Meta zeigt sich unerschütterlich
Laut Berichten von PC Gamer (Juli 2026) betont das Unternehmen, dass man an „mehreren Headsets der nächsten Generation“ tüftelt. Das klingt nicht nach Rückzug, sondern nach Durchhaltewillen.
- Die VR-Branche kämpft mit sinkenden Verkaufszahlen und ausbleibenden Blockbuster-Titeln.
- Der Begriff Metaverse ist zum Schimpfwort verkommen, doch Meta scheint das nicht zu jucken.
Die Historie von Oculus und Metas VR-Strategie
Meta (damals Facebook) kaufte 2014 die junge Firma Oculus für 2 Mrd. US-Dollar. Gründer Palmer Luckey war damals 21. Das erste Serien-Headset Oculus Rift (2016) kostete 599 US-Dollar, benötigte einen leistungsstarken PC und verkaufte sich auf Lebenszeit knapp über 1 Mio. Einheiten.
Der Wendepunkt kam mit der Oculus Quest (2019): ein Standalone-Headset ohne PC, zum Startpreis von 399 US-Dollar. Nachfolger Quest 2 (Oktober 2020) war ein durchschlagender Erfolg. Branchenschätzungen gehen von 15 bis 20 Mio. verkauften Geräten aus, weit mehr als alle vorherigen VR-Headsets zusammen. Das Unternehmen änderte den Namen von Oculus zu Meta und gründete die Sparte Reality Labs. Chef dort ist Andrew Bosworth, Metas langjähriger CTO. John Carmack, der als CTO für Oculus die technische Vision prägte, verließ das Unternehmen 2022.
Mit Quest Pro (Oktober 2022) versuchte Meta eine Premium-Linie für rund 1500 US-Dollar. Das Gerät hatte Eye-Tracking und Gesichtssensoren, verkaufte sich aber schwach, Schätzungen nennen unter 300.000 Einheiten. Quest 3 (Oktober 2023) brachte Pancake-Linsen, Farb-Passthrough für Mixed Reality und einen Snapdragon XR2 Gen2-Chip. Preis: 499 US-Dollar. Analysten vermuten, dass sich Quest 3 bis heute unter 5 Mio. Mal verkauft hat.
Widerspruch zur aktuellen Stimmung
In Foren und auf Social Media wird XR-Technologie oft als totgeschrieben. Meta selbst erlebt mit der Quest-Reihe immer wieder Dämpfer, etwa durch Preiserhöhungen oder lahme Software-Unterstützung.
Dennoch: Die Ankündigung mehrerer Next-Gen-Geräte deutet auf ein langes Atem hin. „Down but not out“, wie die Quelle es formuliert.
Branchenkontext: Der Zustand des VR-Marktes 2026
Der weltweite VR-Markt schrumpft seit 2024. IDC-Zahlen zeigen 2023 noch 8,5 Mio. verkaufte Headsets, 2025 waren es nur noch knapp 6 Mio. Metas Anteil lag 2025 bei etwa 70 Prozent, doch auch die Quest-Familie verliert an Schwung.
Die Konkurrenz sieht nicht besser aus. Apple Vision Pro (Februar 2024) startete bei 3500 US-Dollar, Brancheninsider schätzen die Verkäufe auf unter 500.000 Einheiten. Sony PlayStation VR2 (Februar 2023) verkaufte laut Sony-Angaben rund 2 Mio. Einheiten, blieb aber hinter Hoffnungen zurück. Pico (ByteDance) zog sich aus dem europäischen Markt zurück. Valve ließ den Index auslaufen, ohne Nachfolger anzukündigen.
Metas Reality Labs verlor 2024 rund 20 Mrd. US-Dollar operativ. Seit 2014 flossen insgesamt über 50 Mrd. US-Dollar in die Sparte. Mark Zuckerberg hält trotzdem an der Strategie fest.
Was das für Spieler bedeuten könnte
Neue Hardware bedeutet potenziell mehr Leistung, höhere Auflösung und bessere Tracking-Systeme.
Zwei oder drei parallele Entwicklungen, das klingt nach unterschiedlichen Preis- und Zielgruppen.
Ein möglicher Nachfolger der Quest 3 oder ein günstigeres Einsteigermodell wären denkbar.
Gerüchte aus der Lieferkette nennen einen Quest 4 für 2027 mit einem Nächstgen-Chip (Qualcomm XR3), Eye-Tracking in der Basisversion und einem leichteren Gehäuse. Ein zweites Gerät könnte eine Quest „Pro 2“ werden, mit mehr RAM und hochauflösenderen Displays für Content-Creators. Ein drittes Modell, eine günstige Quest 3 Lite oder Quest 3S, wurde bereits im Oktober 2024 durch ein durchgesickertes Marketingmaterial angedeutet, aber nie offiziell veröffentlicht. Stattdessen brachte Meta Ende 2025 eine überarbeitete Quest 3-Version mit mehr Speicher und neuem Tragegurt.
Die Software-Seite bleibt das größte Fragezeichen. Aktuelle VR-Blockbuster wie Half-Life: Alyx (Valve, 2020) oder Resident Evil 4 VR (2021) sind über fünf Jahre alt. Meta finanziert eigene Studios wie Sanzaru Games (Asgard’s Wrath 2) und Camouflaj (Iron Man VR), doch durchschlagende Hit-Titel fehlen.
Kein Grund zur Euphorie, aber auch nicht zur Resignation
Meta investiert weiter in eine Technologie, die viele längst abgeschrieben haben. Ob die neuen Headsets den Markt beleben oder nur gegen die Wand laufen, bleibt abzuwarten.
Fakt ist: Noch ist kein Stecker gezogen. Und genau das macht die Sache spannend.