Eine verlorene Chance für Xbox
Laut Bloomberg-Reporter Jason Schreier war Project Blackbird ein actionreiches MMO, das wie eine Mischung aus Destiny 2 und Cyberpunk 2077 wirkte. Das Spiel des The Elder Scrolls Online-Teams bei ZeniMax wurde Mitte 2025 gecancelt, einer der großen Verluste der Microsoft-Entlassungswelle.
In einem neuen YouTube-Video sagte Schreier: „Destiny ist gerade gestorben, und wenn Xbox ein Spiel wie Blackbird bereit gehabt hätte, um diese Lücke zu füllen, das hätte ein Hit werden können.“ Er betonte, er habe nur Positives über das Projekt gehört.
Was Project Blackbird so besonders machte
- Beschrieben als Destiny 2 meets Cyberpunk 2077: eine actionreiche, narrative Welt mit MMO-Elementen.
- Entwickelt vom erfahrenen ZeniMax Online Studios-Team, das bereits The Elder Scrolls Online betreut.
- Laut Schreier war das Spiel in der Entwicklung weit fortgeschritten, aber auch sehr teuer und hatte eigene Schwierigkeiten.
„Eigentlich eine Schande, dass es gecancelt wurde“, so Schreier. „Ich glaube, es hätte eine dringend benötigte Lücke für Xbox füllen können.“
ZeniMax Online Studios: Vom MMO-Erfolg zum nächsten Wurf
Das Studio wurde 2007 in Hunt Valley, Maryland, gegründet und startete mit The Elder Scrolls Online (2014). Nach einem holprigen Launch mit Kritik an technischen Problemen und Pay-to-Win-Vorwürfen stabilisierte sich das Spiel durch Erweiterungen wie Morrowind (2017) und Summerset (2018). Bis 2023 generierte ESO über 2 Milliarden US-Dollar Umsatz und zählt mehr als 22 Millionen registrierte Spieler.
Project Blackbird war der erste Versuch des Studios, eine komplett neue IP zu entwickeln. Das Team wuchs auf über 400 Mitarbeiter, parallel zur laufenden Unterstützung von ESO. Interne Quellen beschrieben Blackbird als First-Person-Shooter mit persistenter Welt, Hub-Welten und kooperativen Missionen, ähnlich der Destiny-Formel, aber mit stärkerer Betonung auf Story-Entscheidungen.
Der finanzielle Schlag gegen Blackbird
Warum Microsoft den Stecker zog, erklärte Matt Firor, ehemaliger Director von The Elder Scrolls Online: „Wir sind eine Zahl in einem Hauptbuch, und wenn diese Zahl groß ist, wird sie analysiert.“ Reine Finanzentscheidung, keine Frage der Qualität.
Auch Thomas Mahler, CEO von Moon Studios („Ori“), kritisierte kürzlich Xbox: Der Konzern verlasse sich zu sehr auf alte IPs und schütze nicht genug kreative Talente. Blackbird wäre das Gegenteil gewesen, eine neue Marke.
Der Markt für Sci-Fi-Live-Service-Spiele
Die Streichung fällt in eine Phase, in der Destiny 2 selbst unter Druck steht. Bungie entließ im Oktober 2023 rund 100 Mitarbeiter und stellte die Entwicklung des geplanten Destiny 3 sowie des Projekts Payback ein. Sonys Übernahme von Bungie für 3,6 Milliarden US-Dollar brachte keine schnelle Stabilisierung. Gleichzeitig kämpfen andere MMOs wie Anthem (2019, eingestellt) oder Marvel’s Avengers (2020, eingestellt) ums Überleben.
Microsoft hatte mit Blackbird eine Chance auf einen Platz im hart umkämpften Genre gehabt, ohne etablierte Konkurrenzmarke. Die einzigen großen Sci-Fi-MMOs am Markt sind Destiny 2, Warframe (2013, Digital Extremes) und Star Citizen (immer noch im Alpha-Stadium). Starfield (2023) von Bethesda besitzt zwar Sci-Fi-Setting, ist aber kein Live-Service-Spiel.
Was Xbox jetzt noch hat
- Gears of War: E-Day von The Coalition (angekündigt, aber noch kein Releasedatum)
- Clockwork Revolution von InXile Entertainment (ebenfalls in Entwicklung)
Doch ohne Blackbird fehlt Xbox ein direkter Konkurrent zu Destiny, und das zu einem Zeitpunkt, an dem Bungie die Entwicklung an seinem Sci-Fi-MMO eingestellt hat. Ein weites Feld, das jetzt unbesetzt bleibt.
Zahlen aus dem Microsoft-Gaming-Segment (Geschäftsjahr 2024) zeigen: Die Sparte verzeichnete nach der Activision-Blizzard-Übernahme (69 Milliarden US-Dollar) einen Umsatz von 21,5 Milliarden US-Dollar, aber die operativen Kosten stiegen. Der Abbau von 1.900 Stellen bei Activision, Blizzard und ZeniMax im Februar 2024 war Teil eines Sparkurses. Blackbird fiel diesem zum Opfer, obwohl es intern als vielversprechend galt.