Chef-Sager: „YouTube verdient an unseren Spielen“
Satya Nadella hat sich gegenüber Kotaku frustriert über die Gewinnsituation der Xbox-Sparte geäußert. Der Microsoft-CEO stellte klar: „Auf YouTube findet mehr Monetarisierung von Xbox-Spielen statt als auf unseren eigenen Plattformen.“ Viele Spieler schauen Let‘s Plays und Streams, die Werbeeinnahmen landen bei Google, nicht bei Microsoft.
Die magere Kasse in Redmond
Trotz Milliarden-Investments in Game Pass, Bethesda und Activision Blizzard lahmt das Geschäft. Nadella fordert nun „wirtschaftlich tragfähiges Wachstum“, ein klares Signal an die Investoren, dass Xbox nicht länger ein Prestige-Projekt sein darf. Die Konsolenverkäufe der aktuellen Generation hinken der PS5 hinterher, und der Abo-Dienst wächst langsamer als erhofft.
- Game Pass bringt zwar Nutzer, aber kaum Marge
- Hardware-Verkäufe fallen jedes Quartal
- Kosten für First-Party-Titel steigen rasant
Die YouTube-Falle
Das Paradoxon ist offensichtlich: Millionen schauen sich Halo, Starfield oder Call of Duty auf YouTube an, werben dort für die Spiele, klicken auf Links und füllen Googles Kasse. Microsoft hingegen sieht nur die Lizenzgebühren von wenigen Spielen. „Wir müssen Wege finden, vom Hype um unsere Marken direkt zu profitieren“, deutete Nadella an.
- Werbeeinnahmen von Gaming-Content gehen zu 100% an YouTube
- Microsoft verdient nur, wenn jemand ein Spiel kauft oder Game Pass abonniert
- Streamer und YouTuber sind quasi kostenlose Werbeträger, aber ohne Gegenleistung
Wohin steuert die Xbox-Strategie?
Die Aussage ist kein leeres Geplänkel. Nadella hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er unrentable Bereiche rigoros umbaut, oder einstampft. Mixer wurde geschlossen, Windows Mobile eingestellt. Xbox steht nun unter Zugzwang: Mehr In-Game-Käufe, höhere Game-Pass-Preise oder exklusive Inhalte, die nur zahlende Abonnenten sehen?
- Call of Duty könnte künftig mit Werbung oder Ingame-Shops stärker ausgeschlachtet werden
- Day-One-Releases im Abo sind teuer, vielleicht werden sie wieder gestaffelt
- Früher reichte ein gutes Spiel, heute zählt der Cent
Eine klare Antwort gab es nicht. Nadella verwies nur darauf, dass man „härtere Prioritäten“ setzen müsse.
Die Kosten der Übernahmen
Seit 2020 hat Microsoft knapp 80 Milliarden Dollar in Gaming-Studios gesteckt. Bethesda (ZeniMax) kostete 7,5 Milliarden, Activision Blizzard schlug mit 69 Milliarden zu Buche. Dazu kommen kleinere Käufe wie Mojang (2,5 Milliarden für Minecraft) und Double Fine. Die Übernahme von Activision brachte Microsoft nicht nur Call of Duty, sondern auch Candy Crush, World of Warcraft und Diablo. Allein Call of Duty setzt jährlich über 3 Milliarden Dollar um, doch der Gewinn fließt größtenteils an Activision, nicht in die Xbox-Abteilung. Nadella will diese Einnahmen nun stärker auf die eigene Plattform lenken.
- Activision Blizzard beschäftigte 2023 rund 17.000 Mitarbeiter
- Die Übernahme wurde von Wettbewerbshütern in Europa, den USA und Großbritannien geprüft
- Microsoft versprach, Call of Duty nicht exklusiv zu machen, eine Auflage, die den Spielraum einschränkt
Game Pass: die Kostenfalle
Der Game Pass zählt laut Analysten rund 30 Millionen Abonnenten. Bei knapp 10 Euro pro Monat für die Ultimate-Stufe sind das etwa 3,6 Milliarden Jahresumsatz. Die Ausgaben sind jedoch immens: Jeder Day-One-Titel wie Starfield verschlingt 200 bis 300 Millionen Dollar Entwicklungskosten. Dazu kommen Lizenzgebühren für Drittanbieter. Microsoft gibt pro Abonnent schätzungsweise 4 bis 5 Dollar im Monat mehr aus, als er einbringt. Ein Grund, warum der Dienst noch nie profitabel war. Zum Vergleich: Netflix brauchte über ein Jahrzehnt, um in die Gewinnzone zu kommen, Games sind teurer und weniger skalierbar.
- 2023 stellte Microsoft die 1-Euro-Testaktion für Neukunden ein
- Die Ultimate-Variante kostet in Deutschland 14,99 Euro/Monat
- Einige Analysten erwarten eine Preiserhöhung auf 18 Euro bis 2025
Branchenkontext: Sony und Nintendo machen es anders
PlayStation verkaufte von der PS5 bis Mitte 2024 rund 55 Millionen Einheiten, Xbox Series X/S liegt bei etwa 30 Millionen. Sony verdient an jeder verkauften Konsole und vor allem an Lizenzgebühren von Drittherstellern (30 Prozent Schnitt bei jedem Spielekauf). Nintendo druckt mit Zelda, Mario und Pokémon eigene Gewinne, die Switch hat sich über 140 Millionen Mal verkauft. Microsofts Strategie setzt dagegen auf Abos und Cloud. Das Problem: Ohne starke Hardwarebasis fehlt die kritische Masse für Werbe- und Transaktionserlöse. Nadellas Frust über YouTube ist auch eine Folge davon: Wer keine Plattform mit Millionen Nutzern kontrolliert, kann die Aufmerksamkeit nicht selbst monetarisieren.
- Sony erzielte 2023 einen Gaming-Umsatz von 30 Milliarden Dollar, Microsoft etwa 18 Milliarden
- Nintendo verdiente im selben Jahr über 4 Milliarden Dollar Gewinn, mehr als Microsofts Gaming-Sparte
- Microsofts Cloud-Dienst xCloud hat schätzungsweise 5 Millionen aktive Nutzer, weit unter den Erwartungen