitplanung beherrscht. Ein Neustart ohne Altlasten bietet die Chance, die Mutanten endlich richtig zu etablieren. Die Weichen sind gestellt.
Die Fox-Ära: 20 Jahre zwischen Höhen und Tiefen
Zwischen 2000 und 2020 veröffentlichte 20th Century Fox 13 X-Men-Filme. Die Reihe startete mit X-Men (2000, weltweit 296 Mio. US-Dollar) und X2 (2003, 407 Mio.), etablierte Hugh Jackman als Wolverine. Spätere Höhepunkte waren X-Men: Days of Future Past (2014, 748 Mio.) und Logan (2017, 619 Mio., Oscar-nominiert). Die Serie endete mit X-Men: Dark Phoenix (2019, 252 Mio. bei 200 Mio. Budget) und The New Mutants (2020, 49 Mio.), beide finanzielle Enttäuschungen. Die Produktionsbudgets stiegen von 75 Mio. auf bis zu 250 Mio., die durchschnittliche Kritikerwertung (Rotten Tomatoes) fiel von 81% (X2) auf 22% (Dark Phoenix). Nach der Übernahme von Fox durch Disney im März 2019 für rund 71,3 Mrd. US-Dollar kehrten die Filmrechte an Marvel zurück.
Branchenkontext: Neustarts als bewährte Strategie
Komplette Neustarts großer Superhelden-Franchises sind selten, aber nicht ohne Vorbild. Sony rebootete Spider-Man dreimal: Tobey Maguire (2002-2007), Andrew Garfield (2012-2014) und Tom Holland (2016-heute), jeder Neustart spielte über 700 Mio. ein. Warner Bros. startete Batman nach der Nolan-Trilogie mit Ben Affleck und später Robert Pattinson neu. Marvel selbst ersetzte Edward Norton als Hulk durch Mark Ruffalo (2012) und integrierte Spider-Man als Teil des MCU, ohne die Vorgängerfilme zu übernehmen. Ein radikaler Bruch wie bei den X-Men, mit vollständig neuer Besetzung und Kontinuität, gab es zuletzt bei The Amazing Spider-Man. Der Unterschied: Marvel hat nun die Kontrolle über das gesamte Mutanten-Universum und kann es nahtlos in das bestehende MCU einweben.
Lee Sung Jin: Ein Autor ohne Superhelden-Vergangenheit
Die Wahl von Lee Sung Jin als Drehbuchautor überrascht: Seine einzige nennenswerte Arbeit ist die Netflix-Serie Beef (2023), die neun Emmy-Nominierungen erhielt, aber keinerlei Genre-Film-Erfahrung zeigt. Marvel setzt damit auf einen frischen blick, ähnlich wie bei Guardians of the Galaxy (James Gunn, vorher Horror und Comedy) oder Shang-Chi (Destin Daniel Cretton, Indie-Drama). Feige sagte 2023, dass die X-Men „the next 20 years of the MCU“ prägen sollen. Ob Sung Jin diese Last tragen kann, bleibt abzuwarten. Er selbst erklärte, er wolle sich auf Charakterdynamik konzentrieren statt auf Superhelden-Klischees. Ein erster Entwurf wird nicht vor 2026 erwartet.