Zweifel an der Bestenliste
Der YouTube-Kanal Did You Know Gaming hat bei Recherchen für eine Retrospektive Ungereimtheiten bei der Wertung von The Legend of Zelda: Ocarina of Time entdeckt. Diese Entdeckung stellt den langjährigen Status des Spiels als höchstbewerteter Titel auf Metacritic infrage.
Die Analyse der Datensätze zeigt, dass die aktuelle Punktzahl von 99 auf einer selektiven Auswahl von Kritiken basiert, die bei genauerer Betrachtung nicht alle den damaligen Qualitätsstandards entsprechen. Ein Teil der gelisteten Publikationen existierte zum Zeitpunkt des ursprünglichen Releases im Jahr 1998 in der heutigen Form noch gar nicht.
Die Analyse der Daten
Die Untersuchung des Kanals konzentriert sich auf die Art und Weise, wie die verschiedenen Kritiken aggregiert werden. Dabei sind folgende Punkte aufgefallen:
- Die historische Gewichtung einzelner Wertungen scheint nicht konsistent zu sein.
- Bestimmte Einträge in der Datenbank von Metacritic entsprechen nicht den ursprünglichen Publikationen.
- Die statistische Erfassung der Punktzahlen weist nach Ansicht der Rechercheure Lücken auf.
Metacritic nutzt für die Berechnung ein gewichtetes System, bei dem bestimmte Publikationen einen größeren Einfluss auf den Durchschnitt haben als andere. Die Rechercheure von Did You Know Gaming zeigen auf, dass einige Quellen mit überproportionaler Gewichtung in die Berechnung einflossen, obwohl diese zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung von Ocarina of Time noch nicht existierten.
Studio-Historie und Entwicklungskontext
Nintendo EAD entwickelte Ocarina of Time unter der Leitung von Shigeru Miyamoto, Eiji Aonuma und Toru Osawa. Das Studio war zu diesem Zeitpunkt bereits durch Erfolge wie Super Mario 64 etabliert, das als technische Vorlage für die 3D-Steuerung diente.
- Ocarina of Time war das erste 3D-Spiel der Zelda-Serie.
- Die Entwicklung begann direkt nach dem Abschluss von Super Mario 64.
- Das Team bestand aus über 100 Mitarbeitern, was für die damalige Zeit eine ungewöhnlich hohe Kapazität darstellte.
Vor der Veröffentlichung auf dem Nintendo 64 hatte das Studio die Serie mit Titeln wie A Link to the Past auf dem Super Nintendo bereits auf einem hohen qualitativen Niveau gefestigt. Der Übergang in die dritte Dimension erforderte die Programmierung völlig neuer Kamera-Systeme und Ziel-Mechaniken.
Branchenkontext und frühere Releases
Die Veröffentlichung im Jahr 1998 fiel in eine Zeit, in der die Umstellung von 2D-Grafik auf 3D-Polygon-Modelle die Branche prägte. Vergleichbare Titel wie Metal Gear Solid oder Half-Life erschienen im selben Jahr und konkurrierten um die Gunst der Kritiker.
- Ocarina of Time verkaufte sich weltweit über 7,6 Millionen Mal auf dem Nintendo 64.
- Der Metascore von 99 stützt sich auf eine Liste von 22 Rezensionen, die in der Datenbank verzeichnet sind.
- Andere Titel wie Tony Hawk’s Pro Skater 2 oder Grand Theft Auto IV liegen in der Datenbank ebenfalls in diesem Punktbereich.
Die statistische Basis von 22 Kritiken ist im Vergleich zu heutigen Titeln, die oft über 100 Rezensionen sammeln, äußerst gering. Diese geringe Stichprobengröße macht den Durchschnittswert anfällig für einzelne Ausreißer oder spätere nachträgliche Bewertungen.
Status des Klassikers
The Legend of Zelda: Ocarina of Time hält seit Jahren die Spitzenposition in der Datenbank. Die Betreiber von Did You Know Gaming haben diese Platzierung nun formell angezweifelt.
- Es gibt aktuell keine offizielle Stellungnahme seitens Metacritic zu diesen Berechnungen.
- Die aufgedeckten Unstimmigkeiten beziehen sich explizit auf die Zusammenstellung der Gesamtwertung.
- Die spielerische Qualität des Titels ist von dieser rein statistischen Debatte unberührt.
Ob eine Korrektur der Punktzahl erfolgt, bleibt abzuwarten. Die Debatte zeigt, wie sensibel die Community auf die algorithmische Einordnung von Videospiel-Geschichte reagiert. Die Metascore-Datenbank für Ocarina of Time enthält derzeit unter anderem Wertungen von Publikationen, die erst Jahre später gegründet wurden und deren "Retro-Reviews" die ursprüngliche Durchschnittsberechnung verfälschen.